dpa

China entlässt deutschen Kanu-Trainer Capousek

Mi 25 Jun, 13:14 Uhr


Peking (dpa) - Sechs Wochen vor den Olympischen Spielen hat China seinen deutschen Kanu-Nationaltrainer Josef Capousek entlassen.

Der 62-Jährige berichtete der Deutschen Presse-Agentur dpa in Peking, es habe «eine Reihe vieler kleiner Konflikte gegeben, wo auch sehr viel hinter meinem Rücken gearbeitet wurde». In seinen dreieinhalb Jahren als chinesischer Chef-Coach habe er sich kritisch mit dem chinesischen Sportsystem auseinandergesetzt und versucht, für die Sportler einiges zu verändern. «Das ganze System ist faul.» Die Funktionäre in dem riesigen Sportapparat wollten mit Gewalt schnelle Erfolge sehen, seien aber nicht bereit, sich dafür zu ändern. «Kritik in China ist nicht üblich», sagte Capousek.

Der gebürtige Tscheche hegt den Verdacht, dass mögliche Erfolge der chinesischen Kanuten bei den Olympischen Spielen in Peking einem Chinesen angerechnet werden sollen. «Das ist auch eine Überlegung.» Als Nachfolger für ihn sei ein hoher Militäroffizier berufen worden, «der fachlich keine Ahnung hat». Damit könne aber das Militär bei Olympia großes Ansehen genießen, sagte Capousek, der 14 Jahre Bundestrainer war. Unter seine Leitung hat der Deutsche Kanu-Verband (DKV) bei vier Olympischen Spielen 17 Goldmedaillen und insgesamt rund 140 Mal Edelmetall bei Welt- sowie Europameisterschaften gewonnen. Damit war «Goldschmied» Capousek der erfolgreichste Trainer des deutschen Sports nach der Vereinigung.

«Ich vermute, dass es auch ein bisschen politische Gründe sind», sagte der entlassene Chef-Coach. Vermutlich seien einige seiner kritischen Interviews auf chinesischer Seite nicht gut angekommen. «Aber das habe ich den Chinesen immer gesagt: Ich bin wie ich bin. Ich war auch in Deutschland kritisch - und wenn man kritisch ist, bedeutet das, dass man sich interessiert, dass man etwas ändern will und besser machen will», sagte Capousek. Offiziell sei ihm vorgeworfen worden, dass die Leistungen der chinesischen Kanuten zurückgegangen seien und keine Aussicht auf eine Goldmedaille bestehe. «Das ist eine absolute Lüge. Wir haben so viele Boote qualifiziert wie noch nie.»

«Die Chinesen fahren in der Weltspitze - das haben sie so noch nie erreicht.» Der Kanuverband habe sich auf einen Passus in seinem chinesischen Vertrag berufen, dass Capousek Gold holen «muss», obwohl seine Übersetzung dies nur als Ziel formuliert habe. Ihm wurde gesagt, dass der Sportminister keine Chance sehe, dass seine Kanuten eine Goldmedaille gewinnen könnten. «Deswegen werde mein Vertrag gekündigt.» Dabei habe der Kajak-Vierer der Männer eine «reelle Chance auf Gold zu fahren». Auch die Frauen hätten Chancen auf zwei Medaillen, sagte Capousek.

«Das Leben in China ist privat eine Bereicherung für mich gewesen», sagte Capousek dennoch. «Ich habe ein wunderbares Land und wunderbare Menschen kennengelernt.» Es sei ein Erlebnis gewesen, mitten im Aufbruch Chinas dabei gewesen zu sein. Nach dreieinhalb Jahren Einsatz - sieben Tage die Woche rund um die Uhr - will der Kanu-Coach nun erst mal ausspannen und Urlaub machen. «Um einen neuen Job mache ich mir keine Sorgen.»

 

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