Eurosport - Di 27.Mai. 17:36:00 2008
Der vorletzte Test unter Wettkampfbedingungen - für die deutschen Nationalspieler ist der Vergleich mit Weißrussland (heute, 17:45 Uhr im Ticker) ein Schaulaufen vor dem Bundestrainer und Standortbestimmung zugleich. Einer steht dabei besonders im Fokus: Torjäger Miroslav Klose.
Die Heimkehr hat sich der Stürmer des FC Bayern München sicherlich anders vorgestellt. Zwar kehrt Klose als Deutscher Meister und DFB-Pokal-Sieger nach Kaiserslautern, wo er von 2000 bis 2004 spielte, zurück. Allerdings auch mit der Bürde eines Formtiefs - nur ein Treffer und zwei Torvorlagen stehen bei dem technisch versierten Angreifer in der Rückrunde der abgelaufenen Saison zu Buche - katastrophale Zahlen für einen Mann seiner Klasse. "Die Rückrunde war richtig schlecht", gibt der 29-Jährige unumwunden zu. "Das entsprach absolut nicht meinem Niveau."
Für die Endrunde der Europameisterschaft muss "Miro" dieses aber unbedingt wieder erreichen. Wie wichtig Goalgetter Klose für die DFB-Auswahl ist, zeigten seine bisherigen Auftritte bei großen Turnieren: Mit jeweils fünf Treffern bei der WM 2002 und 2006 war der gebürtige Pole bester Torschütze bei den beiden Weltmeisterschaften. Die Bilanz bei seiner bisher einzigen EM-Teilnahme fällt dagegen ernüchternd aus. 2004 in Portugal netzte Klose zwar auch regelmäßig ein - aber nur im Training.
Betzenberg ein gutes Pflaster
Die Nationalmannschaft also erneut als Aufbauhilfe für die bundesdeutschen Fußball-Sorgenkinder? Jogi Löw setzt gegen Weißrussland auf den Mittelstürmer. Zusammen mit Klub-Kamerad Lukas Podolski, der den geschonten Mario Gomez ersetzt, soll Klose für Wirbel in der weißrussischen Abwehr sorgen soll. Spielpraxis und Sondereinheiten - so lautet die Zauberformel des Bundestrainers, um aus dem kriselnden "Miro" wieder "Salto-Klose" zu machen. "Einige Spieler waren zuletzt nicht ganz in Form. Miro gehört dazu. Deshalb werden wir mit ihm auch individuell arbeiten", kündigte Löw bereits zu Beginn der EM-Vorbereitung auf Mallorca an. Ein erster Fortschrittsbericht ist am Dienstagabend zu erwarten.
Der Betzenberg ist ein gutes Pflaster für Klose. Zwischen 2000 und 2004 erzielte der Münchner in 120 Bundesligaspielen 44 Tore für die Lauterer. Auch heute noch fiebert Klose mit den "Roten Teufeln", die erst am letzten Spieltag dieser Saison den drohenden Abstieg abgewendet hatten, mit. "Ich habe fast jede Begegnung am Freitag und am Sonntag verfolgt und mitgefiebert", erzählt Klose. Gerade im Schlussspurt wollte er nichts dem Zufall überlassen. "Vor dem Endspiel von Kaiserslautern gegen Köln hatte ich Patrick Helmes eine SMS geschickt: Wenn er Lautern in die 3. Liga schießt, braucht er gar nicht ins EM-Trainingslager anzureisen. Er hat dann den Pfosten getroffen", scherzt der 74-fache Nationalspieler.
Ballack: "Blick geht nach vorn"
Neben Klose werden die Augen auch auf Michael Ballack gerichtet sein. Denn auch der Kapitän der deutschen Mannschaft stieß nicht unbelastet zum DFB-Tross. Die Erinnerung an das Elfmeter-Drama im Finale der Champions League dürfte noch zu frisch sein. "In dieser Art und Weise ein Endspiel zu verlieren, ist nicht so einfach", gesteht Ballack, fügt aber gleich hinzu, dass er die Niederlage im Endspiel gegen Manchester United inzwischen verkraftet habe: "Ich hatte ein paar Tage Ruhe, um Abstand zu bekommen. Jetzt freue ich mich auf die neue Aufgabe", betont Ballack. "Der Blick geht wieder nach vorn."
Die Wackelkandidaten im vorläufigen Kader dürften inzwischen sogar den Tunnelblick bekommen haben. Im Test gegen Weißrussland könnte Löw einigen Spielern die Chance zum Schaulaufen geben. Auf der potenziellen Streichliste stehen Marko Marin, David Odonkor, Piotr Trochowski, Patrick Helmes, Oliver Neuville und Jermaine Jones - inzwischen aber auch feste Größen wie Arne Friedrich, der sich mit einem Magen-Darm-Infekt herumschlägt. Sogar Mario Gomez, der immer noch mit einer Wadenblessur zu kämpfen hat, könnte noch zur Disposition stehen. Die Euro 2008 ohne den derzeit besten deutschen Stürmer (19 Tore)? Kaum vorstellbar, aber nicht unmöglich. "Wir werden uns vor unserer Entscheidung noch einmal intensiv mit unserer medizinischen Abteilung beraten", kündigte Löws Assistent Hans-Dieter Flick an.