Frankfurt/Main (dpa) - Bernhard Langer wird am 27. August 50 Jahre alt und wird sich mit diesem Geburtstag auf die Champions-Tour der Senioren zurückziehen.
Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa sprach Deutschlands erfolgreichster, populärster und einziger Weltklasse-Golfer über seine einmalige Profi-Karriere, seine Familie und seinen Glauben.
Ohne Bernhard Langer gäbe es kein Golf in Deutschland. Wie gehen Sie mit dieser Behauptung um?
Langer: «Golf gäbe es auch ohne mich. Golf gab es vor mir und Golf wird es auch nach mir geben. Die Entwicklung des Golfsports hat sicher durch meine Erfolge eine stärkere Phase erlebt.»
Ist Ihre Selbsteinschätzung nicht zu bescheiden, zumal niemand in Sicht ist, der Ihr Erbe in naher Zukunft antreten könnte?
Langer: «Nein, natürlich ist es schwierig, in die Weltklasse vorzustoßen und sich dort jahrelang zu behaupten. Man weiß nie, wie sich andere Spieler entwickelt hätten, wenn ich nicht gewesen wäre.»
Beschreibt der Begriff «Stehaufmännchen» Sie zutreffend oder wie würden Sie sich im bildhaften Vergleich sehen?
Langer: «Ich habe sicher etwas von dieser Charaktereigenschaft in mir. Das heißt, ich gebe nicht auf, ich kämpfe bis zum Schluss, stecke den Kopf nie in den Sand. Ich versuche immer, Probleme zu bearbeiten.»
Zum Zeitpunkt ihres Karrierestarts 1975 war Deutschland mit 130 Golfclubs und 30 000 Mitgliedern keine günstige Plattform. Wie haben Sie sich mit dem Berufswunsch durchgesetzt?
Langer: «Glücklicherweise war in der Nähe von Anhausen ein Golfplatz. Dort habe ich als Caddie Gefallen an dem Sport gefunden. Meine Eltern von meinem Berufswunsch Golflehrer zu überzeugen war schwer, aber es gelang. Mein eigenes Spiel entwickelte sich so gut, dass ich mich nach der Ausbildung entschloss, Berufsspieler zu werden. Den Rest kennen wir ja.»
Ihr Vater Erwin hat als Maurer den Lebensunterhalt verdient und Ihre Mutter Walburga als Serviererin gearbeitet. Welche Rolle spielt heute das Geld in ihrem Leben, nachdem Sie als Kind nicht gerade opulente finanzielle Verhältnisse vorfanden?
Langer: «In den Aufbaujahren nach dem Krieg waren die Verhältnisse für viele Menschen nicht sehr rosig. Aber viel wichtiger war, dass wir eine gut funktionierende Familie hatten. Unsere Eltern gaben Liebe und Vertrauen. Finanziell gibt es im Gegensatz zu damals keine Nöte mehr.»
Stehen die seit dem Hype um Tiger Woods exorbitant gestiegenen Preisgelder noch im gesunden Verhältnis zu den Leistungen?
Langer: «Wir bewegen uns in einem freien Markt, der sich selbst reguliert. Der Golfsport ist zur Zeit für Zuschauer und damit auch für Sponsoren sehr interessant. Außerdem werden in unserem Sport nur Gelder ausgegeben, die vorhanden sind. Keiner der Turnier- Veranstalter im Golf-Geschäft kann jahrelang über seine Verhältnisse wirtschaften.»
Wie teilt der Mensch Langer den Beruf Golf und die Familie?
Langer: «Mein Leben dreht sich vorrangig um Familie, Beruf, meinen Glauben und andere Dinge, wie Golfplatz-Design oder Turnierveranstaltungen. Wenn ich pausiere, hat die Familie Priorität.»
Welche Rolle spielt der Glaube in ihrem Leben?
Langer: «Der Glaube an Gott ist in uns allen existent, er sollte sich in der Auffassung von Beruf und Familienleben spiegeln, beziehungsweise bei allem, was ich tue. Gott ist immer dabei und spielt immer eine Rolle.»
Würden Sie als Unternehmer alles daran setzen, den Ryder Cup 2018 nach Deutschland zu holen, um Ihre einmalige Karriere noch toppen oder krönen zu können?
Langer: «Meine zukünftigen Ziele sind nicht, meine Karriere zu toppen. Das war nie ein Beweggrund für mein Handeln. Hinsichtlich des Ryder Cups 2018 gibt es noch keine Vorgaben seitens des Veranstalters. Wenn ich weiß, was gefordert wird, werde ich eine Entscheidung treffen. Wenn sich Deutschland für die Austragung bewirbt, werde ich gerne helfen, diese große Sportveranstaltung in unser Land zu bringen. Aber auch Schweden, Frankreich und weitere Länder wollen den Ryder Cup. Das wird nicht einfach.»
Welche Golf-Enttäuschung war die größte, welcher Sieg der schönste?
Langer: «Meine Nicht-Nominierung ins Ryder Cup-Team 1999 war sehr bitter. Die Nominierung hatten alle als hundertprozentig angesehen und entsprechend schockiert war ich, als es nicht klappte. Der schönste Sieg war wohl der zweite US-Masters-Titel 1993, ein Ostersonntag, an dem wir Christen die Auferstehung Jesu' feiern.»
Ist Ihre Mission erfüllt, wenn Sie auf die Champions-Tour gehen?
Langer: «Die Mission ist nie erfüllt. Egal wie alt man ist und welchen Geburtstag man feiert.»
Was machen Sie an ihrem 50. Geburtstag?
Langer: «Ich sitze im Flieger nach Amerika. In Kalifornien findet mein erstes Champions-Tour-Turnier statt.


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