sid

Rummenigge: "Hürden werden immer höher gelegt"

Fr 25 Jul, 16:15 Uhr


(sid) Nach dem Spruch des Kartellamts zur Zentralvermarktung der TV-Rechte malt Karl-Heinz Rummenigge in Bezug auf die internationale Konkurrenzfähigkeit der deutschen Klubs ein düsteres Bild für die Zukunft. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) äußert sich der Vorstandvorsitzende von Bayern München zu den bevorstehenden Problemen.

sid: "Karl-Heinz Rummenigge, denkt der FC Bayern nach dem Spruch des Kartellamtes darüber nach, in die Einzelvermarktung einzusteigen, um international konkurrenzfähig zu bleiben?"

Rummenigge: "Ich habe es am Mittwoch gesagt, dass wir zur Zentralvermarktung stehen, und ich sage nach dem für mich nicht nachvollziehbaren Spruch des Kartellamtes: Jetzt erst recht. Würden wir als FC Bayern die Solidarität aufkündigen, wäre das für uns kurzfristig vorteilhaft, für den Fußball in Deutschland aber schädlich. Wir werden den Profifußball nicht im Regen stehen lassen."

sid: "Wenn die Einnahmen so vergleichsweise niedrig bleiben: Was ist die Alternative? Eintrittspreise erhöhen?"

Rummenigge: "Nein. Auf keinen Fall. Die Bundesliga ist ein wunderbares Produkt, und daran wollen wir nichts ändern, auch wenn woanders die Eintrittspreise doppelt so hoch sind und die TV-Einnahmen ein Mehrfaches ausmachen. Der Fan soll weiter seinen Spaß haben und nicht leiden."

sid: "Aber es gibt Probleme. Welche?"

Rummenigge: "Natürlich. Wir müssen dem Fan sagen, dass wir unter den Bedingungen, die geschaffen werden, die Champions League nicht mehr gewinnen können. Beschränkung bei den TV-Einnahmen, Wettanbieter dürfen uns nicht mehr unterstützen, jetzt geht die Politik auch auf die Brauer los: Die Hürden werden immer höher gelegt. Und irgendwann kann auch der FC Bayern sie nicht mehr überspringen."

sid: "Hören wir in ihrem Unterton eine Art von Ärger?"

Rummenigge: "Mal so gesagt: Wenn ich sehe, wie Politiker bei einer WM oder EM die Spieler und Funktionäre herzen und küssen, und dann, wenn sie gebraucht werden ist niemand da - da kommt man schon ins Grübeln."

sid: "Bleibt also die Nachwuchsförderung. Immerhin investieren Klubs, Liga und Verband aus weiser Voraussicht Millionen eben in diese Bereiche. Macht Ihnen das Hoffnung?"

Rummenigge: "Da denken Sie zu kurz. So, wie die Dinge liegen, bilden wir einen Star aus und dann kommt ein Verein mit Geld im Kreuz aus welchen Quellen auch immer, sagt Danke, und kauft ihn uns weg. Der Tag ist gekommen, wo wir der Wahrheit ins Auge sehen müssen und diese Wahrheit dem Fan mitzuteilen haben. Und diese Wahrheit tut weh. Einen Champions-League-Sieger sehe ich im deutschen Vereinsfußball angesichts der herrschenden Knebelungen in den nächsten Jahren nicht. Der Profifußball ist für viele ein dankbares Opfer. Da lassen sich öffentlichkeitswirksam Szenarien entwickeln, die in die ganz, ganz falsche Richtung laufen. Aber auch einem Sündenbock wird die Prügel irgendwann zu viel."

 

Kommentare 1 - 2 of 2

Kommentare sortieren: Aktualität | Meist bewertet
  1. Wenn der Rummenigge nicht an den CL Titel glaubt, warum legt er dann nicht seinen Job nieder und wird durch jemanden ersetzt der den CL Titel fuer Bayern moeglich macht. Bayern ist einer der reichsten Vereine der Welt, warum diese "Opferrolle"? Ist es doch gerade der FCB der den anderen die Talente abkauft und "Danke" sagt...

    Von Wolfimschafspelz, am Sa 26.Jul. 5:44
  2. egal ob zentral vermarktet wird oder nicht, die Strukturen/Satzung im deutschen Fußball sind international eben zweitklassig und auch die Vereine haben, was moderne Managementstrukturen z.B.., die internationale Vermarktung betrifft geschlafen, da eben zu viele ehemalige Fußballer in den Vereinen mitentscheiden.

    Selbst wenn ein Mehrerlös aus der Vermarktung den Vereinen zufließen würden nur die Spielergehälter steigen aber noch lange nicht die Qualität der Spieler, da man mit den großen Vereinen einfach nicht mithalten kann.

    Der Hebel müßte von der UEFA/FIFA entweder anhand von Bilanzgrößen getroffen werden oder es müßte ein Gehaltscap nach amerikanischen Vorbild eingehalten werden (Budgetobergrenzen aber unter Einbeziehung von Sponsorengelder)

    Ausserdem müßte das Geld in die Nachwuchsförderung investiert werden, denn deutsche Spieler müßten sich erst einmal national durchsetzen bevor sie im Ausland Begehrlichkeiten wecken und mehr als 6-7 deutsche "Weltklassespieler" haben noch nie gleichzeitig im Ausland gespielt.

    Aber die Krönung der Aussage von Rummenigge ist die Angst vor ausländischen "Aufkäufern" deutscher Talente, national scheint in dies nicht zu stören!

    Von michael sail, am Fr 25.Jul. 19:06
Kommentare sortieren: Aktualität | Meist bewertet

Kein Yahoo! User? Kostenlos .