Eurosport - Mo 26.Mai. 12:32:00 2008
Titelverteidiger Griechenland mit Trainer-Guru Otto Rehhagel könnte bereits in der Vorrunde große Probleme bekommen.
Der Trainer:
Vor vier Jahren hat sich Trainer Otto Rehhagel mit dem überraschenden Titelgewinn bei der EURO 2004 zum Helden Griechenlands gemacht und sich damit bei den Hellenen ein "Rehakles-Denkmal" gesetzt. Der 69-Jährige wurde sogar zum Ehrenbürger Athens ernannt. Als krasser Außenseiter mit konservativer Defensivtaktik samt Libero schlug der Trainerfuchs den Favoriten ein Schnippchen. Allerdings folgte mit der verpassten Qualifikation für die WM 2006 ein herber Rückschlag. Dafür meisterten die Griechen souverän als Gruppen-Erster die Quali für die EURO 2008. Rehhagel ist seit 2001 Nationaltrainer Griechenlands und verlängerte seinen Vertrag bis 2010.
Das Team:
Bei diesem Turnier hat Rehhagel mehr Optionen im Angriff denn in der Defensive. Im Team gibt es wie anno 2004 keine absoluten Topstars, aber eben auch keine größeren Problemzonen. Als Schwachpunkt wird Keeper Antonios Nikopolidis gesehen, dessen Leistungsbreite von Genie bis Wahnsinn reicht. Glänzende Reflexe wechseln sich mit Irrläufen in der Strafraumbeherrschung ab.
Rechts in der Viererkette zählt Georgios Seitardis zu den Leistungsträgern, der aber durch Verletzungen immer wieder zurückgeworfen wurde. Der 26-Jährige von Atletico Madrid wurde 2004 bei der EM ins Allstar-Team gewählt. Frankfurts Sotirios Kyrgiakos fehlte beim Triumph in Portugal wegen einem Kreuzbandriss, ist aber nach einer starken Saison mit Traianos Dellas ("Koloss von Rhodos") gesetzt.
Das geplante Mittelfeld besteht mit Angelos Basinas (32), Georgios Karagounis (31) und Stylianos Giannakopoulos (33) aus Altstars, die zwar erfahren sind, aber auch im Herbst ihrer Karriere stehen. Insgesamt berief Rehhagel sechs Spieler ins Aufgebot, die jenseits der 30 sind.
Die Hoffnungen beim Titelverteidiger im Sturm liegen auf drei Bundesliga-Legionären: Theofanis Gekas (Bayer Leverkusen) und Ioannis Amanatidis (Eintracht Frankfurt) sind unter Rehhagel wohl gesetzt, als Joker muss Angelos Charisteas (Siegtorschütze im EM-Finale 2004), mit dem 1. FC Nürnberg gerade abgestiegen, möglicherweise mit der Bank vorlieb nehmen.
Beim EM-Test gegen Ungarn (2:3) setzte es bereits einen Dämpfer: "Wir haben geglaubt, es ist ein Freundschaftsspiel, aber die Ungarn haben gekämpft, als wär's bereits die Europameisterschaft. Diese Niederlage war eine Warnung zur rechten Zeit", meinte Rehhagel.
Taktik:
In der Qualifikation setzte Rehhagel oft auf ein 4-3-3 mit klassischen Außenstürmern, die dann von Ioannis Amanatidis und Angelos Charisteas gebildet wurden. Bei der Endrunde dürfte Griechenland vermehrt auf ein defensiveres 4-4-2 bauen.
Bundesliga-Legionäre:
Theofanis Gekas (Bayer Leverkusen), Sotirios Kyrgiakos, Ioannis Amanatidis (beide Eintracht Frankfurt) und Angelos Charisteas (1. FC Nürnberg)
EM-Teilnahmen:2
1980 Italien (Vorrunde)
2004 Portugal (Europameister)
Bilanz gegen Deutschland:
8 Spiele, 7:17 Tore: 3 Unentschieden, fünf Niederlagen
Vorrundengegner Gruppe D:
Schweden (10. Juni), Russland (14. Juni), Spanien (18. Juni)
eurosport.yahoo.de-EM-Tipp: Aus in der Vorrunde
Griechenland könnte wieder eine Überraschung werden - allerdings im negativen Sinn. Entscheidend wird das Auftaktspiel gegen die Schweden sein. Wenn Rehhagels Team gegen die Skandinavier nichtb gewinnt, geht das griechische Märchen ganz schnell zu Ende. Spanien und Russland sind stärker besetzt.
Vorläufiger Kader mit 24 Spielern:
Tor: Alexandros Tzorvas (OFI Kreta), Antonis Nikopolidis (Olympiakos Piräus), Konstantinos Chalkias (Aris Saloniki)
Abwehr: Giourkas Seitaridis (Atletico Madrid), Loukas Vyntra (Panathinaikos Athen), Christos Patsatzoglou (Olympiakos Piräus), Traianos Dellas (AEK Athen), Paraskevas Antzas (Olympiakos Piräus), Sotirios Kyrgiakos (Eintracht Frankfurt), Ioannis Goumas (Panathinaikos Athen), Vassilios Torosidis (Olympiakos Piräus), Nikos Spyropoulos (Panathinaikos Athen), Sokratis Papastathopoulos (AEK Athen)
Mittelfeld: Konstantinos Katsouranis (Benfica Lissabon), Angelos Basinas (RCD Mallorca), Alexandros Tziolis (Panathinaikos Athen), Georgios Karagounis (Panathinaikos Athen), Stylianos Giannakopoulos (Bolton Wanderers), Ioannis Amanatidis (Eintracht Frankfurt)
Sturm: Dimitris Salpingidis (Panathinaikos Athen), Angelos Charisteas (1. FC Nürnberg), Georgios Samaras (Celtic Glasgow), Theofanis Gekas (Bayer Leverkusen), Nikolaos Liberopoulos (AEK Athen)