Bahn-WM - Deutscher Vierer verpasst Olympia

Eurosport - Do 27.Mrz. 16:10:00 2008

Kein Wunder in Manchester: Einen Tag nach Robert Bartko in der Einerverfolgung hat auch den Vierer das Olympia-Aus ereilt. Bei der Bahnrad-WM reichte für das einstige "Flaggschiff" des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) die Saisonbestzeit von 4:06,941 Minuten über 4000m nur zum 9. Rang.

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Damit verpassten Bartko, Henning Bommel (Berlin), Daniel Becke und Patrick Gretsch (beide Erfurt) wie erwartet die Medaillenrennen und machten das Verfolger-Desaster für den Verband perfekt: Erstmals seit 1952 fährt kein deutscher Vierer bei Olympischen Spielen, zudem ist in Peking zum ersten Mal seit der Olympia-Premiere 1968 auch im Einzelrennen kein Deutscher am Start.

"Man konnte ja nur noch vom Wunder von Manchester reden. Deswegen sind wir jetzt nicht vom Blitz getroffen, weil das eingetreten ist, was prognostizierbar war", sagte Becke.

Späte Quittung für 2003?

Die vom Deutschen Heiko Salzwedel betreuten Dänen fuhren in 3:57,734 Minuten als Schnellste nur um rund 1,1 Sekunden am Weltrekord vorbei. Sie kämpfen im Finale um Gold gegen die Gastgeber aus Großbritannien, um Bronze fahren Neusseland und Australien. Deutschlands direkte Konkurrenten um den Platz in Peking, Russland und Frankreich, landeten beide vor dem BDR-Quartett.

"Das tut schon weh, das zu sehen", sagte Salzwedel mit Blick auf die deutschen Verfolger. "Das ist sehr bitter. Vielleicht hat es zu sicher gemacht, dass es in den letzten drei Jahren so gut lief. Ich muss mich auch kritisch hinterfragen", sagte Bartko, der 2005 und 2006 Weltmeister sowie im Vorjahr Zweiter war. Mit diesen Erfolgen hatte der 32-Jährige die schwelende Misere überdeckt, die sich nun zur Krise ausgeweitet hat.

"Wir hatten 2003 ein leidvolles Problem. Danach haben wir den Anschluss nicht mehr gefunden", gestand BDR-Sportdirektor Burckhard Bremer ein und erinnerte an die Blamage von der Heim-WM in Stuttgart. Dort hatte der Verband den Vierer zurückgezogen, nachdem sich ein Quartett um Becke und den Leipziger Jens Lehmann geweigert hatte, wegen ihrer Meinung nach undurchsichtiger Nominierungskriterien zusammen mit Bartko und dem Berliner Guido Fulst anzutreten.

Kluge im Vierer?

Am Ende halfen weder kurzfristige Finanzspritzen für die Weltcups in Sydney und Peking in Höhe von mehreren 10 000 Euro noch neue, nahtlose und damit aerodynamischere Rennanzüge, das vorolympische Debakel abzuwenden. Auch der Bundestrainer-Wechsel von Bernd Dittert zu Uwe Freese vor zwei Jahren blieb ohne Wirkung. "Wir haben mitten im Olympia-Zyklus die Reißleine gezogen und gehofft, dass sich was ändert. Das hat nicht so geklappt", sagte Bremer.

Der Verband sieht sich nun zu grundsätzlichen Veränderungen gezwungen. "Nach vielen Höhen haben wir jetzt ein Tief. Das bietet aber auch die Chance, neue Wege zu gehen", erklärte Bremer. Dem stimmt Bartko zu. "Wir müssen uns endlich alle mal zusammensetzen: Sportdirektor, Trainer, Sportler. Vielleicht schaffen wir es ja mal, gemeinsam eine Lösung zu finden. Jetzt sind eine Menge Leute gefragt, wie es zurück an die Weltspitze geht", sagte der dreimalige Weltmeister.

Wie die Lösung aussehen soll, ist noch unklar. "Es wird einen Umbruch geben. Wir werden nicht umhin kommen, an der Struktur was zu ändern", sagte Bremer. Vor allem die Flucht talentierter Bahnfahrer auf die Straße soll gebremst werden. "Wir müssen ein überzeugendes Angebot machen", erklärte der Sportdirektor.

Nur so könnte dann auch eines der größten Talente gehalten werden: Roger Kluge, der mit Bronze im Scratch die erste deutsche WM-Medaille gewonnen hatte. "Mein Berufsziel ist Radprofi", bekannte der 22-jährige Gesamt-Weltcupsieger aus Cottbus, "aber ich will der Bahn treu bleiben." Bundestrainer Freese wird es gern gehört haben: "So einen wie ihn könnten wir auch im Vierer gebrauchen."

dpa / Eurosport