Frankfurt/Main (dpa) - Thomas Pfüller ist Sportdirektor und Generalsekretär des Deutschen Skiverbandes (DSV). In dieser Funktion verantwortet er unter anderem die Personalpolitik in den einzelnen Disziplinen.
Vor dem Beginn der Internationalen Vierschanzentournee hat sich Pfüller über die Situation im deutschen Skisprung geäußert. Nachfolgend sendet dpa ein Wortlaut-Interview mit Pfüller.
Die deutschen Skispringer sind schwach in die Saison gestartet. Droht Bundestrainer Peter Rohwein die Entlassung?
Pfüller: «Wir haben alles abgeklopft und durchleuchtet. Nach der Vierschanzentournee fällt die Entscheidung, die natürlich auch von den Ergebnissen beeinflusst wird.»
Solch ein Ultimatum fördert nicht gerade die Leistung....
Pfüller: «Der Trainer muss den Druck aushalten. Wir fahren nicht als Touristen zur Tournee. Die Athleten müssen gelöst an die Aufgabe herangehen. Mit Gewalt lässt sich nichts machen. Ich glaube, die Mannschaft kann mit der Situation umgehen.»
Welche Vorgaben gibt es vom Verband?
Pfüller: «Der Trainer wird immer über Leistungen abgerechnet. Das Blatt wird sich nicht komplett wenden, wir werden also kaum die Österreicher und Norweger schlagen. Aber ich traue dem Team Top-Ten- Platzierungen zu. Das ist zunächst das Minimalziel.»
Ist der Bundestrainer allein für die Misere verantwortlich?
Pfüller: «Man kann Peter Rohwein nicht für alles die Schuld in die Schuhe schieben. Mit der Strukturreform im Frühjahr haben wir eigentlich ein verschworenes Miteinander der Stützpunkttrainer und des Bundestrainers gewollt. Das kann ich derzeit nicht erkennen. Ich glaube, wir haben Möglichkeiten einzugreifen. Ich werde überlegen, wann und wie das der Fall sein wird. Man muss nicht bis zum Frühjahr warten.»
Lassen Sie sich bei Ihrer Entscheidung von außen beeinflussen?
Pfüller: «Man ist immer gut beraten, konstruktive Kritik aufzunehmen und ernst zu nehmen. Ich bin nicht böse über kritische Ratschläge. Man hat es im Sport mit einem Netzwerk zu tun, muss alle Informationen verarbeiten und dann die richtigen Entscheidungen treffen. Man darf aber nicht gleich auf jede Anregung reagieren und Schnellschüsse produzieren. Wenn ich das tun würde, hätte ich in den vergangenen Jahren Wolfgang Maier, Frank Ullrich und Jochen Behle entlassen müssen. Davon will heute niemand etwas wissen.»
Interview: Eric Dobias, dpa


