Boston (dpa) - Vom namenlosen Nobody zum Hoffnungsträger der Zukunft - Sebastian Vollmers Entwicklung bei den New England Patriots geht ebenso steil nach oben wie die Tribünen des riesigen Gillette-Stadiums in Foxborough.
Vor einem Jahr galt er aufgrund seiner beeindruckenden Maße von 2,03 Meter und 143 Kilogramm lediglich als der «Koloss aus Kaarst» und einziger Deutscher, der sich bislang in der National Football-League (NFL) als Feldspieler durchsetzen konnte. Mittlerweile sprechen Fans und Verantwortliche in Boston jedoch längst von Vollmer als wichtigem Mosaikstein im Patriots-Puzzle der kommenden Jahre.
Der 26-Jährige gilt auf der Tackle-Position als Mann der Zukunft. Er selbst hat sich trotz seiner großartigen Rookie-Saison nicht verändert. Einstellung und Arbeitsaufwand sind auch im zweiten NFL- Jahr noch so wie bei seiner Premiere im September 2009. «Ich bin immer noch vor jedem Spiel aufgeregt und schaue nach jeder Partie im Video, welche Sachen ich noch besser machen kann», sagt Vollmer.
Vor einem Jahr kam die Nummer 76 zunächst nur sporadisch bei bestimmten Spielzügen in die Partien, ehe er im Laufe der Saison seine Qualität als Starter unter Beweis stellte. Mittlerweile ist Vollmer als Right Tackle ebenso gesetzt wie Tom Brady auf der Quarterback-Position. Beim 38:30-Heimsieg der Patriots gegen die Buffalo Bills war er im dritten Saisonspiel zum dritten Mal von Beginn an dabei. «Er hat unglaublich schnell gelernt, arbeitet ständig an sich. Sebastian ist ein großartiger Junge», lobt Trainer Bill Belichick.
Als er den Nobody vom Niederrhein im Frühjahr 2009 «draftete», gab es im erfolgsverwöhnten Pats-Umfeld durchaus einige Skeptiker. Doch die Zweifel sind ausgeräumt. Vollmer steht für Patriots-Power «Made in Germany». Vor allem seine Vielseitigkeit ist unter den knapp 1700 NFL-Profis eine Seltenheit. Ausgerechnet ein Deutscher, der erst mit 14 Jahren erstmals Football spielte, kann die anspruchsvolle Rolle des Tackle auf der rechten und linken Seite gleichermaßen zuverlässig ausfüllen. «Das ist schon ziemlich unglaublich, gerade, wenn man bedenkt, was er für einen Football-Background hat», betont Belichick.
Nachdem Vollmer in der Vorsaison bereits zwischenzeitlich auf der linken Seite als «Bodyguard» von Tom Brady fungiert und dem Superstar des Teams den Rücken freigehalten hatte, kommt er derzeit rechts zum Einsatz. «Im Training spiele ich meistens auf verschiedenen Positionen, so dass man im Fall der Fälle bereit ist. Mittlerweile ist es wirklich egal, ob ich links oder rechts spiele», so Vollmer. Spätestens ab der kommenden Saison wird er ein «echter Linker». Der Vertrag von Matt Light endet im Februar. Der 32-Jährige ist seit 2001 der Left Tackle der Patriots, hat an der Seite von Brady alle drei Superbowls der Vereinsgeschichte gewonnen.
Doch Vollmer, der in der Umkleidekabine nur zwei Meter neben Light sitzt, ist sechs Jahre jünger und gilt schon jetzt als ebenbürtig. Als einziger Nicht-Nordamerikaner im Team steht er immer öfter auch im Fokus deutscher Medien. In Interviews kommt es ab und an schon mal vor, dass der gebürtige Düsseldorfer, der seit 2004 in den USA lebt, einen Satz auf Deutsch beginnt und auf Englisch vollendet. «Manchmal fehlen mir einfach die deutschen Worte. Da muss ich schon etwas länger nachdenken.»



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