Eurosport - Sa 26.Apr. 00:19:00 2008
Timo Rost ist Kapitän und "Leitwolf" bei Energie Cottbus, Enrico Kern sein Pendant bei Hansa Rostock. Beide sprechen im Doppel-Interview mit eurosport.yahoo.de über das bevorstehende Ost-Derby, den Schlussspurt im Kampf gegen den Abstieg und erklären, warum ihre Teams in der Bundesliga bleiben.
Herr Rost, waren Sie froh, dass es nach dem klaren 0:5 gegen Schalke 04 ein paar Tage zum Durchschnaufen gab wegen des DFB-Pokal-Finales?
Timo Rost: Wir haben das Spiel und unsere Leistung gründlich analysiert und sind zu der Erkenntnis gekommen, dass wir an jenem Tag keine Chance gegen Schalke hatten. Das müssen wir einfach eingestehen. Wir konnten nie an die Leistung aus den Spielen davor anknüpfen und deswegen ist dieses 0:5 für uns abgehakt. Wir konzentrieren uns jetzt voll auf das Derby am Samstag gegen Hansa Rostock...
Herr Kern, hat Hansa da trotzdem einen psychologischen Vorteil gegenüber Energie?
Enrico Kern: Das glaube ich nicht. Energie hat gegen Bielefeld seine Heimstärke gezeigt. Und außerdem hatten sie jetzt die lange Pause, um sich ganz auf das nächste Spiel vorzubereiten...
...das ja ein echtes Abstiegs-Derby sein wird. Ist die Partie eines dieser berüchtigten Sechs-Punkte-Spiele?
Rost: Absolut. Wenn man sich die Tabellenkonstellation anschaut, sieht man sofort: Wer dieses Spiel zu seinen Gunsten entscheidet, hat beste Chancen, in der Bundesliga zu bleiben. Es wird definitiv ein Sechs-Punkte-Spiel.
Kern: Nein, ich denke nicht. Wir müssen die Punkte nicht nur am Samstag holen. Auch in der nächsten Woche beim Nordderby gegen den HSV müssen wir alles geben. Das Ost-Derby ist allerdings immer etwas besonderes, vor allem, wenn es so brisant ist, wie in diesem Jahr. Es sind vielleicht die drei wichtigsten Punkte der Saison.
Das Spiel ist hochbrisant. Befürchten Sie, dass es aufgrund der schwierigen Situation, in der beide Vereine stecken, zu Ausschreitungen auf den Rängen kommen kann?
Rost: Nein, es ist in den letzten Jahren immer alles friedlich geblieben und wird auch diesmal friedlich bleiben. Das Duell soll sportlich auf dem Platz und nicht auf der Tribüne stattfinden. Die Zuschauer sollen Spaß am Derby und am Fußball haben.
Kern: Das kann man vor dem Spiel leider nicht wissen. Es wäre schade, weil dadurch auch immer der Fußball in Mitleidenschaft gezogen wird. Also hoffe ich auch, dass alles in geregelten Bahnen abläuft.
Ihre Teams haben auch im Anschluss kein leichtes Restprogramm. Wie viele Punkte braucht man, um nicht abzusteigen?
Rost: Ich denke, dass man mit 35 Punkten definitiv durch ist. 33 Zähler könnten reichen. Fatal ist eben, dass in den vergangenen Wochen alle Mannschaften, die unten drin stehen, gepunktet haben. Dadurch ist alles noch enger geworden. Vor ein paar Wochen konnte man noch davon ausgehen, dass 30 Punkte reichen würden.
Kern: Man sagt ja immer, es sind 40 oder 41. In diesem Jahr reichen wohl auch ein paar weniger, aber nicht viel weniger.
Angenommen sowohl Hansa als auch Cottbus müssten den Gang in die 2. Bundesliga antreten - was würde das für den Fußball im Osten bedeuten?
Rost: Das wäre eine Katastrophe, auch wenn es natürlich irgendwie weitergehen würde. Ich bin jetzt seit sechs Jahren hier und bilde mir ein zu wissen, was der Fußball den Menschen hier bedeutet. Es wäre unglaublich schade, wenn kein Klub aus dem Osten mehr in der Bundesliga vertreten wäre.
Kern: Darüber mache ich mir keine Gedanken. Für "was-wäre-wenn" bin ich zu positiv eingestellt.
Das wäre das Schreckensszenario, deswegen nun der positive Ausblick: Warum spielen Cottbus und Rostock auch in der kommenden Saison noch in der Bundesliga?
Rost: Weil wir es geschafft haben, die vielen neuen Spieler zu integrieren und wieder als Mannschaft auftreten. Das war zu Beginn der Spielzeit leider nicht immer der Fall, aber gerade für einen Verein wie Energie Cottbus ist es extrem wichtig, dass der Zusammenhalt da ist und wir eine Einheit sind. Und das haben wir geschafft.
Kern: Ganz einfach: Weil wir ein junges, hungriges Team sind und das Umfeld sich die erste Liga hart erarbeitet hat. Außerdem haben wir den Willen und die Einstellung bis zum Schluss zu kämpfen, um das Ziel zu erreichen.
Die Gespräche führten Stefan Zürn und Fabian Kunze / Eurospo