Stuttgart (dpa) - Nach seiner Ausmusterung durch den türkischen Trainer Fatih Terim ist Yildiray Bastürk vom Fußball-Profi zum Fan geworden.
«Bisher habe ich mir die Europameisterschafts-Spiele mit Freunden zu Hause in Stuttgart angesehen, aber zum Halbfinale fahre ich auf die Fanmeile in Berlin», sagte der kurz vor EM-Beginn als türkischer Nationalspieler aussortierte Bundesliga-Profi des VfB Stuttgart der Deutschen Presse-Agentur dpa. Zum mit Spannung erwarteten EM-Halbfinale zwischen Deutschland und der Türkei am Mittwochabend wollte Bastürk in die deutsche Hauptstadt fahren - auch wenn der Stachel über die EM-Enttäuschung bei dem 29-Jährigen noch tief sitzt.
«Das ist schon sehr bitter. Ich hätte auch gerne mitgespielt, aber was soll ich machen?», sagte der im Ruhrgebiet aufgewachsene 49-fache türkische Nationalspieler, der auch einen deutschen Pass hat. Im Nachsatz konzentriert sich dann die ganze Enttäuschung: «Gerade gegen die Deutschen.»
Denn für Bastürk hätte ein Einsatz beim bisher wichtigsten Länderspiel zwischen Deutschland und der Türkei aufgrund seiner Biografie eine ganz besondere Bedeutung gehabt. «Meine Heimat ist Wanne-Eickel, dort bin ich aufgewachsen. Aber genauso ist auch die Türkei meine Heimat, denn von dort stammt meine Familie. Ich liebe die Türkei», schreibt der Einwanderersohn auf seiner Homepage.
Wie stark jedes der zwei Herzen in seiner Brust schlägt, zeigt sich bei der Frage nach dem von ihm gewünschten Ausgang des emotionsgeladenen Duells. «Ich hoffe, dass Deutschland Europameister wird», antwortete Bastürk spontan, um nur einen kurzen Augenblick später das Gegenteil zu sagen. «Ich hoffe, dass die Türkei Europameister wird.» Als er bemerkt, was er gerade gesagt hat, fügt er versöhnlich hinzu: «Ich würde es beiden gönnen.»
Dabei hätte der Mittelfeld-Techniker angesichts der großen Personalprobleme der Türken seinem Team ebenso durchaus einen Dienst erweisen können wie Halil Altintop vom FC Schalke 04. «Es ist sehr schade, gerade jetzt, da wir so viele Verletzungssorgen im Sturm haben und Halil die deutsche Mannschaft so gut kennt», sagte dessen Zwillingsbruder Hamit Altintop, der als prominentester Botschafter des deutsch-türkischen Verhältnisses in Basel für die Türkei auf dem Rasen stand. Eine außergewöhnliche Situation für den in Gelsenkirchen geborenen Bayern-Profi, in der es sportlich aber keine Zweifel für ihn gab: «Vielleicht bin ich beides - Türke und Deutscher. Aber sobald ich das Trikot trage, fühle ich diesen Patriotismus.»
Den Zwiespalt zwischen Herkunft und Wurzeln spürt auch Nuri Sahin, der beim bisher letzten Länderspiel zwischen Deutschland und der Türkei im Oktober 2005 als Nationalspieler debütierte, aber für die EM wie Bastürk und Halil Altintop von Terim nicht berücksichtigt wurde. «Ich fühle mich als Deutscher und als Türke», sagt der 19- Jährige von Borussia Dortmund. Für das EM-Halbfinale hatte Sahin vor allem einen Wunsch: «Die Leute sollten dieses Duell als Riesenchance begreifen. Es wäre schön, wenn miteinander gefeiert würde. Es muss ja hinterher auch irgendwie gemeinsam weitergehen. Ich hoffe auf ein großes Fest.»


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