Eurosport - Fr 26.Okt. 22:28:00 2007
Miroslav Klose und Toni Kroos waren die Matchwinner für den FC Bayern in einer verloren geglaubten UEFA-Cup-Partie in Belgrad. Dabei unterstrich gerade das 17-Jährige Ausnahmetalent in nur zehn Minuten Einsatzzeit, dass die Bayern neben den Superstars noch einen Kronprinzen in der Hinterhand haben.
Der FC Bayern München flirtete im 14. Pflichtspiel der Saison ernsthaft mit der ersten Niederlage. 1:2 im Rückstand, ersatzgeschwächt, von einem Hexenkessel und widrigsten Platzverhältnissen in Belgrad mürbe gekocht. Doch der Rekordmeister hat in dieser Saison selbst für solche Fälle noch einen Trumpf in der Hinterhand.
In der 81. Minute zog Ottmar Hitzfeld diesen Joker. Toni Kroos, 17 Jahre, Prädikat Ausnahmetalent. Schon vier Minuten später bereitete der Youngster mit einem scharf vors Tor getretenen Freistoß den zweiten Treffer durch Klose vor. In der Nachspielzeit wiederholt Kroos frech das Ganze, mit dem Unterschied, dass sein Freistoß direkt im Belgrader Tor einschlägt.
"Das war einfach Weltklasse"
Den 3:2-Sieg in letzter Minute, die Wende und der geglückte Auftakt in die Gruppenphase verdankt der FC Bayern einem 17-Jährigen. "Ich kann ihn gar nicht oft genug loben", stimmte kein Geringerer als der zweifache Torschütze Klose das Hohelied auf den Nachwuchsstar an - "er schießt so gefährliche Freistöße. Das war einfach Weltklasse." Selbst der für gewöhnlich so nüchterne Hitzfeld kam beim Thema Kroos sofort ins Schwärmen: "Für mich war klar, dass Toni Kroos spielt, denn er hat sich in der letzten Zeit aufgedrängt. Er spielt hochintelligent und wird eines Tages ganz sicher Nationalspieler."
Der Weg in die Fußball-Charts geht für Kroos bislang in jedem Fall steil nach oben. Im September wurde er bei der U17-WM nach fünf Toren und vier Vorlagen zum besten Spieler des Turniers gewählt. Bei seinem Bundesliga-Debüt gegen Energie Cottbus bereitete das Talent gleich zwei Tore vor. Drei Vorlagen und ein Tor in 37 Profiminuten - eine Traumbilanz.
Kroos - Rohdiamant des Ostens
Obwohl Kroos auf den Vornamen Toni hört, stammt er mitnichten aus Bayern. Kleiner Eitikettenschwindel, der gebürtige Greifswalder ist ein Rohdiamant des Ostens und wurde vor einem Jahr für 100.000 Euro aus dem Nachwuchs von Hansa Rostock zur Talentschmiede des FC Bayern gelotst. Eine stolze Summe für einen damals 16-Jährigen, aber nicht mal ein Taschengeld im Vergleich zu den 70 Millionen, die Uli Hoeneß in Ribery, Toni, Klose und Co. angelegt hat.
Kroos ist Bayerns Faustpfand für die Zukunft. Es scheint kein Zufall, dass im sommerlichen Kaufrausch des Rekordmeisters kein echter Spielmacher dabei war und die legendäre Rückennummer 10 in diesem Jahr nicht vergeben wurde. Sie ist für Kroos reserviert., der in diesem Jahr noch mit der 39 in den großen Fußball reinschnuppert. Einen echter Spielmacher. Der viel zitierte letzte, aber auch wirklich allerletzte Straßenfußballer. Beidfüßig, schussstark, glänzende Technik und torgefährlich.
Allein schon die Medien werden hoffen, dass Kroos der künftige deutsche Superstar wird. Die zwangsläufigen Wortspiele für griffige Schlagzeilen mit ihm und den Stars Toni und Klose liegen auf der Hand: "Bayern ganz Kroos", "Toni & Toni - das neue Traumpaar", "Kroose verzückt die Bayern".
Matchwinner Kroos selbst hielt den Ball nach dem Last-Minute-Sieg flach: "Es war eminent wichtig, dass wir mit einem Sieg in die Gruppenphase gestartet sind. Doch schimpfen kann er schon wie ein ganz Großer. "Der Platz", sagte Kroos verschmitzt, "war eine Katastrophe."
Alexander Beisse / Eurosport