Hockenheim (dpa) - Lange haftete Timo Scheider das unrühmliche Image des «Podiums-Verweigerers» an. Mit seiner Titelverteidigung im Deutschen Tourenwagen Masters hat sich der beharrliche Hesse innerhalb von zwei Jahren zum Maß der Dinge in der DTM entwickelt.
Dank Rang zwei beim Saisonfinale auf dem Hockenheimring hat Scheider gut zwei Wochen vor seinem 31. Geburtstag die Tourenwagen-Serie zweimal hintereinander gewonnen. Ein Kunststück, dass bis dato allein DTM-Legende Bernd Schneider 2001 gelungen war.
«Ich habe zwar immer an mich als Person geglaubt. Aber das hätte ich noch vor zwei Jahren absolut nicht für möglich gehalten», gestand neue Vorzeige-Pilot der DTM. «Schließlich habe ich auch schon viel Federn lassen müssen, aber das hat mir auch enorm geholfen.»
Tatsächlich hat Scheider in seiner Karriere einen langen Atem bewiesen. Als zehnjähriger Knirps im Kart entdeckte Scheider seine Begeisterung für das Rasen auf Rädern. Über Marken-Pokale und die Formel 3 schaffte er im Jahr ihrer Wiedereinführung im Jahr 2000 den Sprung in die DTM. Doch in fünf Saisons für Opel und nach einem Jahr ohne DTM-Cockpit dann in seinen ersten beiden Audi-Jahren kam er nie über Gesamtrang sieben hinaus.
Im vergangenen Jahr gelang Scheider, den für die Zukunft ein Start beim 24-Stunden-Klassiker in Le Mans reizen würde, dann doch noch der Durchbruch. In seinem 79. DTM-Rennen fuhr er im zweiten Saisonlauf in Oschersleben seinen ersten von mittlerweile fünf Siegen und am Ende den Titel ein. «Mit diesem Erfolg habe ich eine große Last abgeworfen», gesteht er im Rückblick. «Damit habe ich allen gezeigt, was ich kann. Das nimmt mir seitdem vielleicht die Angst vor Misserfolgen. Diese neue Lockerheit hat mir wohl auch geholfen, als es zu Saisonbeginn nicht so gut lief.»
Als besondere Motivation auf dem Weg zum zweiten Titel könnte auch eine Ankündigung gedient haben, die der Familienmensch vor der Saison vielleicht etwas leichtfertig gemacht hat: Im Falle der Titelverteidigung seine Verlobte Jasmin («Er kann manchmal ein unglaublicher Kindskopf sein») zu heiraten. «Das ist natürlich ein heißes Thema, jetzt stehe ich unter Zugzwang», gab Scheider am Abend vor seinem Triumph schmunzelnd zu und sagte nach dem Rennen: «Was ich in meinem Leben versprochen habe, habe ich bisher immer gehalten.»


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