Eurosport - Fr 26.Okt. 09:49:00 2007
Eurosport-Kolumnist Karl-Heinz Riedle knöpft sich noch einmal den krisengeschüttelten VfB Stuttgart vor, analysiert den vergangenen Europa-Cup-Spieltag und prophezeit, wer den schier übermächtigen Bayern vielleicht doch noch gefährlich werden könnte.
Hallo Fußball-Freunde,
habt Ihr es euch auch erhofft? Habt Ihr auch gedacht: Da muss doch jetzt mal jemand die Ärmel hochkrempeln, seine Kollegen mitziehen und allen Schwächeanfällen zum Trotz vorne weg marschieren? Wenn ja, dann wurdet Ihr wie ich bitter enttäuscht. Was bereits vor der 0:2-Pleite des VfB Stuttgart gegen Olympique Lyon klar war, wurde dann "eindrucksvoll" bestätigt - die Männer von Coach Armin Veh stecken tief im Sumpf.
Man mag die Schwaben mögen oder nicht - ich finde es vor allem traurig, dass ein deutscher Meister in der Champions League quasi chancenlos ist. Wenn das jetzt der Preis für die Überraschungs-Meisterschaft ist, hätte der VfB vermutlich auch auf den Titel verzichtet. Das Team braucht jetzt unbedingt einen Impuls - ich kenne das aus meiner aktiven Zeit. Nachdem in der vergangenen Serie alles gepasst hat, ist das Selbstvertrauen nun ganz unten. Hinzu kommen dann auch noch Sperren und Verletzungspech.
Armin Veh erwartet ein hartes Stück Arbeit - bereits am Wochenende gegen Bayer Leverkusen. Er ist ist ein sehr guter Trainer, das hat er auf jeden Fall bewiesen und ich bin mir sicher, dass ihm die Wende irgendwann gelingt. Seine Maßnahmen sind allerdings beschränkt. Veh kann nur an seinem Konzept festhalten und auf den nächsten Sieg hoffen - jetzt drauf zu hauen bringt nichts. Was mich aber besorgt, dass es in Stuttgart an echten "Leadertypen" mangelt. Mario Gomez und Roberto Hilbert sind noch nicht so weit - vielleicht gelingt Horst Heldt ja in der Winterpause ein echter Coup mit einer Neuverpflichtung.
Sanogo knipst und knipst und knipst...
Immerhin läuft es bei "meinen" Bremern wieder. Abgesehen davon, dass der Sieg gegen Lazio Rom hochverdient war und die lange verletzten Führungsspieler Torsten Frings, Clemens Fritz und Tim Borowski wieder zur alten Form finden, verblüfft mich vor allem Boubacar Sanogo. Er hat sich extrem gut entwickelt, zeigt, dass er auch internationale Klasse besitzt und "knipst" am Fließband - wie ich zu meinen besten Zeiten. Und dafür, dass Sanogo nicht mit Vorgänger Miroslav Klose verglichen werden will, läuft der Jubel-Salto erstaunlich reibungslos ab.
Famoser Klose und großer Kroos
Aber apropos Klose: Der hat zwar gestern mit seinen zwei Toren die strauchelnden Bayern vor einer Niederlage bei Roter Stern Belgrad bewahrt, doch der umjubelte Held war doch definitiv Youngster Toni Kroos. Es ist schon wahnsinnig, welch gute Anlagen der 17-Jährige an den Tag legt! Ich möchte ihn nicht über den grünen Klee loben, sein richtiger Durchbruch steht ja noch aus, aber ich bin mir absolut sicher, dass wir an ihm noch viel Freude haben werden. Die Vorlage zum 2:2 und sein Freistoß-Tor zum 3:2 in der Nachspielzeit, auch wenn das vom gegnerischen Keeper begünstigt wurde, waren aller Ehren wert.
Das Spiel der Bayern auf dem katastrophalen Rasen im "Marakana-Stadion" hat aber auch gezeigt, dass selbst die Münchner trotz ihres breiten Kaders Probleme haben, wenn Schlüsselspieler wie Ribery oder Toni fehlen. Lukas Podolski sucht indes weiter nach seiner Form und sollte vielleicht ernsthaft über einen Vereinswechsel nachdenken. Es scheint, als sei er gehemmt. Ganz im Gegensatz zum konstanten Klose. Ich gebe ja zu, ich hatte Zweifel, ob er sich bei Bayern tatsächlich durchsetzt. Der verstärkte Medien-Rummel und der Druck bei so einem großen Club sind schließlich nicht für jeden gut. Aber er hat mich eines Besseren belehrt, hat sich bestens eingefügt und ist vorne gesetzt.
Festzuhalten bleibt: Bayern ist der Start in die Gruppenphase des UEFA Cups geglückt und sie sind für mich auch in diesem Wettbewerb klarer Favorit auf den Titelgewinn.
Jetzt aber noch viel Spaß beim Surfen auf eurosport.yahoo.de und bis zum nächsten Mal!
Euer Kalle Riedle
P.S.: Für Fragen und Anregungen an mich schicken Sie eine E-Mail an: fussball(at)eurosport.com.
Kalle Riedle / Eurosport