dpasport

«Heller Wahnsinn» bei Not-Eintracht

So 26 Okt, 09:49 Uhr


Cottbus (dpa) - Die Unmutsäußerungen gegen Friedhelm Funkel sind erst einmal verstummt - dagegen mussten sich Bojan Prasnikar und die Cottbuser Profis ein gellendes Pfeifkonzert und viele derbe Worte gefallen lassen.

Während der Frankfurter Coach nach dem 3:2-Sieg seiner Not-Elf am 9. Spieltag der Fußball-Bundesliga vom «hellen Wahnsinn» sprach, wie sich sein ersatzgeschwächtes Team zum zweiten Mal nacheinander aus einer aussichtslos erscheinenden Lage heraus gekämpft und noch gewonnen hatte, war bei seinem Cottbuser Kollegen nur Leere. 2:0 hatte Prasnikars Team schon nach 15 Minuten geführt, danach weitere Riesenchancen weggeschmissen und das Spielen quasi aufgegeben. «Am Ende wieder eine Niederlage mit einem Tor Unterschied», gab der Slowene verzweifelt zu Protokoll und schloss an, was alle längst wissen: «Wir sind in großen Schwierigkeiten.»

Fünf Punkte aus neun Partien, kein Heimsieg seit mehr als fünf Monaten, Tabellen-Schlusslicht: Der FC Energie ist dort angekommen, wo der Club vor einem Jahr schon einmal stand. Damals übernahm Prasnikar für Petrik Sander den Trainerposten - diese Saison hatte die Vereinsführung einen Wechsel des Chefcoaches bereits vor dem Start ausgeschlossen. Notfalls gehe man mit Prasnikar auch in die 2. Liga, übermittelte Präsident Ulrich Lepsch gleich mehrmals. Welche Rettungsstrategie die Energie-Verantwortlichen dieses Mal aus dem Ärmel ziehen, blieb nach der schon vierten Heimpleite offen. «Wir haben nicht viel Zeit. Dienstag geht es auf ein Neues», verwies Manager Steffen Heidrich nur auf die nächste Chance in Bielefeld.

Gegen Frankfurt konnten auch «die beste erste Halbzeit» der Saison (Heidrich) und zwei Treffer des Bulgaren Dimitar Rangelow (8./15.), der beim Heimspiel zuvor nach einem Trainings-Zwist mit Ervin Skela noch auf der Bank geschmort hatte, keine dauerhafte Sicherheit bringen. Direkt nach dem Anschluss-Hammer von Michael Fink (38.) «war sofort wieder die Angst da», bemerkte Prasnikar. Die konnte der 55- jährige Coach bisher auch in langen, intensiven Übungsstunden nicht aus den Spieler-Köpfen vertreiben. Der Mannschaft fehlen sichtbar geistige Frische und Stärke. Prasnikar hat keine gleichwertigen Alternativen, wenn Leute wie Ivica Iliev oder Mario Cvitanovic wie gegen Frankfurt verletzt raus müssen. Schon jetzt muss Cottbus die Winterpause und die neuen Transfer-Periode herbeisehnen.

Vielleicht kann die jüngste verrückte Geschichte der Frankfurter den Cottbusern nicht nur Frust, sondern auch ein Stück Mut machen. Denn auch Eintracht war vor einer Woche noch am Boden, Funkel stand mit dem Rücken zur Wand. Doch das Not-Team - schon elf Spieler aus dem Kader sind verletzt - zog sich mit «Einsatz, Leidenschaft, unglaublichem Engagement» und sechs Punkten aus zwei Partien selbst aus dem Sumpf auf Rang zwölf. Am Mittwoch kommt der wiedererstarkte FC Bayern nach Frankfurt. «Ich freue mich drauf», sagte Funkel.

Über die eigene entspannte Lage («Um meine Person gab es nie eine Diskussion») wollte sich Trainer nicht weiter äußern: «Ich muss nicht erleichtert sein. Ich freue mich über den Erfolg der Mannschaft.» Für das Team hatten die Tore des eingewechselten Martin Fenin (65.) und von Nikos Liberopoulos (74.), die vor 13 492 Zuschauern das Spiel drehten, «ganz besondere Bedeutung», betonte Vorstandschef Heribert Bruchhagen und schloss angesichts des hohen Krankenstandes und der kommenden schweren Aufgaben an: «Neun Punkte tun uns ausgesprochen gut.» Auch Funkel kann etwas entspannter sein: «Ob die Fans wieder pfeifen, wenn wir mal wieder verlieren, ist mir egal.»

 

Kein Yahoo! User? Kostenlos .