Schmitt: "Träume gibt es immer"

Eurosport - Do 26.Mrz. 12:26:00 2009

Martin Schmitt im Interview der Woche: Mit eurosport.yahoo.de spricht der 31-Jährige über die Saison, seine Rückkehr in die Weltspitze, die härtesten Gegner und seine größten Träume.

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Herr Schmitt, die Saison ist vorbei. Wie lautet Ihr persönliches Resümee?

Martin Schmitt: Ich bin mit der Saison sehr zufrieden, vor allem nach Jahren, die nicht so erfolgreich waren. Im Winter habe ich gemerkt, dass ich wieder konkurrenzfähig bin, hatte ein gutes Grundniveau und konnte zu jedem Zeitpunkt meine Leistung abrufen. Dadurch stellten sich auch die Ergebnisse ein, so war ich das eine oder andere Mal wieder auf dem Podest.

Wie bei der Weltmeisterschaft in Liberec. Wie ordnen Sie die Silbermedaille in der Reihe ihrer großen Erfolge ein?

Schmitt: Auf dem Papier ist die olympische Goldmedaille mit der Mannschaft zwar mehr wert, die Silbermedaille von Liberec musste ich mir nach einer langen Durststrecke aber hart erarbeiten. Ich bin kein Mensch, der in der Vergangenheit schwelgt. Was im Moment passiert, ist das was zählt. Deshalb kann ich mich im Moment daran mehr erfreuen als an den vergangenen Triumphen, weil die schon lange zurückliegen. Es war auch das Ziel, eine WM-Medaille zu gewinnen - zweitrangig, ob im Einzel oder mit dem Team. Und mit Edelmetall heimzufahren, ist einfach etwas Schönes.

Wie ist es Ihnen gelungen, zur Konstanz frührer Jahre zurückzufinden?

Schmitt: Wir haben mit dem neuen Trainerteam gut gearbeitet und für mich einen Weg gefunden, meinen Sprung wieder erfolgreich zu gestalten und meine Stärken auszuspielen. Insbesondere im Sommertraining habe ich die Grundlage für die erfolgreiche Wintersaison gelegt. Das war eine wichtige Phase, eine gute Vorbereitung. Im Winter gibt es dann irgendwann so etwas wie eine Weggabelung, wo es sich entscheidet, ob es ins Positive oder ins Negative geht. Auch da haben wir die richtigen Entscheidungen getroffen. So ist es mir gelungen, über die gesamte Saison gute Leistungen zu bringen.

Nach den guten Platzierungen wurden Sie in dieser Saison wieder als deutsche Nummer eins gefeiert. Wie hoch war der Druck für den erfahrenen Skispringer Martin Schmitt?

Schmitt: Der Druck war nicht anders als in den vergangenen Jahren. In meiner Karriere habe ich schon gewisse Vorleistungen erbracht und daran wird man immer gemessen. Die Latte liegt dadurch sehr hoch. Trotzdem war es nicht das vorrangige Ziel, an meine früheren Leistungen anzuknüpfen. Ich wollte einfach nur wieder erfolgreich skispringen und an mein persönliches Optimum herankommen. In dieser Saison ist mir ein großer Schritt in diese Richtung gelungen.

Was war neben der WM Ihr persönliches Saison-Highlight?

Schmitt: Die Vierschanzentournee war für mich sehr erfolgreich. Die Saison fing zwar schon gut für mich an, aber von der Sprungqualität her konnte ich mich zur Tournee noch einmal steigern. Darum war die Tournee schon toll - gerade mit dem Podestplatz in Innsbruck. Aber unter dem Strich bleibt natürlich die WM-Medaille.

Gregor Schlierenzauer hat die Saison dominiert. Was macht den Österreicher so stark?

Schmitt: Zu Beginn der Saison sah es noch nicht nach einer totalen Dominanz aus. Gregor kam mit dem Ende der Vierschanzentournee erst so richtig in Form. Ihn zeichnet besonders aus, dass er über die Saison hinweg konstant seine Leistungen erbrachte. Bei ihm war es so, dass er am Anfang des Winters noch gesucht hat und dann auch das richtige Mittel fand. Dadurch besitzt er ein unerschütterliches Selbstvertrauen. Es ist allerdings schon beeindruckend, dass er in jungen Jahren so eine Konstanz an den Tag legt.

Im nächsten Winter kehrt ein ganz Großer des Sports wieder zurück. Wie beurteilen Sie das Comeback von Janne Ahonen?

Schmitt: Janne ist in einem Alter, wo er noch erfolgreich skispringen kann. Ich traue es ihm auf jeden Fall zu. In Finnland habe ich mit ihm gesprochen und er hatte das Gefühl, dass er wieder springen möchte. Der Sport ist ein großer Bestandteil im Leben und es ist viel Herz dabei, wenn man jahrelang im Weltcup unterwegs ist. In der Pause hat er wahrscheinlich gemerkt, was ihm fehlt.

Apropos Pause. Wie werden Sie nach einer langen Saison entspannen?

Schmitt: Ich werde auf jeden Fall mal für längere Zeit Urlaub machen, weil ich auch ein bißchen Abstand brauche. Es ist wichtig, nach einer Saison den Kopf wieder freizukriegen und einmal etwas anderes zu machen und zu unternehmen. Gebucht habe ich aber noch nicht.

Der Hype um den Skisprung-Sport mit kreischenden Groupies ist vorüber, auch wenn Skispringen heute noch sehr populär ist. Was hat sich für Sie seit den Zeiten von "Hanni" und "Schmitti" verändert?

Schmitt: Für mich persönlich hat sich nicht so viel geändert. Nur das Drumherum hat sich verändert. In der damaligen Zeit war ein ziemlicher Hype in Deutschland, das war eine tolle Zeit, ein tolles Erlebnis. Aber für mich stand trotzdem immer nur das Springen im Vordergrund, da habe ich meine Energie hineingesteckt. Im Sport hat sich nichts geändert.

Ihre Erfolge haben wir bereits angesprochen. Sie sind Olympiasieger, Weltmeister und Weltcupsieger. Als Sportler haben Sie alles erreicht. Gibt es dann eigentlich noch Träume?

Schmitt: Ja, Träume gibt es immer. Wie gesagt, ich lebe immer in der Gegenwart und nicht in der Vergangenheit. Deshalb versuche ich immer, im Moment mein Möglichstes zu tun. Für mich ist es nach wie vor eine Faszination ein Springen zu gewinnen, zu diesem Zeitpunkt der Beste der Welt zu sein. Das ist nach wie vor ein großes Ziel: Irgendwann wieder die Möglichkeit zu haben, ganz oben zu stehen. Und das ist Antrieb genug, um weiterzumachen.

Das Interview führte Nicole Herbst / Eurosport

Kommentare 1 - 11 of 11

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  1. Wer es jahrelang aushält, dass nur auf einem rumgehackt­ wird der schafft es auch wieder bis ganz nach oben.­ Ganz klar: Schmitt schafft die Hollywood reife Rückkehr­ an die Weltspitze.

    Von Benedikt, am Di 2.Jun. 21:18
  2. Ich kenne keinen Sportler der fast ein Jahrzent seine­ Form gesucht hat und immer dran geblieben ist. Wieder­ der Beste der Welt zu sein halte ich für schwer aber­ dauerhaft unter den besten fünf wäre doch auch schon­ gut. Ich finde es bewundernswert das er in all den­ Jahren die Fehler immer bei sich gesucht hat. Leider­ eine Seltenheit im Sport.

    Von manuelarndt, am Do 26.Mrz. 11:50
  3. ´Träume sind gut. Warum sollen Martin seine nicht in­ erfüllung gehen?
    Warum sollte er nicht mehr vorn dabei­ sein? Freu mich schon auf die nächste Sesion.

    Von tweety, am Do 26.Mrz. 7:48
  4. alles klar

    Von pacjakson, am Mi 25.Mrz. 19:01
  5. Bin Österreicher und finde es bewundernswert, wie­ Martin Schmitt seine Karriere fortsetzt. Er war immer­ ehrlich, direkt, nicht aufdringlich, kurz sehr­ sympathisch. Das kommt auch im Interview mit ihm raus.­ Deutsche, seid froh, dass ihr solche Sympathieträger­ habt, es gibt ja auch in jedem Land genug­ "Ungustln". Nix für ungut, ihr­ Kommentarschreiber, schöne Grüße nach Deutschland von­ Hans Pennetzdorfer

    Von penjo.rm, am Mi 25.Mrz. 17:40
  6. Liebe Wintersportfreunde,

    wo ist das deutsche­ Springteam gelandet?
    Vor 10 Jahren Weltspitze, wir­ haben den Anschluß
    verloren, der österreichische­ Nachwuchs bestimmt
    die Skispringerwelt. Warum gibt es­ in der BDR keine
    Zukunftstalente?
    Das liegt halt viel­ im athletischen Bereich, die Konkurrenz
    hat da einen­ Vorsprung, wenn einer bei schlechten­ Windverhält-
    nissen des Durchgangs trotzdem in der­ Spitze landet, wo unsere
    abstürzen.
    PS: Martin Schmitt­ sollte sich mal im Interview schneller äußern, der­ stottert ja genau so wie der Franz. Poldi, der hat­ Klasse, schnell und geistvoll.

    mfg
    Horst

    Von Horst Z, am Mi 25.Mrz. 17:17
  7. Kommentar nicht angezeigt durch zu niedrige Bewertung. Zeigen

    Ach Schmidtchen-Schleicher,träume weiter...............

    Von ich_daddy, am Mi 25.Mrz. 16:17
  8. Kommentar nicht angezeigt durch zu niedrige Bewertung. Zeigen

    lol...was hat sich zu einer zeit von hanni und schmitt­ verändert? na dass der eine nicht mehr springt und der­ andere nicht so erfolgreich ist!!! ist klar, wenn eine­ nation in einem sport ncht gut ist wird es auch keinen­ kreischenden groupies geben. :)
    und die­ WM-Silbermedaille....also ich glaub ich würd die­ olympiamedaille höher stellen, die hat er nicht mit so­ viel glück gewonnen. natürlich wars nicht nur glück, er­ hat eine gute saison gesprungen, aber WM-Silber mit nur­ 1,5 punkten (oder so) rückstand auf gold war dann doch­ nicht sooo wahrscheinlich.

    Von Mo V, am Mi 25.Mrz. 13:19
  9. Kommentar nicht angezeigt durch zu niedrige Bewertung. Zeigen

    Mein Eindruck ist, Schmidt hat seinen Höhepunkt­ erreicht. Er sollte ans Aufhören denken - vielleicht­ kann er noch junge Springer etwas beibringen.

    Von Guenther, am Mi 25.Mrz. 12:15
  10. Gutes Interview. Der Martin Schmidt hat sicherlich alle­ Höhen und Tiefen mitgemacht und weiß wovon er spricht.­ Der Mann sollte in der Öffentlichkeit viel mehr­ gewürdigt werden, da er ein echter Kämpfer und­ Sportsmann ist. Hoffentlich erleben wir ihn nächste­ Saison wieder in einer guten Form. Ich drücke ihm die­ Daumen

    Von Oli, am Mi 25.Mrz. 11:20
  11. Interessantes Interview. Danke Eurosport. Bekommt man­ einen Einblick in Martin Schmitt, gerade wie das Ziel­ der Beste der Welt zu sein. Die Art der Äußerung ist­ sehr vielsagend. Allerdigs sind Träume Zukunft, nicht­ Gegenwart. Aber wer keine Träume (Ziele) hat, wird auch­ in der Gegenwart nichts erreichen.

    Von glaserjens, am Mi 25.Mrz. 9:49
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