Eurosport - Fr 25.Sep. 18:50:00 2009
Das war wie Bundesliga gegen Bezirksklasse: Fabian Cancellara hat bei seiner Triumphfahrt im WM-Zeitfahren die Konkurrenz zu fast hilflos strampelnden Statisten degradiert. Auch Bronzemedaillengewinner Tony Martin war mit 2:30 Minuten Rückstand über 49,8 Kilometer in diese Kategorie zu rechnen.
"Das ist unglaublich. Da sind zwei, drei Ligen Unterschied. Man rätselt, wie hat er das wohl gemacht. Aber wenn bei jeder Superleistung gefragt wird, hat er gedopt oder nicht, macht der Sport keinen Spaß mehr. Genau wie Contador am Berg unschlagbar ist, ist es Cancellara im Zeitfahren", erklärte Martin das Phänomen des dreifachen Weltmeisters aus Bern, hinter dessen Erfolg wieder sein Teamchef Bjarne Riis als "Superhirn" steht.
Silbermedaillengewinner Gutav Larsson (Schweden/+1:27) rundete den bemerkenswerten Erfolg des dänischen Saxo-Bank-Teams ab. Riis - geständig, zu aktiven Telekom-Zeiten gedopt zu haben - platzte in Mendrisio vor Stolz aus allen Nähten. Zumal mit Cancellara auch beim Straßenrennen zu rechnen sein dürfte, wenn der 28- Jährige den Topfavoriten Alejandro Valverde (Spanien) und Damiano Cunego (Italien) das Leben schwer machen will. "Ich träume auch von Gold am Sonntag", kündigte Cancellara bereits an.
"Tolles Jahr"
Während der Medien-Jubel über Cancellara ("außerirdisch") hereinbrach, lehnte sich Martin auf der Terrasse des deutschen Teamhotels in Varese gemütlich zurück und ließ den Vortag noch einmal Revue passieren. "Das war die erste Medaille bei einer WM und ein runder Abschluss eines tollen Jahres. Die Medaille kam ein wenig überraschend, weil ich in der zweiten Runde ein bisschen eingebrochen war. Aber ich habe dann noch mal alles gegeben und war nach dem Rennen so kaputt wie noch nie", sagte der Polizeimeistert, der in Mendrisio sogar erschöpfter war als nach seinem zweiten Platz auf der Mont-Ventoux-Etappe bei der Tour de France. Sein Kreislauf machte Probleme und Martin musste sich auf den Asphalt setzen: "Ich hatte noch nie so wacklige Beine nach einem Wettkampf."
Die Schinderei hat sich für die große deutsche Radsport-Hoffnung gelohnt, nicht nur, weil die italienische Hotel-Direktion liebenswürdig und etwas holprig mit einem Plakat gratulierte: "Viele Komplimente zu Tony Martin". Bei der WM-Premiere des Zeitfahrens 1994 auf Sizilien war ein gewisser Jan Ullrich ebenfalls mit einer Bronzemedaille auf die große Bühne des Profi-Radsports getreten. Aber Vergleiche mit dem inzwischen tief gefallenen, ersten deutschen Toursieger kann Martin schon längst nicht mehr hören.
Keine Fragen bei Cancellara?
Der 24-Jährige Cottbuser, der in Eschborn lebt und mit seiner Familie kurz vor der Wende nach Hessen geflüchtet war, schaut über den Tellerrand der Branche hinaus. Auch wenn nach seiner Super-Tour mit 14 Tagen im Weißen Trikot als bester Nachwuchsfahrer und einem gut dotierten Vertrag beim Topteam Columbia bis 2012 die Bäume in den Himmel zu wachsen scheinen.
"Ich will mich trotzdem nicht in Abhängigkeit des Sportes begeben, deshalb werde ich meinen Polizeidienst nach einem zweiwöchigen Urlaub wahrscheinlich im Oktober fortsetzen. Wir werden einen Kompromiss finden, damit es mit dem Training zu keiner Doppelbelastung führt", erklärte der Beamte auf Probe, der sicher schon bald in Erfurt in seiner Dienst-Uniform bei der Regelung des öffentlichen Verkehrs besichtigt werden kann.
Die verblüffende Leistung des Super-Technikers Cancellara, der auch einmal Klient des umstrittenen Sportarztes Luigi Cecchini (wie einst Ullrich) gewesen war, feierte die "Zürcher Zeitung" fast ohne Argwohn. Sie titelte nach der Raserei mit 51,5 Stundenkilometern: "Ein Raumschiff ist unterwegs" und befand: "Das könnte durchaus den Verdacht nähren, dass es hier nicht mit rechten Dingen zuging. Gleichzeitig ist aber darauf hinzuweisen, dass die Entwicklung des Zeitfahrers Cancellara ohne Dellen und Überraschungen verlief: Vom ersten Junioren-WM-Titel 1998 bis zum Erfolg von Mendrisio."
TV-Tipp:
Der Kampf um die Medaillen und die Regenbogen-Trikots steht an: Verfolgen Sie die WM in Mendrisio ab 23. Septemberhautnah im Eurosport-TV, über den Eurosport Player und den Kampf um Gold bei den Männern auch im Live-Ticker bei eurosport.yahoo.de!
Kommentare 1 - 9 of 9
Cancellara ist genauso clean wie Contador oder Armstrong.
Der jeweilige Fan wird das glauben, andere werden es bezweifeln.
Schade, dass mittlerweile alles in Zweifel gezogen wird.
Vor 10 Jahren war das alles egal, der Fan hatte Spass am Sport.
Wenn man hier die Kommentare liest und vor allem die Bewertungen wird einem nur schlecht.
Deshalb geh ich jetzt raus, die Sonne scheint, also tret ich mein Velo ein wenig in die Kurbel.
Toll nun macht Roger 'ne Pause, weil Fabian ihm das ganze Dope wechjespritzt hat! Die kommen in der Schwiz net hinterher bei dem Verbrauch!
die radfahrer trauen sich ja nicht mal selbst über den weg also wenn wunderst dann wenn hier im Forum blöde sprüche abgezogen werden
Cancellara ist garantiert genauso sauber wie die Anderen ....Muarharharhar
ein typischer Eurosport-Bericht. Die Überschrift soll suggerieren, dass Martin Cancellaras Leistung für nicht normal hält - das ist unsauber. Ich glaube zwr auch nicht mehr an die unbeflcekten Spitzenfahrer, aber dennoch ist Yahoo mit seinen Gerüchteartikeln ganz weit vorne in der Bewerbung um den Bild-Zeitungsniveau-Award
Cancellara ist einfach der Mann mit dem Dampfhammer und der Präzision eines schweizer Uhrwerks und im Zeitfahren momentan das 'non plus ultra' !!!
aber Tony Martin gebührt allen Respekt zu seiner Leistung, er ist der vielseitigere Fahrer von beiden und seine Zeit wird noch kommen....
Ein Hinweis für alle Doping Dampf-Blubberer hier in diesem Forum;
laut noch nicht bestätigten Meldungen wird von seiten IOC ab nächstes Jahr Schweizer Käse und Toblerone auf die Doping Liste der verbotenen pharmakologisch medizinischen Präparate gesetzt......
Bjarne Riijs - dann muss der Cancellara ja sauber sein.
"das Phänomen des dreifachen Weltmeisters aus Bern, hinter dessen Erfolg wieder sein Teamchef Bjarne Riis als "Superhirn" steht."
Superhirn? hmm wenn ich an den Tour Sieg von Bjarne Riis von 1996 denke dann steckt wohl eher etwas anders dahinter.
Tony Martin ist mir viel sympathischer, der sieht nach einem Rennen wenigstens auch angestrengt aus.
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