EM 2008 - Riesen-Blamage für DHB-Team

Eurosport - So 27.Jan. 22:18:00 2008

Weltmeister Deutschland hat bei der EM in Norwegen im Spiel um Platz drei eine empfindliche 26:36 (9:18)-Pleite gegen Frankreich einstecken müssen und damit eine Medaille verpasst. Das Team von Trainer Heiner Brand zeigte eine desolate Leistung und ging gegen den Titelverteidiger förmlich unter.

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Vor 7.940 Zuschauern in der erneut nicht ausverkauften Hakons-Halle kam die ausgelaugte DHB-Auswahl von Beginn an nicht ins Spiel. Ohne Florian Kehrmann (Oberschenkelzerrung) und Sebastian Preiß (Sehnenentzündung) sowie Abwehrchef Oliver Roggisch (Muskelfaserriss) stand der Olympia-Zweite auf verlorenem Posten.

Beim Stand von 2:10 (12.) knickte zudem Spielmacher Markus Baur mit dem linken Fuß um und musste mit Verdacht auf Bänderriss vom Feld. Zu dem Zeitpunkt aber hatte Deutschland schon alle Chancen auf eine Medaille verspielt. Die deutschen Spieler präsentierten sich kraft- und ideenlos. Mit fahrigem Angriffsspiel gingen die Bälle verloren, die die Franzosen zu leichten Toren nutzten und so beim 16:6 (26.) erstmals mit zehn Toren Vorsprung führten.

"Ein Weltmeister darf so nicht auftreten"

Der Rückstand wuchs in der 40. Minute sogar auf 13 Treffer an (11:24). Daniel Narcisse (7 Tore), Olivier Girault (8/5), Nikola Karabatic (6) und Luc Abalo (6) deckten die zahlreichen Schwächen im deutschen Spiel gnadenlos auf und schossen den Weltmeister geradezu ab.

Die besten Werfer auf Seiten des DHB waren Linksaußen Torsten Jansen mit sieben und der linke Rückraum-Schütze Pascal Hens mit sechs Treffern. "Wenn man in den ersten Minuten sieben Gegenstöße der Franzosen zulässt, dann kann man nicht gewinnen", stellte Kapitän Baur fest. Auch der zentrale Rückraum-Spieler Michael Kraus zeigte sich selbstkritisch: "Als Weltmeister darf man nicht so auftreten."

Brand sprach nach der höchsten deutschen Niederlage bei einer EM von einer "Demütigung". "Ich habe öfters auf die Uhr geschaut und mir gewünscht, dass die Zeit schneller runterläuft", sagte der sichtlich mitgenommene Gummersbacher. Entschuldigungen ließ er nur teilweise gelten: "Wir waren personell an unsere Grenzen gestoßen. Sicher war auch der Kräfteverschleiß sehr groß. Das entschuldigt einiges, aber nicht alles." Einigen Spieler habe die Bessessenheit und die Leidenschaft gefehlt. "Da war keiner, der vorangegangen ist."

"Über den vierten Platz bin ich immer unglücklich. Das gönne ich keinem Spieler. Denn dann hat man die letzten beiden Spiele verloren und fährt als Verlierer nach Hause", sagte der enttäuschte DHB-Präsident Ulrich Strombach.

Nur Kampf- und Teamgeist in Ordnung

Trotzdem fand Strombach tröstende Worte für das personell ausgedünnte Weltmeister-Team. "Mit dem Halbfinale hatten wir ein großes Ziel erreicht. Denn wir haben ja nicht nur Verletzte zu beklagen, sondern auch Pfeiler der Mannschaft verloren", sagte der Verbandschef. Auch Vizepräsident Horst Bredemeier anerkannte das Abschneiden und blickte bereits auf die Olympischen Spiele im August in Peking voraus. "Das ist eine Bestätigung für den WM-Titel, auch wenn jeder weiß, dass wir noch Luft nach oben haben. Jetzt haben wir das Ziel Olympia, das spukt jetzt allen in den Köpfen herum", so der 55-Jährige.

Bundestrainer Brand zog seinerseits eine durchwachsene Bilanz. "Es tut immer weh, wenn man ein Halbfinale verliert. Aber es ist eine anerkennenswerte Leistung, ins Halbfinale gekommen zu sein. Das ist eine Bestätigung unserer Arbeit. Die Weltspitze ist eng zusammen", urteilte der Bundestrainer.

Vor allem im Angriffsspiel sah der Coach arge Defizite, uneingeschränkt zufrieden war er nur mit dem Kampf- und dem Teamgeist. "Wir haben gute Erfahrungen gesammelt. Es war ein Turnier zum stabilisieren, aber nicht, um Fortschritte gegenüber der WM zu erwarten", urteilte Brand.

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