Weltmeisterschaften - Rad-Helden heiß aufs Olympia-Jahr
Mo 26.Sep. 14:06:00 2011
Die deutschen Radsportler haben bei der WM in Dänemark abgeräumt wie nie. Die fünf Medaillen machen Hoffnung auf ein erfolgreiches Jahr 2012, in dem Olympia in London den Höhepunkt bildet. Martin, Greipel und Arndt gehören zu den Favoriten - natürlich neben den britischen Gastgebern.
Zwei Regenbogentrikots, drei Bronzemedaillen und beeindruckte Konkurrenten: Nicht nur die Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin und Judith Arndt zeigten in Dänemark, dass sie zur Weltspitze gehören. Der Kommentar des britischen Sprint-Dominators Mark Cavendish nach dessen furiosem Sieg im Straßenrennen kann exemplarisch für die ganze Woche formuliert werden: "Deutschland ist richtig gut gefahren."
Verband hat Qual der Wahl
Martin und Arndt überwintern als beste Athleten im Kampf gegen die Uhr und Favoriten auf Gold in London. "Unser Fokus liegt auf den Olympischen Spielen", ließ BDR-Vizepräsident Udo Sprenger kurz nach der finalen Bronzemedaille von André Greipel beim Männer-Straßenrennen verkünden.
Der Verband weiß um seine schlagkräftige Truppe und hat die Qual der Wahl: Im Gegensatz zur WM dürfen nur fünf Fahrer aus Deutschland an den Start gehen. Einen Freifahrtschein gibt es dabei offenbar nicht einmal für Sprint-Ass Greipel. "Für mich wäre es ein Traum, bei Olympia dabei zu sein", sagte der Hürther vorsichtig - ihm sitzen die starken Youngster Marcel Kittel und John Degenkolb im Nacken.
Kittel weiß jetzt "wo der Hammer hängt"
Im Hinblick auf Olympia nutzte Bundestrainer Jan Schaffrath die WM auch, "um den jungen Fahrern zu zeigen, wie solche Rennen ablaufen". Kittel, der bei seinem ersten derartigen Rennen im Finish nicht mehr mithielt, habe gesehen, "wo der Hammer hängt", sagte Schaffrath. Degenkolb hatte Pech: Ein Defekt auf der Schlussrunde warf ihn zurück.
Greipel punktete dagegen im schwierigen Zielspurt, auch wenn er es verpasste, das Regenbogenleibchen als Weltmeister zum ersten Mal seit 45 Jahren wieder nach Deutschland zu holen. Er schickte umgehend eine Kampfansage an den diesmal siegreichen Cavendish: "Es wird noch viele schöne Sprints geben und ich weiß, dass ich ihn schlagen kann."
Gut möglich, dass sich die beiden früheren Teamkameraden, dann schärfsten Widersacher und mittlerweile respektvollen Rivalen am 28. Juli vor dem Buckingham Palace im Sprint um Olympia-Gold wiedersehen. Zudem deutet vieles darauf hin, dass dies nicht das einzige britisch-deutsche Duell sein könnte: Im Zeitfahren wird Bradley Wiggins den neuen Weltmeister Martin angreifen, auch wenn der Engländer dem Wahl-Schweizer zutraut, die Disziplin "fünf Jahre lang zu dominieren".
Arndt und Teutenberg mit letzten Spielen
Martin und Greipel, die neben Olympia vor allem bei der Tour de France auf Etappenjagd gehen wollen, könnten in London den Höhepunkt ihrer Karriere erleben. Für Judith Arndt und Ina-Yoko Teutenberg werden die Spiele in der Themse-Metropole die letzten sein - als Abschiedsvorstellung der beiden ist die nächstjährige WM angedacht. "Judith und ich werden wahrscheinlich in Valkenburg unsere letzten Rennen bestreiten", verkündete Teutenberg nach ihrem WM-Bronze-Rang.
Junge Nachwuchsathleten stehen schon auf der Startrampe, wie die WM in Kopenhagen zeigte. Mieke Kröger gewann Bronze im Zeitfahren der Juniorinnen, Rick Zabel - Sohn von Vorzeigesprinter Erik Zabel - als Fünftplatzierter bei den Junioren und Rüdiger Selig mit Rang vier im U23-Straßenrennen rundeten den starken deutschen WM-Auftritt ab.
VIDEO: Cavendish mit Husarenritt zum WM-Titel
0925 - WCH Cavendish
TV-Tipp:
Auch nach der WM geht es mit Top-Radsport weiter: Vom 5.-9. Oktober gibt es LIVE die Tour of Beijing bei Eurosport & Eurosport 2, direkt danach folgt am 9. Oktober die 105. Auflage des Herbstklassikers Paris-Tours - natürlich auch im Eurosport Player!
Manuel Schwarz / dpa

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