Grand Prix Europa - Lockere Hafen-Rundfahrt für Vettel
Im Kampf um die WM-Krone bleibt alles beim Alten. Trotz Regeländerung bestimmt Weltmeister Sebastian Vettel weiter die Szenerie. Der Red-Bull-Pilot lieferte beim GP von Europa eine souveräne Leistung in Valencia ab und holte sich den sechsten Saisonsieg. Michael Schumacher ging komplett leer aus.
Erfrischende Langeweile in der Formel 1. Trotz des Theaters um das Zwischengas-Verbot und das neu geregelte Motorenmapping bestimmen die "Roten Bullen" weiter das Geschehen.
Allen voran "Überflieger" Vettel. Der Titelverteidiger bleibt die einzige Konstante in der Königsklasse, was vor allem die Konkurrenz wieder schmerzhaft zu spüren bekam.
Heißer Kampf um Platz zwei
"Das hat Riesenspaß gemacht", freute sich Vettel, der seinen Vorjahressieg in Valencia wiederholen konnte und auf dem schnellen Stadtkurs einen klassischen Start-/Zielsieg feierte. "Das war ein fantastisches Rennen von Sebastian. Er ist sehr intelligent gefahren", freute sich auch Teamchef Christian Horner.
In der Fahrerwertung baute der Heppenheimer seinen Vorsprung auf 77 Punkte aus. Aber Vettel würdigt die Punktetabelle keines Blickes. "Die Saison ist noch lang. Wir müssen weiter hungrig bleiben und besser und besser werden", erklärte der Red-Bull-Pilot nach seinem souveränen Triumph in Spanien.
Vettel erwischte zwar nur einen mäßigen Start, blieb aber an der Spitze und teilte sich das Rennen mit drei Boxenstopps perfekt ein. Hinter ihm lieferten sich Fernando Alonso und Mark Webber einen heißen Kampf um Platz zwei, den der Ferrari-Pilot letztendlich für sich entscheiden konnte.
Hamilton mit Galgenhumor
"Ich war heiß, ich wollte unbedingt bei meinem Heimrennen gewinnen. Aber Red Bull hat mich ins Sandwich genommen", erklärte der 29-jährige Asturier. Nach einem Fauxpas in der 30. Runde büßte Alonso zwar einen Platz gegenüber Webber ein, schlug bei seinem letzten Boxenstopp aber erfolgreich zurück.
In der WM-Wertung steckt der Spanier auf Platz fünf hinter Lewis Hamilton fest, der ein rabenschwarzes Wochenende erlebte. "Das war komplett langweilig", ärgerte sich der ansonsten aggressiv agierende Brite. "Beim Start bin ich fast rückwärts gefahren", flüchtete sich Hamilton in Galgenhumor.
Mit abgefahrenen Hinterreifen und ohne Traktion rettete sich der McLaren-Pilot nach 57 Runden noch auf Rang vier. Damit sicherte sich Hamilton zwölf Zähler in der Fahrerwertung. Noch schlimmer erwischte es "Reifenflüsterer" Jenson Button, der hinter Felipe Massa im zweiten Ferrari nur Sechster wurde.
Schumacher mit Feindberührung
"Wir brauchen dringend ein paar Updates vor dem nächsten Rennen", forderte der Brite, der mit 109 Punkten erster Verfolger von Vettel (186) in der Weltmeisterschaft bleibt. Spätestens beim Grand Prix von Großbritannien in zwei Wochen will sich McLaren wieder zurückmelden.
Neben Vettel schafften mit Nico Rosberg (Mercedes) auf Rang sieben, Adrian Sutil (Force India) auf neun und dem Zehnten Nick Heidfeld (Renault) drei weitere Deutsche den Sprung in die Top Ten. Nur Michael Schumacher patzte bei seinem Rempler mit dem Russen Witali Petrow in der 16. Runde.
"Mit dem Zusammenstoß gleich nach dem ersten Boxenstopp war das Rennen für mich gelaufen", so Schumacher, der trotz eines klappernden Frontflügels weiter Vollgas gab. "Ich war natürlich besorgt, dass man mit dem kaputten Flügel die Kontrolle über den Rennwagen hat", meinte der Rekordweltmeister auf Nachfrage, ob er sich der Gefahr in dieser Situation bewusst war.
Hispania sieht alle Rücklichter
Nach dem Feindkontakt mit Petrow war bei Schumi die Luft raus. Der "Lohn" war Platz 17 hinter Kamui Kobayashi im Sauber. "Wir müssen weiter an der Basis bauen, um uns Schritt für Schritt weiter zu verbessern", äußerte sich Mercedes-Sportchef Norbert Haug, der etwas weniger frustriert als Schumacher wirkte.
Timo Glock (Virgin) landete nach insgesamt 308,883 Kilometern auf Rang 21. Schlechter waren nur Teamkollege Jerome d'Ambrosio (Virgin), Vitantonio Liuzzi (Hispania) und Narain Karthikeyan (Hispania). Vor 85.000 Zuschauern hatte der Wersauer in seinem unterlegenen F1-Boliden zwei Runden Rückstand auf Vettel.
Der Polesitter kann sich nach seiner lockeren Hafen-Rundfahrt entspannt zurücklehnen, aber der Red-Bull-Pilot denkt bereits an die nächste Entscheidung in Silverstone (10. Juli). "Dort müssen wir nachlegen und der Konkurrenz zeigen, dass wir weiter die Nummer eins sind."
TV-Tipp:
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