Eurosport - Fr 25.Jul. 15:18:00 2008
Nicolas Kiefer steht im Viertelfinale des Masters-Turniers in Toronto. Der 31-jährige Hannoveraner setzte sich nach hartem Kampf mit 4:6, 6:4 und 6:4 gegen den russischen Weltranglistenvierten Nikolai Dawidenko durch. In der Runde der letzten Acht trifft Kiefer nun auf den US-Amerikaner James Blake.
Wenn Nikolai Dawidenko auf der anderen Seite des Netzes steht, wissen seine Gegner stets, was sie erwartet: Nicht umsonst trägt der Russe den Beinamen "Ballmaschine", denn mit knallharter Präzision und stoischer Konstanz bringt er nahezu jeden Ball wieder zurück. Er verzieht dabei keine Miene und treibt sein Gegenüber damit zusätzlich zu Frustrationsausbrüchen.
"Habe gekämpft bis zum Umfallen"
Beliebt ist Dawidenko nicht auf der Tour und Tommy Haas hatte sich von ihm in der zweiten Runde mal wieder entnerven lassen. Doch Nicolas Kiefer gelang es, in seinem Match den Spieß umzudrehen, und die Ballmaschine seinerseits zu zermürben.
"Ich habe heute gekämpft bis zum Umfallen. Mehr ging nicht. Aber es ist eben wie beim Boxen: Es ist erst vorbei, wenn einer das Handtuch wirft. Und das kam für mich nicht in Frage. Morgen geht es weiter und bis dahin will ich wieder fit sein", sagte Kiefer erschöpft, aber glücklich, nachdem er zum dritten Mal in diesem Jahr in ein Viertelfinale einzog.
Viel Yin und ein wenig Yang
Vielleicht lag es auch ein wenig an dem Hemd, welches Kiefer trug, dass er für seinen harten Kampf und sein energisches und aggressives Spiel nach zweieinhalb Stunden doch mit dem Sieg belohnt wurde. Gemustert war es in Anlehnung an die Yin-und-Yang-Symbole aus der chinesischen Philosophie und ein wenig hatte die Partie für ihn eben von beidem, vom Licht und vom Schatten.
Zunächst mussten beide Akteure aber eine Geduldsprobe bestehen. Gegen 16:00 Uhr Ortszeit hatten sie den Platz betreten, doch die dunklen Wolken über dem Grandstand ließen nichts Gutes ahnen. Nach nur zwei Spielen mussten Kiefer und Dawidenko den Rückweg in die Umkleide antreten und dort fast drei Stunden ausharren, während der Regen unermüdlich auf die Plätze niederprasselte. Die Sonne senkte sich bereits über der Anlage, als das Match fortgesetzt wurde.
Dawidenko zunächst im Vorteil
Ein langes Abtasten sparten sie sich in ihrem vierten Duell, um jeden Punkt kämpften sie verbissen und von Beginn an auf hohem Niveau. Kiefer wirkte fest entschlossen und hielt von der Grundlinie gut mit dem ausdauernden Dawidenko mit. Eine kleine Konzentrationsschwäche führte zum Break zum 4:5, doch Kiefer ließ nicht locker. Er kam zu einer Breakchance, um die er sich allerdings selbst mit einem Vorhandfehler brachte.
Dawidenko ging in Führung und schien nach dem Break zum 2:1 im zweiten Durchgang die Kontrolle zu übernehmen. Doch Kiefer hielt weiter unermüdlich dagegen und schaffte das Rebreak zum 3:3. Zwischenzeitlich gewann beim Niedersachsen das Yang die Oberhand, wenn er mit Entscheidungen des Schiedsrichters nicht einverstanden war. Eine kam zum denkbar schlechtesten Moment, als Kiefer den dritten Satzball noch knapp an die Linie setzte, der Ball jedoch Aus gegeben wurde.
Kiefer "beißt" bis zum Schluss
Den nächsten Versuch versenkte Kiefer dann auch mit ein wenig Wut im Bauch und reckte kämpferisch die Faust empor. Das Adrenalin, die Energie des 31-Jährigen war immer mehr spürbar und entnervte Dawidenko sichtlich. Der Russe malträtierte seinen Schläger, fluchte und leistete sich plötzlich kleine Fehler. Dennoch blieb es ein Ringen um jeden Punkt und auch Kiefer musste sich weiter gegen das Yang in ihm zur Wehr setzen.
Doch er fühlte auch, dass an diesem Tag der Sieg gegen Dawidenko möglich war. Daran biss er sich fest, trieb sich an und schlug beim Stand von 5:4 zu. Erneut brachte ihm ein starker Return den Vorteil und als die Vorhand des Russen hinter die Grundlinie segelte, fiel die Anspannung von Kiefer ab und er strahlte überglücklich. Und da waren auch die kosmischen Kräfte wieder in Ordnung.
Kommentare 1 - 2 of 2
Kiwi ist zwar im Vergleich zu den ganzen youngsters nicht mehr der Jüngste, aber drauf hat er es immer noch. Kann man nur hoffen, dass er dem deutschen Tennis noch lange erhalten bleibt. Auf jeden Fall viel Glück für die Olympischen Spiele. Mal schauen, wie weit er es dieses Jahr schafft
kiwi hat#s drauf 8O). er spielt bei der us hardcourt tour häufig sehr gut, ohne verletzungen wäre kiefer ein kandidat für die top 5. er hat davydenko zum 2. mal hintereinander geschlagen nach hamburg. vom technischen potenzial ist er auch besser ausgestattet als haas!! nun muß man mal die bilanz gegen nervensäge nadal aufbessern 8O)
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