Peking/Neu Delhi (dpa) - Sechs Wochen nach Ausbruch der Unruhen in Tibet hat sich die chinesische Regierung zu einem Dialog mit Vertretern des Dalai Lama bereiterklärt. Peking wolle «in den nächsten Tagen» einen Dialog aufnehmen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.
Nach den mehrmaligen Bitten seitens des religiösen Oberhauptes der Tibeter wollten zuständige Abteilungen der Zentralregierung in «Kontakte und Konsultationen mit den privaten Abgesandten des Dalai Lama» treten, zitierte die Staatsagentur einen Regierungsbeamten. Ein Sprecher des Dalai Lama erklärte, das religiöse Oberhaupt der Tibeter sei grundsätzlich zu Gesprächen mit Peking bereit.
Der Regierungsbeamte in Peking bekräftigte allerdings, die Politik gegenüber Tibet habe sich nicht geändert. Chinas Regierung hoffe, dass der Dalai Lama glaubwürdige Schritte machen werde, separatistische Aktivitäten zu beenden. Er müsse auch aufhören, «zu Gewalt anzustiften» und «die Olympischen Spiele zu stören oder zu sabotieren», um die Bedingungen für die Gespräche zu schaffen, sagte der Beamte. Seit 2002 hatte es mehrere Runden von Konsultationen von Abgesandten des Dalai Lama mit der chinesischen Regierung gegeben, ohne dass aber konkrete Fortschritte erzielt worden waren.
Kurz vor der Xinhua-Meldung hatte sich EU- Kommissionspräsident José Manuel Barroso nach Gesprächen mit Regierungschef Wen Jiabao in Peking optimistisch gezeigt, dass es in der Tibetfrage «bald eine positive Entwicklung» gebe.
Der Dalai Lama ist nach Angaben seines Sprechers grundsätzlich zum Gespräch mit der chinesischen Regierung bereit. Sein Sprecher Tenzin Takhla sagte am Freitag im nordindischen Dharamsala, offiziell habe man noch keine Einladung der chinesischen Seite erhalten. Der Dalai Lama sei aber der Lösung des Tibet-Themas verpflichtet. «Und der einzige Weg, die tibetischen Probleme zu lösen, ist durch Gespräche mit den chinesischen Vertretern von Angesicht zu Angesicht und dadurch, die Beschwerden des tibetischen Volkes anzugehen.»
Der EU-Beauftragter des Dalai Lama, Kelsang Gyaltsen, sagte in einem Interview der Deutschen Welle: «Es ist uns mündlich durch private Kanäle mitgeteilt worden, dass eine Zusammenkunft vorgeschlagen wurde. Wir wissen weder den Zeitpunkt noch den Ort noch die Themen, die bei dieser Zusammenkunft besprochen werden müssen.»


