Eurosport - So 27.Apr. 13:28:00 2008
Der an der Bandscheibe operierte Nationalspieler Bernd Schneider will seine EM-Teilnahme noch nicht abschreiben. "Die Operation ist gut verlaufen. Die Genesung kann schneller gehen, als viele denken", erklärte der Leverkusener in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".
Auch Bundestrainer Joachim Löw hofft auf eine Blitzheilung von Schneider. "Man muss jetzt mal die nächsten zwei, drei Tage abwarten, davon hängt viel ab. Danach gibt es eine Untersuchung und man kann mehr sagen", sagte Löw.
Nationalmannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hatte beim 34 Jahre alten Schneider einen Bandscheibenvorfall diagnostiziert, der einen sofortigen operativen Eingriff unausweichlich machte. Schneiders Arbeitgeber Bayer 04 hatte die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebes für "frühestens Mitte Juli" angekündigt - demnach würde die Europameisterschaft ohne den Routinier stattfinden.
"Ich gebe die Hoffnung nicht auf"
Schneider und Löw wollten sich jedoch noch nicht mit einem Ausfall anfreunden. In der "Bild am Sonntag" erklärte Schneider: "Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Klar, die Ärzte haben das letzte Wort." Vielleicht sei ein Bandscheibenvorfall am Halswirbel nicht so schlimm wie einer unten am Rücken. Schneider hatte sich schon die ganze Saison mit verschiedenen Verletzungen und Blessuren geplagt, war nie richtig in Form gekommen. Trotzdem stellte Löw dem Mittelfeldmann wie auch dem langzeitverletzten Christoph Metzelder einen Freifahrtschein zur EM-Endrunde aus.
Die Hoffnungen auf ein überraschend schnelles Comeback des 81-maligen Nationalspielers aber scheinen nur sehr vage. Schwere Bandscheiben-Verletzungen ziehen in der Regel längere Pausen nach sich. Als jüngstes Beispiel kehrte der Bulgare Dimitar Rangelow bei Energie Cottbus zwei Monate nach einer Bandscheiben-OP in den Spielbetrieb zurück. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", bemerkte Schneider selbst. Das EM-Aus könnte zugleich seine Auswahl-Karriere nach neun Jahren beenden. Über die erneute Verletzung bei Torsten Frings, der das 3:3 der Bremer in Karlsruhe wegen einer Kapselverletzung im rechten Sprunggelenk verpasste, macht sich Löw keine Sorgen: "Er trainiert nächste Woche wieder."
Chance für Odonkor und Borowski
Schneiders Ausfall würde die EM-Chancen besonders von David Odonkor und Tim Borowski, die Löw zu den letzten Länderspielen nicht mehr eingeladen hatte, verbessern. "So denkt man nicht. Es tut mir unheimlich leid für Bernd. Ich werde ihn in den nächsten Tagen mal anrufen", erklärte jedoch Borowski. Unabhängig davon aber will der Bremer mit in die Schweiz und nach Österreich: "Ich arbeite hart für mein Ziel. Es läuft seit vier, fünf Spielen gut für mich und heute war ich an zwei Toren beteiligt."
Auch Odonkor, Überraschungsspieler bei der WM 2006, lauert nach aufsteigender Form bei Betis Sevilla wieder auf seine Chance. Vor ein paar Wochen hätte sich der "Sprinter" selbst noch nicht qualifiziert. "Aber jetzt würde ich an der Stelle von Jogi Löw sagen: 'Der Odonkor muss mit'", meldete sich der Spanien-Legionär in der "BamS". Der Bundestrainer, der am 16. Mai auf der Zugspitze offiziell seine 23 EM-Fahrer präsentieren wird, hält sich weiter bedeckt: "Wir haben noch keinen Spieler von unserer größeren Liste vollkommen weggestrichen."