Berlin (dpa) - So richtig glücklich war am Ende niemand. Für Hertha war das Ende der tiefschwarzen Serie zumindest ein Hoffnungsschimmer. Zwar konnten die Berliner auch im elften Pflichtspiel nacheinander nicht gewinnen, trotzte nach acht Liga-Pleiten in Folge Wolfsburg jedoch wenigstens ein 0:0 ab.
«Wir sind auf dem Weg. Die Mannschaft hat kapiert, worauf es ankommt. Sie hat leidenschaftlich gekämpft und defensiv endlich stabil gestanden», kommentierte Friedhelm Funkel den ersten Punktgewinn in seinem dritten Bundesliga-Spiel als neuer Hertha-Chefcoach. 90 Minuten lang hatte er vom Rand seiner Coaching-Zone seine Spieler immer wieder motiviert.
Allerdings wollte der als Retter engagierte Funkel «trotz allem» nur von einem «kleinen Schritt» sprechen: «Wir sind nicht blauäugig und schauen noch richtig auf die Tabelle.» Dort stehen die Berliner mit nun vier Punkten noch immer ganz am Ende. «Ein Punkt ist in unserer momentanen Situation eigentlich zu wenig, aber wir haben endlich wieder Fußball gespielt», erklärte Herthas Stammkeeper Jaroslav Drobny, der bei seinem Comeback nach fünfwöchiger Verletzungspause der Hertha-Defensive trotz gleich wieder sichtbar Sicherheit gab. Dabei hatte der Torwart noch immer große körperliche Probleme, musste sich während des Spiels sogar übergeben und wurde ständig mit Traubenzucker versorgt.
Drobny stand als Beispiel für den unübersehbaren Fortschritt bei den Gastgebern vor 36 799 Zuschauern im Olympiastadion: Der Biss, die Zweikampfstärke und das Kämpfen waren wieder zurück. Lange zeigten sich die Wolfsburger beeindruckt von einer kompromisslosen Hertha, die durch Gojko Kacar schon nach 45 Sekunden die Führung verpasste, später durch den überzeugenden Raffael eine große Chance vergab (38.). Und für die Adrian Ramos kurz vor Schluss den Pfosten traf.
VfL-Trainer Armin Veh wertete die Partie ohne Torjäger Grafite, der für einen einwöchigen Sonderurlaub in seine brasilianische Heimat geschickt worden ist, lange Zeit als «zu pomadig». Als sein Team in Durchgang zwei die Initiative übernahm und durch den Ex-Berliner Ashkan Dejagah (23.), Edin Dzeko (54./61.) sowie Christian Gentner (55.) gute Gelegenheiten vergab, «haben wir im Abschluss die falschen Entscheidungen getroffen», urteilte der Trainer.
Das Fehlen von Grafite, der nach seiner Formkrise in der Heimat den Kopf wieder freibekommen soll, machte Veh für die Defizite aber nicht verantwortlich. «Ich habe das ja nicht aus Spaß gemacht», sagte er zu seiner ungewöhnlichen Maßnahme und wollte keine weiteren Auskünfte geben, als in der Pressekonferenz von einem Fragesteller die Begriffe «Mimosen und Sensibelchen» für Spieler wie Grafite benutzt wurden. «Da antworte ich nicht drauf», bemerkte der Wolfsburger Trainer, verriet aber, dass er für eine Woche eine absolute Kontaktsperre zu seinem Stürmer vereinbart hatte: «Er kann ja gar nicht abschalten, wenn er mich wieder am Telefon hat», bemerkte Veh mit einem Lächeln.
Veh und seine Spieler ärgerten sich vielmehr über die verpasste Chance, mit einem Sieg den Spitzenteams der Liga näher auf den Pelz zu rücken. Zwar hat der VfB in den vergangenen fünf Partie drei Siege und zwei Remis eingesammelt, doch damit konnte Zvjezdan Misimovic wenig anfangen: «Schade. Für uns war das zu wenig. Es war eine Riesenchance, durch einen Sieg richtig oben reinzurücken.»


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