Eurosport - Do 27.Mrz. 10:20:00 2008
Überlegen hat Bradley Wiggins für einen umjubelten Sieg zum Auftakt der Bahn-WM in Manchester gesorgt. In der 4000m-Einzelverfolgung dominierte der High-Road-Profi im Finale fast nach Belieben, während sein letztjähriger Kronprinz Robert Bartko mit Platz 16 eine bittere Enttäuschung erlebte.
Der Enttäuschung bei den Verfolgern folgte aber später der Jubel über die erste deutsche Medaille: Roger Kluge aus Cottbus gewann überraschend die Bronzemedaille im Scratch. Mit seinem dritten Platz sorgte der 22-jährige Gesamt-Weltcupsieger und WM-Neuling für einen versöhnlichen Ausklang des ersten Tages bei den Titelkämpfen, die mit dem Olympia-Aus von Doppel-Olympiasieger Bartko begonnen hatte.
Der 32 Jahre alte Vorjahreszweite fuhr in schwachen 4:25,142 Minuten über 4000 m als 16. deutlich am angestrebten Finale vorbei. Der Potsdamer hätte für einen direkten Startplatz in Peking zum vierten Mal Weltmeister werden müssen.
"Das ist bis jetzt das Größte. Das geht jetzt nur noch mit Olympia zu steigern", sagte Kluge. In einem packenden Endspurt nach 15 Kilometern musste sich der deutsche Aufsteiger des Jahres nur dem Weißrussen Alexander Lisouski und dem Niederländer Wim Stroetinga geschlagen geben. "Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Denn er war ja auch ein Mitfavorit. Er ist ein gutes Rennen gefahren", lobte Bundestrainer Uwe Freese.
Tiefpunkt der Karriere
Zuvor hatte er mit Bartkos Olympia-Aus einen Tiefschlag verkraften müssen. "Das ist für mich der absolute Tiefpunkt, der bitterste Moment meiner Karriere", sagte der Doppel-Olympiasieger aus Potsdam und ergänzte: "Ich habe mein Ziel, eine Medaille zu holen, nicht erreicht. Die Weltspitze ist innerhalb eines Jahres davongezogen."Gold holte Titelverteidiger Wiggins, der in 4:18,519 Minuten im Finale den Niederländer Huizenga um fünf Sekunden hinter sich ließ. Platz drei ging an den Russen Alexej Markow.
"Fakt ist: Das Ziel ist nicht erreicht. Innerhalb eines Jahre ist uns die Weltspitze davongefahren. Das ist der bitterste Moment meiner Karriere", gestand Bartko.
"Jeder, der eins und eins zusammenzählen kann, hat gewusst, dass die Olympia-Qualifikation nur noch theoretisch möglich gewesen ist. Robert Bartko hat alles gegeben", sagte Burckhard Bremer, Sportdirektor des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR).
Teamsprinter verpassen Podium
Bartko muss nun auf den Vierer bauen, um doch noch zu den Spielen in China zu kommen. Bei einem Medaillengewinn mit sechs Plätzen Vorsprung auf Frankreich wäre die Mannschaft in Peking dabei und damit ein Startplatz in der Einerverfolgung verbunden. Eigens für das WM-Rennen fahren Bartko, der Berliner Henning Bommel sowie die Erfurter Daniel Becke und Patrick Gretsch mit nahtlosen Spezialanzügen. "Von dem Vierer darf man keine Wunderdinge erwarten", mahnte Freese jedoch.
Knapp an einer angestrebten Medaille vorbeigefahren sind hingegen die deutschen Sprinter. Im "kleinen Finale" des Teamsprints unterlagen Rene Enders (Erfurt), Maximilian Levy (Cottbus) und Stefan Nimke (Schwerin) in 44,275 Sekunden der Niederlande (43,718). Den Titel sicherte sich mit der Weltbestzeit von 43,271 Sekunden im Finale Frankreich vor Großbritannien (43,777).
Zuvor hatte Miram Welte aus Kaiserslautern mit ihrem 6. Platz im 500 m Zeitfahren in der persönlichen Bestzeit von 34,666 Sekunden für eine positive Überraschung gesorgt. Den Wettbewerb gewann die Kubanerin Lisandra Guerra Rodriguez. Die Vorjahreszweite siegte in der ersten Entscheidung der Titelkämpfe in 34,021 Sekunden. Zweite wurde die Litauerin Simona Krupeckaite in 34,066 Sekunden vor Sandie Clair aus Frankreich (34,253).
dpa / Eurosport