Eurosport - Do 27.Aug. 16:22:00 2009
Kim Kulig gilt als deutscher Shootingstar bei der EURO. Im Eurosport-Interview spricht die 19-Jährige Mittelfeldspielerin vom Hamburger SV auch über die eigene Karriere, ihren Spielstil und natürlich das schwere Gruppenspiel gegen Frankreich (ab 16:30 Uhr im Live-Ticker bei eurosport.yahoo.de).
Kim Kulig, gegen Norwegen musst man lange Zeit ganz schön zittern. Wo lagen die Probleme?
Kim Kulig: Es war natürlich blöd, dass wir am Anfang unsere Chancen nicht genutzt haben. Aber im Nachhinein war das schon eine gute Leistung von uns. Man muss sich gegen Norwegen auch erst mal so viele Chancen erarbeiten. Wir haben es ein bisschen spannend gemacht, aber weil "Nadse" (Nadine Angerer, Anm.d.Red.) so gut gehalten hat, waren wir angespornt, das zweite Tor zu machen. Als das 2:0 gefallen ist, war die Sache gegessen.
Sie haben vor ein paar Wochen gesagt, Sie wären zufrieden, wenn Sie überhaupt mitfahren würden. Jetzt haben Sie sogar von Anfang an gespielt. Wie war's denn so?
Kulig: Ich war zuerst ziemlich aufgeregt. Der ganze Tag war relativ lang und es hat sich alles hingezogen. Aber die Mannschaft hat sich auf das Spiel gefreut und irgendwann hat auch bei mir die Vorfreude überwogen. Im Stadion waren relativ viele Zuschauer und dann hat's einfach nur noch Spaß gemacht. Wir haben von der ersten Minute an gezeigt, wer auf dem Platz das Sagen hat und so bin ich auch leicht ins Spiel gekommen.
Sie haben einige knackige Zweikämpfe bestritten und scheinen auch mal da hin zu gehen, wo es weh tut.
Kulig: Ich denke so muss man auf der 6er-Position spielen. Da muss man einfach jeden Zweikampf annehmen und dann kann so etwas passieren. Dann tut die Nase ein bisschen weh, aber das ist nicht so schlimm.
Als Kind haben Sie sich heimlich auf den Weg zum Fußballplatz gemacht. Ihre Eltern hatten eigentlich etwas anderes für Sie geplant?
Kulig: Ich habe Leichtathletik gemacht und bin BMX gefahren. Meine Eltern waren der Meinung, dass das genug Sportarten seien. Obwohl beide wirklich fußballverrückt sind, haben sie gesagt, dass das zu viel für mich wird. Dann bin ich heimlich ins Training gegangen.
Das hat sich gelohnt. Sie gehen ja noch in die Schule. Wie verträgt sich das mit dem Fußball?
Kulig: Das ist natürlich Stress und erfordert Selbstdisziplin. Wenn man in der Schule lange Zeit fehlt, muss man viel nachholen. Ich versuche nächstes Jahr mein Abi zu machen und hoffe, dass das letzte Jahr relativ schmerzfrei über die Bühne geht.
Sie waren mal Stürmerin. Was ist passiert?
Kulig: Das weiß ich auch nicht. Ich denke, dass es mir geholfen hat, früher im Sturm gestanden zu haben, aber mittlerweile bin ich wohl eine echte Mittelfeldspielerin. Im Verein spiele ich noch ein bisschen offensiver, aber ich kann mich mit der defensiven Position gut anfreunden.
Haben Sie konkrete Ziele für Ihre Karriere?
Kulig: Jetzt will ich natürlich hier mit der Mannschaft erfolgreich spielen und womöglich den EM-Titel holen. Danach geht's dann in Richtung WM. Das ist für jede Spielerin ein großes Ziel. Gerade, weil sie im eigenen Land stattfindet.
Der nächste EM-Gegner heißt Frankreich. Was erwartet ihr von der Partie?
Kulig: Frankreich ist ein sehr guter Gegner. Sie sind technisch sehr stark. Da gilt es einfach noch mal genauso kompakt und zielstrebig wie gegen Norwegen zu spielen. Offensiv sind wir sicher genauso stark wie die Französinnen. Es wird auf jeden Fall interessant, weil es ein ganz anderer Gegner ist als Norwegen.
Wenn es mal nicht so gut läuft, dann hat die Mannschaft auch eine Dolmetscherin für die Ansagen der Französinnen im Team
Kulig: Ja die "Celi" (Celia Okoyino da Mbabi, Anm.d.Red.) kann gut Französisch. Aber ich denke, ich werde auch einiges verstehen, wenn die Französinnen sich Anweisungen geben, weil Französisch mein Leistungskurs in der Schule ist. Wir haben viele, die ein bisschen Französisch verstehen.
TV-Tipp:
Die Europameisterschaft der Frauen in Finnland vom 23. August bis 10. September LIVE auf Eurosport! Können Birgit Prinz und Co. Nach 1995, 1997, 2001 und 2005 Ihren Titel erneut verteidigen? Mit Eurosport sind Sie hautnah dabei.
Kommentare 1 - 3 of 3
Damen und auch Mädchenfussball ist auf dem Vormarsch und das vollkommen zu Recht. Da wird immer Offensiv Fussball gespielt und nicht wie bei den Herren Millionären 200x zum eigenen Torwart und 150x hinten rum. Ich kann nur jedem empfehlen spart euch die Eintrittskarten für die Bundesliga (ab 20 € aufwärts) und geht lieber zur Damen Bundesliga (von 4 - 15 €). Da gibt es noch Fussball wie er sein sollte. Offensiv mit vielen Torchancen und die Damen sehen auch noch viel viel besser aus als die Herren Abzocker.
Sympathisches Interview! So viel Offenheint und Ungezwungenheit gibt's im Männerfußball nicht mehr. Da gibt's nur noch: "Wir wollen gewinnen", oder "Das muss der Trainer entscheiden", oder "Wir müssen kompakt stehen", oder "Ja, gudd, klaaar, ich sach ma...", oder "Ich denke wir haben ganz gut gespielt, dass wir am Ende 2:5 verloren haben ist natürlich ein bisschen blöd..."
Tolles Interview. Weiter so, Eurosport!!!
Bitte melden Sie sich an.
Kein Yahoo! User? Kostenlos Anmelden.