EURO 2012 - Schwindelfrei in der Fallhöhe
Rund 130 akkreditierte Journalisten waren nach Berlin gekommen, zum Start des Countdowns für den europäischen Titeltraum 2012. In der imposanten Mercedes-Niederlassung saß der Bundestrainer neben seinem Manager auf dem Podium und blickte Ende Februar auf den brisanten Juni.
Aus Berlin berichtet Michael Wollny
Als das Mikrofon knackt, räuspert sich Joachim Löw kurz und holt dann noch einmal tief Luft. Man freue sich, dass man nun endlich ins EM-Jahr starten könne, erklärt der Bundestrainer. "Es wird ein Jahr der großen Chance. Nämlich die Chance, uns auf einer großen Plattform mit den besten Mannschaften der Welt zu messen. Das ist eine ganze besondere Motivation."
Dies gilt aus Sicht der Spieler zweifellos auch für das Testländerspiel am kommenden Mittwoch, wenn man in Bremen beim Prestige-Klassiker auf Frankreich trifft (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker). Löw will das Ergebnis gegen die "Equipe Tricolore" allerdings nicht zu hoch hängen, weder bei positivem noch bei negativem Ausgang. "Unabhängig von diesem Spiel sind wir bereits gefestigt. Wir wollen unsere Linie beibehalten. Die Basis wurde schon in den vergangenen zwei Jahren gelegt."
Bender im Doppelpack
Und so überrascht es auch nicht, dass der Kader für das Frankreich-Spiel keine großen Überraschungen bereit hält. Für das Mittelfeld wurde ein familiärer Doppelpack nominiert, Lars Bender von Bayer Leverkusen und sein Bruder Sven vom Deutschen Meister aus Dortmund. Als dritten Angreifer hinter Mario Gomez und Miroslav Klose hat Löw den derzeit kriselnden Stuttgarter Cacau berufen. Das Backup für Manuel Neuer wird Tim Wiese sein. Ansonsten setzt der 52-Jährige auf die üblichen Verdächtigen.
Für Experimente gibt es ohnehin keine Not. Auch Mike Hanke von Borussia Mönchengladbach steht nicht im Kader. Die Rückkehr des Stürmers war in den letzten Tagen in der Öffentlichkeit forciert worden. "Wir sind mittlerweile in der Lage, spielerisch mit den ganz Großen mitzuhalten", erklärt Löw. Dieses über die vergangenen Jahre neu gewachsene Selbstbewusstsein ist mit Blick auf die deutschen Gruppengegner bei der EM in Polen und der Ukraine sicherlich zielführend. Dänemark und vor allem natürlich Portugal und die Niederlande seien "extrem starke Mannschaften. Da wird es schon schwer, sich durchzusetzen."
Mit Leichtigkeit zum Titel
Eine Tatsache, die den Druck, der auf dem jungen DFB-Team lastet, nicht gerade mindert. Löw weiß das natürlich: "Die Erwartungen in Deutschland sind sehr hoch, deshalb ist die Fallhöhe auch höher. Aber unsere jungen Spieler sind relativ schwindelfrei und werden die Herausforderung annehmen."
Wichtig sei dazu allerdings eine unverkrampfte Einstellung. "Für uns als sportliche Leitung kommt es darauf an, eine gewisse Leichtigkeit zu vermitteln. Wenn wir mit einer spielerischen Leichtigkeit ins Turnier gehen, dann werden wir ein gutes Turnier spielen", meint der Bundestrainer und blickt nach links zu Oliver Bierhoff.
Der Manager, witzelt Löw in Anspielung auf Bierhoffs Golden Goal von 1996, habe ja Erfahrung damit. Vielleicht könne er dem Team mal erklären, wie leicht es sei, eine EM zu entscheiden.
"Nein", kontert Bierhoff. "Das kann ich ja selbst nicht erklären. Aber vielleicht könnte man ja mal bei Tschechiens Torwart Petr Kouba nachfragen."
Na also, im entspannten Humor liegt eben nicht selten der kürzeste Weg zur Leichtigkeit. Der Countdown läuft.
Das Aufgebot für das Frankreich-Spiel:
Tor: Manuel Neuer (Bayern München/25 Jahre/25 Länderspiele), Tim Wiese (Werder Bremen/30/5)
Abwehr: Dennis Aogo (Hamburger SV/25/9), Holger Badstuber (Bayern München/22/18), Jérôme Boateng (Bayern München/23/19), Benedikt Höwedes (FC Schalke 04/23/6), Mats Hummels (Borussia Dortmund/23/12), Philipp Lahm (FC Bayern München/28/85), Marcel Schmelzer (Borussia Dortmund/24/5), Christian Träsch (VfL Wolfsburg/24/10)
Mittelfeld: Lars Bender (Bayer Leverkusen/22/3), Sven Bender (Borussia Dortmund(22/1), Sami Khedira (Real Madrid/24/24), Toni Kroos (Bayern München/22/24), Thomas Müller (Bayern München/22/25), Mesut Özil (Real Madrid/23/30), Marco Reus (Borussia Mönchengladbach/22/3), Simon Rolfes (Bayer Leverkusen/30/26), André Schürrle (Bayer Leverkusen/21/11)
Angriff: Cacau (VfB Stuttgart/30/21), Mario Gomez (Bayern München/26/50), Miroslav Klose (Lazio Rom/33/113)
TV-Tipp:
Die schönsten Tore, die heißesten Duelle sowie Einschätzungen von Trainern und Spielern. Eurosport berichtet immer montags ab 17:30 Uhr in EUROGOALS über die aktuellsten Entwicklungen im Europapokal und den europäischen Top-Ligen.

Bemerkung
Kommentarfunktion ist für diesen Artikel nicht verfügbar.