Peking 2008 - Deutschland beendet Durststrecke

Eurosport - Mo 26.Mai. 10:04:00 2008

Die deutschen Volleyballer haben nach einer 36 Jahre langen Durststrecke das Olympia-Comeback geschafft. Mit einem 3:2 (25:23, 25:23, 23:25, 22:25, 15:10)-Sieg in einem Herzschlag-Finale gegen Europameister Spanien machten sie beim letzten Qualifikations-Turnier die Teilnahme in Peking perfekt.

VOLLEYBALL 2007-2008 Olympic qualifying Germany - 0

"Das ist einer der größten Triumphe der deutschen Volleyball-Geschichte", jubelte Werner von Moltke, Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV). Zum letzten Mal war der DVV bei den Olympischen Spielen 1972 in München am Start, wo die Männer Elfte wurden. "In Peking können wir einen Rang zwischen sieben und neun schaffen", hofft von Moltke.

Tränen der Freude vergoss Bundestrainer Stelian Moculescu in Düsseldorf vor den rund 4800 Zuschauern. "Ich habe immer an meine Jungs geglaubt", sagte er und fügte hinzu: "Nach 36 Jahren sind wir trotz erheblicher Widerstände wieder aus der Volleyball-Diaspora heraus. Ich ziehe meinen Hut vor den Spielern."

Nach vielen Rückschlägen war auch die Begeisterung bei seinen Jungs groß. "Das ist ein Riesending und das i-Tüpfelchen", sagte Björn Andrae. "Wir haben uns zur Olympia-Teilnahme hingequält. Es war nicht Glück, sondern Vollgas und es hat funktioniert."

Wende gegen Kuba

Den Grundstein für die Rückkehr auf die olympische Bühne legten die deutschen Männer in der zweiten Partie im Fünfsatz-Drama gegen Kuba. Nach einem 0:2-Rückstand erzwangen die langen Kerls von Moculescu mit einer Energieleistung noch einen 3:2 (24:26, 21:25, 25:21, 25:18, 15:13)-Sieg. "Wir haben gekämpft und Großartiges vollbracht", sagte der Außenangreifer Andrae nach dem vorentscheidenden Erfolg.

Erleichtert war Italien-Profi Stefan Hübner, der gehandicapt durch einen Muskelfaserriss in der Wade in seine Länderspiele 216 und 217 gegangen war: "Wir haben oft genug, wenn es um die Wurst ging, den Kürzeren gezogen. Jetzt hatten wir endlich das glücklichere Ende." Für den Weltklasse-Mittelblocker geht mit der Qualifikation für die Peking-Spiele ein "Riesentraum" in Erfüllung. "Es ist einmalig. Wir haben um jeden Ball gekämpft. Ich habe nicht gedacht, dass ich noch mal da hin komme zu Olympia", sagte Hübner, der bei der Athen-Ausscheidung 2004 verletzt fehlte. Schützenhilfe hatte das DVV-Team, das zum Auftakt Taiwan mit 3:0 wegfegte, von den Kubanern bekommen, die Spanien unerwartet mit 3:1 bezwingen konnten.

"Ein kleiner Rausch"

"Die jungen Spieler haben jetzt wieder Idole und Ziele", meinte Italien-Legionär Marcus Popp. Über die Perspektive der DVV-Auswahl in Peking wollte sich Moculescu in der Stunde des Triumphes noch keine Gedanken machen. "Ich will mich erst Mal freuen", sagte der 58-jährige Rumäne, der seit 1999 im Amt ist und nach Olympia von seinem Posten zurücktreten wird. "Es ist für mich jetzt einfacher, das zu tun. Die Mannschaft wird auch in den kommenden vier Jahren in der Lage sein, Medaillen zu gewinnen."

Keine Angst hatte er, als sein Team nach einer 2:0-Führung noch den 2:2-Satzausgleich hinnehmen mussten. "Das war ein Spiegelbild der vergangenen Jahre, die Jungs haben es sich immer schwer gemacht." Im fünften Satz kam dann aber beim 15:10 die Erlösung. "Es war wie ein kleiner Rausch. Die Halle tobte, die Mannschaft tobte", so Andrae.

dpa / Eurosport