EM 2008 - Russland: Mit Hiddink zur Überraschung

Eurosport - Di 27.Mai. 15:20:00 2008

Guus Hiddink hat das russische Team in den beiden Jahren seit seinem Amtsantritt grundlegend umgebaut. eurosport.yahoo.de sagt Ihnen, warum Russland auch mit einer international unerfahrenen Mannschaft bei der EURO das Viertelfinale erreicht.

FOOTBALL Euro-2008 , ! Russia Arshavin Bystrov - 0

Der Trainer:

Der Name Guus Hiddink steht für Erfolg. Egal ob im Verein oder mit den unterschiedlichsten Nationalteams, wo Hiddink ist, ist oben. Auf elf Vereinstitel mit dem PSV Eindhoven, darunter der Triumph im Europapokal der Landesmeister 1988, kann der Coach zurückblicken und auch bei großen Turnieren konnten die von ihm trainierten Mannschaften überzeugen. Die Niederlande führte der 61-Jährige 1996 ins EM-Viertelfinale und zwei Jahre später zu Platz vier bei der WM in Frankreich. Das gleiche Kunststück gelang ihm 2002 mit Südkorea. Vor zwei Jahren qualifizierte sich der Niederländer mit Australien nicht nur für die WM, sondern überstand sogar die Vorrunde. Erst im Achtelfinale kam das unglückliche Aus in letzter Minute gegen den späteren Weltmeister Italien.

Das Team:

Das Problem im russischen Team ist die fehlende Tiefe. Trainerfuchs Hiddink fehlen hinter seiner Startelf ganz einfach die personellen Alternativen, zudem ist die Mannschaft nach dem schrittweisen Umbau durch den Niederländer zwar erfolgshungrig, aber international wenig erfahren.

Obwohl nur die Niederlande in der EM-Qualifikation weniger Gegentore kassierte als Russland, ist die Abwehr, die alles andere als internationales Niveau besitzt, das größte Sorgenkind der Russen. Vor dem talentierten Igor Akinfejew im Tor stehen mit Sergej Ignaschewitsch und den Zwillingsbrüdern Wasili und Aleksej Beresutski gleich drei Wackelkandidaten vom derzeit schwächelnden Abramowitsch-Klub ZSKA Moskau.

Das russische Mittelfeld ist extrem variabel, es fehlt jedoch ein echter Spielmacher. Mit dem 30-jährigen Ivan Semschow steht zwar hinter den Spitzen ein erfahrener Mann, der in der russischen Liga über Jahre Topleistungen bringt, doch international weiter auf seinen Durchbruch wartet.

Problematisch ist auch, dass mit Andrej Arschawin Russlands bester Angreifer für die ersten beiden Gruppenspiele gesperrt ist. Für ihn könnte Vereinskollege Pawel Pogrebnjak in die Bresche springen. Der 24-Jährige hatte mit zehn Treffern maßgeblichen Anteil am UEFA-Cup-Sieg von Zenit St. Petersburg.

Taktik:

Die Zeit des statischen 4-4-2 ist in Russland seit dem Amtsantritt Hiddinks vorbei. Der Niederländer hat dem Team ein offensiveres 4-3-1-2-System verordnet, das bei Bedarf zu einem 3-5-2 mit drei offensiven Mittelfeldspielern umgestellt werden kann.

Bundesliga-Legionäre: 1

Ivan Saenko (1. FC Nürnberg)

EM-Teilnahmen: 2

1996 Vorrunde

2004 Vorrunde

Bilanz gegen Deutschland: vier Spiele, kein Sieg, ein Unentschieden, drei Niederlagen, 2:22 Tore

Vorrundengegner Gruppe D: Spanien (10. Juni), Griechenland (14. Juni), Schweden (18. Juni)

eurosport.yahoo.de-EM-Tipp: Aus im Viertelfinale

Unerfahrenheit hin, internationales Niveau her. Das Team von Guus Hiddink hat Herz und in Spielen gegen große Gegner bewiesen, wozu es in der Lage ist - wie beispielsweise beim 2:1 gegen England, als ein 0:1-Rückstand noch gedreht wurde. Der Erfolgshunger der Mannschaft und die Motivationskünste des Trainers bringen den Russen Platz zwei in der Gruppe, doch an Frankreich, Italien oder Holland beißen sich die jungen Wilden im Viertelfinale die Zähne aus.

EM-Kader:

Tor: Igor Akinfeev (ZSKA Moskau), Vyacheslav Malafeev (Zenit St Petersburg), Vladimir Gabulov (Amkar Perm)

Abwehr: Sergey Ignashevitch (ZSKA Moskau), Aleksey Beresutskiy (ZSKA Moskau), Vassily Beresutskiy (ZSKA Moskau), Aleksandr Anyukov (Zenit St Petersburg), Denis Kolodin (Dynamo Moskau), Renat Janbayev (Lokomotive Moskau)

Mittelfeld: Diniyar Bilyaletdinov (Lokomotive Moskau), Yuriy Zhirkov (ZSKA Moskau), Igor Semshov (Dynamo Moskau), Dmitri Torbinskiy (Lokomotive Moskau), Vladimir Bystrov (Spartak Moskau), Konstantin Zyryanov (Zenit St Petersburg), Roman Shirokov (Zenit St. Petersburg), Sergey Semak (Rubin Kazan)

Sturm: Andrey Arshavin (Zenit St Petersburg), Pavel Pogrebnyak (Zenit St Petersburg), Roman Pavlyuchenko (Spartak Moskau), Dmitri Sychev (Lokomotive Moskau), Roman Adamov (FK Moskau), Ivan Saenko (1. FC Nürnberg).

Fabian Kunze / Eurosport