Eurosport - Di 27.Mai. 21:14:00 2008
Der letzte große Titel für Spanien liegt 44 Jahre zurück. Seitdem galten die Iberer oft als Mitfavoriten oder Geheimtipp bei EM und WM. eurosport.yahoo.de erklärt, warum es auch in diesem Jahr wieder nicht für mehr reicht.
Der Trainer:
Für Trainer-Oldie Luis Aragones wird es der letzte Auftritt mit der spanischen Nationalmannschaft sein. Der streitbare 69-Jährige hat angekündigt, sich nach der EURO endgültig aufs Altenteil zurückzuziehen. Vorher soll mit Spanien jedoch der zweite EM-Titel nach 1964 her. Für den Fall des Titelgewinns hat der oft arrogant und teilweise jähzornig wirkende Coach angekündigt, auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela zu pilgern. Mehrfach gab es Diskussionen über einen Rücktritt Aragones', der auch vor unpopulären Maßnahmen nicht zurückschreckte: Nach zwei Niederlagen in den ersten drei Spielen der EM-Qualifikation krempelte er das Team um. "Ich wollte die Mannschaft verjüngen", begründete er unter anderem die Ausbootung von National-Held Raul. Der Erfolg gab ihm recht, Spanien ist seit Februar 2007 in 14 Spielen ungeschlagen und besiegte dabei sowohl England und Frankreich als auch Weltmeister Italien.
Das Team:
Alter und Jugend fehlen im Kader der Spanier: Altstar Raul wurde ebensowenig für die EM nominiert wie das 17-jährige Supertalent Bojan Krkic. Letzterer allerdings nach Rücksprache und auf ausdrücklichen Wunsch des FC Barcelona. Dem Erfolg tat das bislang keinen Abbruch.
Unter Trainer Aragones spielt die spanische Mannschaft erfolgreich wie selten zuvor. Problemlos qualifizierten sich die Iberer für die EM-Endrunde. Glanzstück des Teams ist sicherlich der Angriff um Superstar Fernando Torres, der mit 24 Treffern in seiner ersten Premier-League-Saison der Debütrekord von Ruud van Nistelrooy (23) übertreffen konnte. Neben dem Liverpooler wird aller Voraussicht nach David Villa vom FC Valencia stürmen, der trotz des schwachen Auftritts seines Klubs in der Liga von den großen europäischen Vereinen gejagt wird.
Im ebenfalls hochkarätig besetzten Mittelfeld zieht mit Cesc Fabregas vom FC Arsenal ein Youngster die Fäden. Schnell, ballsicher und technisch brillant - der 21-Jährige ist das Herz des Teams. Ihm zur Seite stehen mit Xavi und Andres Iniesta zwei international erfahrene Spieler, die mit dem FC Barcelona bereits Champions-League-Sieger 2006 waren.
Nach schwachem Auftakt in der EM-Qualifikation mit fünf Gegentoren in zwei Spielen steigerte sich auch die routinierte Abwehr um Barca-Kapitän Carles Puyol deutlich. In den verbleibenden neun Partien ließ die Viererkette vor der unumstrittenen Nummer eins Iker Casillas nur noch drei Treffer zu.
Taktik: Luis Aragones bevorzugt ein klassisches 4-4-2-System, bei dem das Mittelfeld wahlweise auf einer Linie oder etwas offensiver in der Raute agieren kann. Hinter den beiden Angreifern fehlt den Spaniern allerdings ein torgefährlicher Mittelfeldspieler, sodass ihr Spiel nach vorne klar auf Torres und Villa angelegt sein dürfte.
Bundesliga-Legionäre: keine
EM-Teilnahmen: 7
1964 Europameister
1980 Vorrunde
1984 Finalist
1988 Vorrunde
1996 Viertelfinale
2000 Viertelfinale
2004 Vorrunde
Bilanz gegen Deutschland: 19 Spiele, fünf Siege, sechs Unentschieden, acht Niederlagen, 21:27 Tore
Vorrundengegner Gruppe D: Russland (10. Juni), Schweden (14. Juni), Griechenland (18. Juni)
eurosport.yahoo.de-EM-Tipp: Aus im Viertelfinale
Spanien wird auch 2008 das Label des "ewigen Favoriten" nicht ablegen können. Zwar werden die Iberer auf Grund ihres außer Frage stehenden spielerischen Potenzials anders als vor vier Jahren die Vorrunde überstehen, doch im Viertelfinale ist für den nervenschwachen Dauer-Geheimfavoriten auch diesmal wieder Schluss.
Vorläufiger Kader mit 23 Spielern:
Tor: Iker Casillas (Real Madrid), Pepe Reina (FC Liverpool), Andres Palop (FC Sevilla)
Abwehr: Sergio Ramos (Real Madrid), Carles Puyol (FC Barcelona), Joan Capdevila (FC Villarreal), Raul Albiol, Carlos Marchena (beide FC Valencia), Fernando Navarro (Real Mallorca), Alvaro Arbeloa (FC Liverpool), Juanito (Betis Sevilla)
Mittelfeld: Cesc Fabregas (FC Arsenal), Andres Iniesta, Xavi (beide FC Barcelona), David Silva (FC Valencia), Santi Cazorla, Marcos Senna (beide FC Villarreal), Xabi Alonso (FC Liverpool), Ruben de la Red (FC Getafe)
Angriff: David Villa (FC Valencia), Daniel Guiza (Real Mallorca), Sergio Garcia (Real Saragossa), Fernando Torres (FC Liverpool)