WM in Berlin - Semenya-Empfang: "Nieder mit IAAF"

Eurosport - Di 25.Aug. 15:58:00 2009

Ovationen für Südafrikas "Golden Girl", Schelte für den Internationalen Leichtathletik-Verband IAAF: Am Kap geht die Kontroverse um den Geschlechts-Test der 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya auch nach der Rückkehr des Nationalteams weiter.

ATHLETICS 2009 Berlin 2009 800m (W) Semenya - 0

Mit Jubelgesängen und ohrenbetäubendem Vuvuzela-Getröte war die Mannschaft auf dem Flughafen in Johannesburg empfangen worden. Unter den Tausenden befanden sich auch zahlreiche Regierungsmitglieder. Die 18 Jahre alte Semenya soll sich wegen ihrer tiefen Stimme, ihres muskulösen Körpers und der Leistungssteigerung auf Verlangen des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF einem Geschlechts-Test unterziehen, was am Kap für Empörung sorgt.

Frauenministerin Noluthando Mayende-Sibiya versicherte der Läuferin die Solidarität des ganzen Landes. "Caster, wir stehen hinter Dir!" betonte sie bei der Begrüßung, die sie mit den Worten begann: "Nieder mit dem IAAF!" Ihr Ministerium habe dem Leichtathletik-Weltverband in einem Schreiben um Aufklärung für seine umstrittene Maßnahme gebeten.

Zuma betont "Missfallen"

Präsident Jacob Zuma tat wenig später Spekulationen über ihr Geschlecht bei einem Empfang als falsch und bösartig ab. "Frau Semenya hat die Welt auch an die Bedeutung des Rechts auf Menschenwürde und Privatsphäre erinnert, die alle Menschen genießen sollten", sagte Zuma, der ausdrücklich das Missfallen der Regierung über Semenyas Behandlung betonte. Sein Kabinett werde aufmerksam verfolgen, wie die Kontroverse ausgehe. Das Team war mit einer Motorrad-Eskorte zu Zuma gebracht worden, die demonstrativ aus mehreren weiblichen Polizisten bestand.

Am Flughafen hatten sich vor den Augen erstaunter Touristen turbulente Szenen abgespielt, als die Menschenmasse zur Begrüßung eine Ehrengarde der Polizei zur Seite drängte. Semenya selbst brachte sichtlich bewegt nur wenige Worte hervor. Der Vorsitzende der Nachwuchsorganisation des regierenden Afrikanischen National-Kongresses (ANC), Julius Malema, zog Parallelen zum National-Helden und Friedens-Nobelpreisträger Nelson Mandela und betonte: "Caster Semenya macht uns heute wie einst Nelson Mandela sehr stolz; und ob er (der IAAF) es mag oder nicht: Sie ist eine Frau!" Er bot der jungen Frau eine Geldspende an, um sich erst einmal zu erholen.

Wie einst Nelson Mandela

Seine Organisation werde eine Kampagne starten, um den IAAF wegen der Erniedrigung Semenyas zur Entschuldigung zu bewegen. Auch die Ex- Frau des früheren Präsidenten Mandela und Abgeordnete, Winnie Madikizela-Mandela betonte, Südafrika werde keinen Geschlechts-Test Semenyas akzeptieren. "Die können sich ihre Beleidigungen sonst wohin stecken - das ist unser Mädel und niemand wird irgendwelche Tests mit ihr durchführen", erklärte sie. Semenya sei durch Berichte "feindlich gesinnter internationaler Medien" traumatisiert, meinte der Chef des des nationalen Leichtathletik-Verbands, Leonard Chuene. Er betonte: "Wir werden es den Europäern nicht erlauben, unser Kind (Semenya) zu beschreiben und zu definieren."

Die Zeitungen am Kap widmeten der "Lady of Sport" erneut ganze Titelseiten. Geplant war nach dem Besuch bei Zuma eine Parade durch die Hauptstadt Pretoria. Die Empörung über den als unsensibel, aber auch rassistisch und sexistisch kritisierten Test hatte die Bevölkerung des Nach-Apartheid-Staates über alle Rassen- und Klassengrenzen hinweg vereint. Den Solidaritätsbekundungen und Protesten hatten sich Politiker, Kirchenvertreter, Gewerkschafter, Künstler und Sportler angeschlossen. Das Parlament am Kap hat eine Beschwerde bei der UN-Menschenrechtskommission angekündigt.

TV-Tipp:

Verfolgen Sie alle großen Leichtathletik-Events 2009 LIVE bei Eurosport, Eurosport 2 und Eurosport HD. Alle News und Ergebnisse finden Sie wie immer auf eurosport.yahoo.de.

dpa / Eurosport

Kommentare 78 - 97 of 97

Kommentare sortieren: Aktualität
  1. SEMENYA und kein Ende....die Sache ist doch nun wohl­­ von allen Seiten durchgekaut -
    es reicht. Es war ein­­ peinlicher Auftritt einer angeblichen Athletin und ein­­ untauglicher Versuch, eine kritische­­ Leichtathletikgemeinde zu verarschen. Lief­­ nicht.
    Ertappte schreien dann hinterher immer­ besonders­ laut....

    Von vor_der_wahl, am Sa 26.Sep. 12:53
  2. Es würde mich - ehrlich gesagt - erstaunen, wenn­n­ niemandem der südafrikanischen Verantwortlichen nicht­ auch schon ­ v o r der WM Zweifel an SEMENYA gekommen­ wären.
    Dazu­ sieht sie einfach zu maskulin aus und lief­ auf Anhieb­ Zeiten, mit denen man in
    Berlin gewinnen­ konnte. Zu­ diesem Zeitpunkt hätte man noch alles­ abwenden können­ -
    wollte dies aber wohl aus­ Medaillengier nicht und­ hatte auch nicht den Mumm,­
    dem Mädchen oder ihren­ Eltern reinen Wein­ einzuschenken. Also ließ man sie ins­ offene Messer­ laufen in der trügerischen Hoffnung, daß­ wohl nichts­ passieren würde. Irrtum.
    Und der Skandal­ nahm seinen­ Anfang....

    Von high_nuhn, am Fr 18.Sep. 19:58
  3. Bezeichnenderweise war sie ja auch nicht in ZÜRICH­ (eingeladen ?) - man kannte diesen
    CASTER wohl­ überhaupt nicht.? Bevor er/sie sich nicht irgendeinem­ relevanten Test
    unterzieht, wird er/ie wohl kaum­ irgendwo Starterlaubnis bekommen - höchstens da,
    wo­ Sensationsgier über Chancengleichheit siegt...

    Von tio_de_janeiro, am Sa 29.Aug. 15:14
  4. Wenn sie nichts zu verbergen hätte, wäre das Geschrei­ sicher nicht so gross. Ausserdem, wie schon gesagt, so­ kann man schön das Volk vereinen und von allem anderen­ ablenken. Haben die alle keine Augen im Kopf ??? Laufen­ in Südafrika alle Frauen mit 18 !!! Jahren so rum,­ rasieren sich täglich, haben Männerstimmen und sehen­ aus wie Bodybilder?

    Von Dietrich, am Sa 29.Aug. 9:50
  5. Vielleicht kommt der Sport in Zukunft in die­ Verlegenheit, neben Männlein und Weiblein
    ein drittes­ Geschlecht zu akzeptieren - die sich häufenden Fälle­ von gen-oder sonstwie
    manipulierten Geschöpfen...? Quo­ vadis IAAF ?

    Von vip_hup, am Do 27.Aug. 21:43
  6. Mit diesem aufgebauschten Skandal können die­ Südafrikaner hervorragend von ihrer politischen Misere­ ablenken...oder ?

    Von tio_de_janeiro, am Do 27.Aug. 19:24
  7. Die Regeln sind sehr eindeutig, alles was nicht klar­ Frau ist, darf dort nicht starten.
    Damit ist Dein­ Einwand obsolet, denn wenn es nicht klar ist, on XX­ oder XY ist es keine Frau.

    Von Ingo, am Do 27.Aug. 14:30
  8. :) ich hoffe wirklich, dass es so einfach ist.
    Kommt­ der Test eindeutig wieder, ist der Fall erledigt. Fall­ "weiblich" - dann gibts noch etwas mehr Druck­ von Südafrika, aber insgesamt werden die zufrieden mit­ der Medaille abziehen und in 3 WOchen ist Ruhe.
    Fall­ "männlich" Dann kann sich Südafrika kann sich­ auf den Kopf stellen, das dürfte die IAAF zu einer­ weiteren Entschuldigung über das wie verleiten, aber­ nicht mehr. Caster wird für die Frauen gesperrt und­ muss die madaille zurückgeben. (naja, und SA sollte­ hoffen, dass man bei Caster keine Spuren künstlicher­ Eingriffe erkennen kann ^^)
    ----
    Ich bin aber immer­ noch der Ansicht, dass der Test weder klar XX noch XY­ ergeben wird. Warten wirs mal ab ...

    Von sx5r, am Do 27.Aug. 12:51
  9. die sollten halt gleich fuer die starterlaubnis diese­ tests durchfuehren.ich durfte mal als 10 jaehriger­ nicht bei einem fussballspiel mitmachen,da mein "­ spielerausweis" gefehlt hat!!und da gings nicht­ ums geschlecht;-) sondern nur um papierkram!
    aber mal­ im ernst:muss das alles so hochgespielt werden? sie­ kann doch durch den test beweisen ob sie ne frau ist­ oder nicht.und dann kann man doch ueber den­ leichtathletikverband lachen,oder sich beschweren oder­ wie auch immer.und wenns nach hinten losgeht,hat sich­ suedafrika blamiert.aber dass die sich zuerstmal hinter­ sie stellen finde ich nicht verkehrt(vielleicht zu­ lautstark und mit zuviel rummel)denn wenn sie wirklich­ ne frau ist,wird sie wirklich nicht fair behandelt!
    und­ mal zum nachdenken:gewichtheben,kugelstossen,auch im­ tennis.. sinds wirklich frauen?optisch zum grossen teil­ sicher nicht!

    Von ichsagauchwas, am Do 27.Aug. 11:16
  10. CASTER`S Anblick und 800m-Zeit gab und gibt Anlaß zur­ Überprüfung - in ihrem eigenen Interesse und dem der­ ggfs. benachteiligten Konkurrentinnen.
    Davon zu trennen­ ist das ganze unerfreuliche Spektakel. Da ist zu viel­ Porzellan
    zerschlagen worden. Adererseits sollte sich­ aber auch Südafrika mäßigen.
    Höchste Zeit, sich an­ einen gemeinsamen Tisch zu setzen und die Sache aus der­ Welt
    schaffen.

    Von vip_hup, am Mi 26.Aug. 13:22
  11. Man kann hier definitiv über die Art und Weise wie die­ ganze Sache gehandhabt wird diskutieren,aber sicher­ nicht,dass es gemacht werden muss.Die ganze Sache hat­ sich nur so aufgebläht,weil sich die Südafrikaner so­ sehr darüber echauffieren.
    Und zu der Aufforderung zu­ Tests speziellem im Tennis--da ist es gang und gäbe.Wer­ ins Profi-Zirkus einsteigen will muss sich dem Test­ unterziehen.Die haben daraus gelernt,weil da auch mal­ ein umgebauter bei den Frauen gespielt hat.

    Nochmal­ für alle: Dies ist keine Diskussion über Rassismus oder­ sowas--das ist einfach das Prinzip der Fainess.
    Man­ kann zwar über die Regeln diskutieren,aber im Moment­ müssen sich alle danach richten,egal ob­ "weiß", "gelb" oder­ "schwarz".

    Von Hellboy, am Mi 26.Aug. 13:15
  12. Naja,ich glaube es ist nicht der Geschlechtertest an­ sich der die Gemüter erregt,sondern die­ Berichterstattung darüber....
    Da sollten sich die­ Medien und auch der Leichtathletikverband mal an die­ eigene Nase fassen..
    Wäre das ohne Tamtam über die­ Bühne gegangen und riesen Schlagzeilen müsste man nun­ nicht mit so einem aufgeblasenen Thema­ rumhantieren.
    Was einige Vergessen...und vielleicht mal­ lernen sollten...ein Mensch ist solange unschuldig bis­ ihm Schuld bewiesen wurde und das ist bei Ihr nicht der­ Fall.
    Von daher sollten einige Kommentatoren hier zum­ schämen ins tiefste Verlies und sich nochmals mit dem­ Thema Menschenrechte,Strafrecht usw befassen..ist ja­ peinlich das es noch solche Gesinnung in der heutigen­ aufgeklärten Zeit gibt.

    Von glockenschlag, am Mi 26.Aug. 8:20
  13. also ich denk, dass die Kontrolle durchaus­ gerechtfertig ist. Problem ist ja mal klar die­ indiskrete Art und Weise, wie damit umgegangen wird.­
    Was die Ergebnisse und die Implikationen angeht ... es­ gibt eine Reihe DNA-Anomalien, die folgend das­ Geschlecht nicht eindeutig zuordnen lassen (ugs­ Zwitter). Wer es kurz lesen will, schaue bei Wiki nach­ (andernfalls hab ich noch einiges an Literatur zur­ Verfügung ^^)
    Meiner Ansicht nach ist das das­ wahrscheinlichste Ergebnis der Untersuchung. Was die­ IAAF vermutlich in arge Bedrängnis bringen würde:
    Wird­ sie nachträglich disqualifiziert mit Hinweis auf­ genetisch begründete Vorteile ggü eine Frauenphysis,­ gibts von Südafrika Einspruch. Wird sie trotzdem als­ Gewinner akzeptiert, wird irgendein Verband Mokieren,­ dass sie einen Vorteil gehabt hat. Die Jungs können­ irgendwie grad nur verlieren.

    Von sx5r, am Mi 26.Aug. 0:29
  14. An Pavellic.
    Der kleine A.H-Fan ist doch erst 15.
    So­ einen Bubi nehme ich gar nicht Ernst!
    Da ich Dreimal so­ Alt bin,wie dieser kleine @#$%.

    Von ruopph, am Di 25.Aug. 23:04
  15. Das Ding hat zwei Seiten... Da ist erstmal ein junger­ Mensch, der so oder so Opfer ist. Ist Sie ein Mann, so­ wurde sie von Trainern und Funktionären brutal­ missbraucht. Keiner kann mir erzählen, dass sowas den­ Jugendtrainern nicht irgendwann aufgefallen wäre. Aus­ einfachsten Verhältnissen und 18 Jahre alt, mehr muss­ man dazu nicht sagen, die Trainer haben in der Regel­ sportwissenschaften studiert und kommen aus dem­ Bildungsbürgertum.
    Ist Sie eine Frau, so ist das ganze­ wirklich demütigend für sie und das dürfte in dem Alter­ wirklich nicht einfach sein. Sie ist also immer der­ Verlierer.
    Auf der anderen Seite steht natürlich das­ Interesse der geschlagenen Mitbewerberinen die lang und­ hart für die WM gearbeitet haben. Deren Interesse lässt­ es einfach nicht zu, ohne eine Kontrolle die Sache auf­ sich beruhen zu lassen. Die ganze Nummer hätte man­ aber, schon in Hinblick darauf, dass es sich um eine­ Jugendliche handelt, sehr leise und von der­ Öffentlichkeit unbemerkt durchführen müssen.­ Geschmacklos und absolut unangemessen finde ich über­ diesen jungen Menschen herzuziehen. Sollte sich­ herausstellen, dass sie ein MAnn ist, so sollte man­ allerdings die verantwortlichen Trainer und Funktionäre­ mit Katzensch..... bewerfen. Ist Sie eine Frau, so­ dürfte mehr als eine klägliche kurze Entschuldigung zur­ Wiedergutmachng fällig sein!

    Von Eckart, am Di 25.Aug. 22:57
  16. Wenn sie nichts zuverbergen hatt macht sie den test sie­ hatt ja nichts zuverlieren sonderen nur zu gewinnen!

    Von Cosmo, am Di 25.Aug. 20:42
  17. Der Test ist an sich völlig irrelevant. Wenn ein Mensch­ den Körper einer Frau hat, dann hat er entweder XX oder­ XY. Im zweiten Fall aber ist (vereinfacht ausgedrückt)­ das Y Chromosom deffekt, weshalb sich ja auch ein­ weiblicher Körper ausgebildet hat anstelle eines­ männlichen. Der Testosterongehalt im Körper­ unterscheidet sich demnach nicht tatsächlich von­ normalen Frauen. Nur Kinder kann man in diesem Fall­ nicht bekommen. Ich verstehe also nicht, warum diese­ Frauen plötzlich als Männer gelten sollen, die sie­ definitiv nicht sind.
    Wenn man solch einen Blödsinn­ verzapft, sollte man alle Frauen, die naturgegeben­ einen höheren Testosterongehalt im Blut haben als­ üblich (was bei vielen kräftigen Frauen der Fall ist)­ gleich mit von der Piste holen.

    Von A., am Di 25.Aug. 20:28
  18. ich finde es geschmackslos und ehrverletzend der­ semenya gegenüber wie sich die südafrikaner, just der­ rassentrennung entwachsen, darüber künstlich erregen­ das hier getestet wird. der test an sich ist doch­ selbstverständlich und objektiv notwendig. erst durch­ den südafrikanischen fingerzeig wird es zum­ affenskandal.

    Von abc, am Di 25.Aug. 19:55
  19. Also wenn ich das richtig verstehe, wenn jemand in­ seinem Pass stehen hat "Frau", dann kann das­ phänotypisch ein Usain Bolt sein, aber man darf das als­ aufrechter Feminist nicht anzweifeln weil man sonst­ ganz, ganz böse ist, richtig ? Auch wenn das eine­ schmerzlose Sache von 2 Wochen ist rauszufinden wieviel­ Usain in der Sportlerin steckt. Weil, das ist­ sexistisch. Oder so.

    Ich bin auch dafür, Schumann­ erklärt er fühlt sich nicht wohl in seinem Körper wie­ Yvonne Buschbaum, und dann startet er in London als­ Nilsine Schumann und gewinnt locker die 400, 800, 1500­ und 3000m. Klasse, die Frau, sowas brauchten wir immer­ schon.

    Von The Zonk, am Di 25.Aug. 19:32
  20. Kommentar nicht angezeigt durch zu niedrige Bewertung. Zeigen

    Mein erste und letzte Internet-Diskussion ... Das geht­ ja hier noch altmodischer zu als im wahren Leben.­ Statistisch gesehen nehmen hier wohl vor allem­ rückwärtsdenkende Menschen teil...? Tschüs

    Von meesen_2000, am Di 25.Aug. 19:24
Kommentare sortieren: Aktualität

Kein Yahoo! User? Kostenlos .