US Trials - Rodgers holt Sprint-Titel

Eurosport - Sa 27.Jun. 12:18:00 2009

Michael Rodgers hat sich bei den US-Meisterschaften erstmals den nationalen Titel über 100 Meter gesichert. Er siegte in Abwesenheit von Weltmeister Tyson Gay in 9,91 Sekunden, hatte dabei jedoch 3,1 Meter pro Sekunde Rückenwind, so dass seine Leistung nicht als neue Jahresweltbestzeit geführt wird.

ATHLETICS 2008 World Indoor Champs. - Valencia Michael Rodgers - 0

Der König fehlte, weil Weltmeister Tyson Gaynach einem Fabellauf von 9,75 Sekunden tags zuvor auf weitere Starts bei den Trials verzichtete. Doch der Kampf um die "Prinzenrolle" hatte es in sich und Rodgers holte sich den ersten Landestitel über 100 Meter. Der 24-Jährige lag im Ziel knapp vor Darvis Patton (9,92) und Monzavous Edwards (10,00), die sich ebenfalls für die Weltmeisterschaften vom 15. bis 23. August in Berlin qualifizierten.

Das Frauen-Finale endete mit einem Foto- Finish - Carmelita Jeter war bei ihrem Sieg in 10,78 Sekunden 1/1000 schneller als die zeitgleiche Muna Lee. Dritte wurde Lauryn Williams (10,96). In beiden Endläufen verwehte jedoch der Wind die jeweils neuen Jahres-Weltbestleistungen.

Der "Prinz" träumt vom "Königssturz"

"Prinz" Rodgers präsentierte sich nach seiner Titel-Premiere mutig und wagte sogar, von einem "Königssturz" bei der Weltmeisterschaft vom 15. bis 23. August in Berlin zu träumen, wenn er auf Titelverteidiger Gay und den jamaikanischen Olympiasieger Usain Bolt treffen könnte. "Ich habe großen Respekt vor beiden und ich denke, dass für mich eine Medaille drin ist. Mal sehen, ob meine Zeit eventuell sogar schon gekommen ist und ich sie besiegen kann. Wenn nicht, komme ich nächstes Jahr zurück und trainiere hart weiter", so Rodgers, dessen Pressekonferenz zu einem Frage-Antwort-Spiel der eher ungewöhnlichen, aber sehr unterhaltsamen Art wurde. Denn selbst viele amerikanische Fachjournalisten hatten bislang kaum etwas über den Newcomer des Jahres gehört.

Erst am 7. Juni war der beim Meeting in Eugene mit der Jahresweltbestzeit von 9,94 Sekunden erstmals in die Schlagzeilen gesprintet. Rodgers genoss die plötzliche Presse-Präsenz, plauderte genüsslich über Coach, College und Karriere. Letztere war vor zwei Jahren eigentlich schon beendet. Nach einem enttäuschenden Auftritt bei den US-Trials in Indianapolis wollte Rodgers, der sich damals als Schuhverkäufer in Oklahoma City seinen Lebensunterhalt verdiente, aufhören. Er sah einfach keinen Sinn mehr in der Schinderei. Ehrgeiz und Einsatz stimmten, die Ergebnisse jedoch nicht.

Heiße Würstchen führen zum Erfolg

In einem Hot-Dog-Laden traf er zufällig Darryl Woodson. Der Coach überredete den resignierenden Rodgers, zu seiner Trainingsgruppe nach Austin/Texas zu kommen. Rodgers nahm das Angebot an und wohnte fortan sogar bei Woodson. "Ich hatte keine Trainings-Sachen, kein Auto, gar nichts. Ich bin definitiv einen langen, harten Weg gegangen, aber heute bin ich froh, dass ich damals weitergemacht habe", so Rodgers, der im Halbfinale bereits eine flotte 9,85 hingelegt hatte - bei allerdings noch stärkerem Rückenwind von 4,0 Metern/Sekunde. "Mein Trainer sagt mir immer, dass ich ohne Rückenwind genauso schnell laufen kann wie mit", meinte er und lächelte. Denn seine Geschichte zeigt, dass Coach Woodson schon einmal goldrichtig lag.

dpa / Eurosport

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