Eurosport - Mo 27.Apr. 13:43:00 2009
Nach 42 Jahren, 6 Monaten, 25 Tagen und knapp 20 Stunden ununterbrochener Erstliga-Zugehörigkeit müssen die Gießen 46ers den Gang in die zweitklassige Pro A antreten. Was bleibt, ist die Hoffnung über eine Wildcard doch noch den Abstieg zu vermeiden.
Ausgerechnet nach dem längsten Spiel der Club-Geschichte beim 94:98 nach dreimaliger Verlängerung in Braunschweig stand der sportliche Abstieg des letzten Dinos der Liga fest. "Das ist natürlich total bitter. Mein Team hätte nach diesem Fight ein anderes Ergebnis verdient gehabt", sagte Trainer Vladimir Bogojevic.
Dennoch haben die Verantwortlichen am Basketball-Standort Gießen die Hoffnung auf einen Verbleib in der Eliteliga nicht aufgegeben. Wie vor fünf Jahren, als die 46ers von der wirtschaftlichen Schwäche der Konkurrenten profitierten, spekulieren die Mittelhessen auch dieses Mal auf die Chance, durch die Hintertür im Oberhaus bleiben zu können.
Die Hoffnung stirbt zuletzt
"Wenn es einen Nachrücker geben sollte, wäre Gießen sicherlich ein Kandidat", machte der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL), Jan Pommer, Mut. Aber bis über die endgültige Zusammensetzung der Bundesliga entschieden ist, kann es noch bis Ende Juni dauern. "Natürlich wäre es schön, wenn es noch eine Möglichkeit geben sollte. Doch erst einmal planen wir mit der Pro-A-Liga", sagte Gießens Geschäftsführer Christoph Syring.
Der 43-Jährige hätte sich nichts sehnlicher gewünscht, als am Ende der Spielzeit als Retter in der Universitätsstadt gefeiert zu werden. Mit harter Hand führte er den finanziell am Abgrund stehenden Club wieder in ruhiges Fahrwasser, wendete die Insolvenz ab und konnte vor wenigen Wochen verkünden, dass den Verein ab der kommenden Spielzeit keine Altlasten mehr drücken werden.
Schwarze Serie zum Schluss
Der Preis für die schmerzlichen finanziellen Einschnitte und die Ehrlichkeit, mit der Syring die Probleme benannte, war jedoch der sportliche Absturz. "Durch die notwendige finanzielle Gesundung war es uns leider nicht möglich, auf Verletzungen mit adäquaten Nachverpflichtungen zu reagieren", sagte er. Zum Knackpunkt für den Geschäftsführer wurde die Ein-Punkt-Niederlage in Bremerhaven Anfang März. "Das hat der Mannschaft einen Knacks gegeben." Gießen gewann danach nur noch eines von zehn Spielen.
Neues Gesicht für Bundesliga-Dino
Sollte die BBL in diesem Jahr keine Wildcard verteilen, würden die Gießener im Unterhaus den direkten Wiederaufstieg anpeilen. "Derzeit kann man davon ausgehen, dass wir mit einem Etat in die Saison starten könnten, der uns dies erlauben würde", sagte Syring. Den Trainerposten wird weiter Bogojevic bekleiden. Das Gesicht der Mannschaft wird sich hingegen deutlich verändern.
Besonders die beiden deutschen Nachwuchskräfte Johannes Lischka und Heiko Schaffartzik werden nicht zu halten sein. "Ich kann ihnen eigentlich auch gar nicht empfehlen zu bleiben, so schön es wäre. Für ihre sportliche Entwicklung wäre es ein Rückschritt", gestand Syring. Der Abstieg kommt für die 46ers eben zum ungünstigsten Zeitpunkt.
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