Bundesliga - Vom Nervenflattern bis zur "Stinkefaust"

Eurosport - Mo 25.Feb. 14:48:00 2008

Die Bayern werden nervös. Im Spitzenspiel gegen den Hamburger SV (1:1) offenbarte der Spitzenreiter aus München eklatante Schwächen, und Mark van Bommel brannte einmal mehr eine Sicherung durch. Positiv für die Liga: Das Titelrennen bleibt offen.

FOOTBALL 2007-2008 Bundesliga Bayern Van Bommel Altintop - 0

Ottmar Hitzfeld winkte an der Seitenlinie nur noch ab. Nicht nur einmal, sondern exakt zwölfmal. Der zum Saisonende scheidende Bayern-Coach hatte - mit Verlaub - die Schnauze gestrichen voll. Die Zielperson des Münchner Zorns, Schiedsrichter Lutz Wagner, übersah den immer wieder wild gestikulierenden Hitzfeld aber ebenso wie entscheidende Spielsituationen.

Fakt ist: Der Bayern-Einwurf, der das 1:1 von Ze Roberto einleitete (66.), hätte eigentlich für Hamburg gegeben werden müssen. "Wir haben uns auf den Schiedsrichter verlassen, prompt hat es geklingelt", klagte HSV-Keeper Frank Rost. Und: Ein Tor von Luca Toni zum 2:1 (82.) wurde nicht anerkannt. Vorher soll Mark van Bommel Hamburgs Nigel de Jong gefoult haben. Er touchierte ihn allerdings lediglich. eurosport.yahoo.de nimmt den persönlich von Bayern-Manager Uli Hoeneß ans Herz gelegten Ratschlag ("Ich sage nichts zur Schiri-Leistung, schreiben Sie einfach, was Sie gesehen haben") gerne auf: Wagner hatte definitiv einen rabenschwarzen Tag erwischt.

Vorentscheidung verpasst

Doch die Schuld für das aus Bayern-Sicht magere Remis allein beim Schiedsrichter zu suchen, wäre vermessen. Verantwortlich ist der Tabellenführer ganz allein. Das kreative Defizit war in einer körperlich intensiv geführten Partie unübersehbar. Bastian Schweinsteiger konnte den noch angeschlagenen Franck Ribery einmal mehr nicht ersetzen. Der torhungrige Angriff mit Miroslav Klose und Toni wurde kaum mit Bällen gefüttert. Das bayerische Star-Ensemble verpasste es, nach der Pleite von Werder Bremen bei Eintracht Frankfurt auf sechs Punkte davon zu preschen und somit eine Vorentscheidung im Meister-Rennen zu erzielen. "Es ist sehr ärgerlich, dass wir zwei Punkte verloren haben", resümierte Hitzfeld denn auch.

HSV-Kollege Huub Stevens formulierte dagegen Titelambitionen: "Wir haben gezeigt, dass die Meisterschaft noch nicht entschieden ist." Auch der HSV habe "noch nicht aufgegeben", erklärte der Niederländer kämpferisch. Rost formulierte das neue HSV-Minimalziel: "Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr in der Champions League spielen." Präsentieren sich die Hanseaten weiter so taktisch displiniert, gut abgestimmt, kaltschnäuzig vor dem Tor wie Ivica Olic beim Führungstreffer (60.) und zweikampfstark, dürfte dem nichts im Wege stehen.

Letztlich war es die herausragende Konzentration des HSV, die die Bayern an den Rand einer Niederlage trieb. "Wir haben eine Chance vergeben, richtig wegzuziehen", sah Hoeneß, der das überrascht registrierte: "Mit diesem Druck hat die Mannschaft offenbar Schwierigkeiten, das war schon gegen Bremen so." Auch gegen Werder waren die Bayern nicht über ein 1:1 hinaus gekommen.

Van Bommel rastet aus

Symptomatisch für Hoeneß' These: Dem 1:0 der Gäste ging ein katastrophaler "Bock" von Lucio voraus, ehe sich der Frust von Münchens Mittelfeldspieler van Bommel entlud. Er sah in der hektischen Nachspielzeit wegen einer Unsportlichkeit noch die Gelb-Rote Karte (90.+2). Der Niederländer hatte zunächst Gelb wegen Spielverzögerung kassiert und danach hämisch in Richtung Wagner applaudiert.

Was der Referee nicht sah: Hinter seinem Rücken zeigte ihm Wiederholungstäter van Bommel die "Stinkefaust"! "Das war total unnötig", schimpfte Hitzfeld, der auch eine Geldstrafe für den Mittelfeldspieler ankündigte. Zur Erinnerung: Beim letzten Mal (im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Real Madrid in der vergangenen Saison) kam van Bommel die unschöne Geste teuer zu stehen. Ein UEFA-Spiel Sperre war die Konsquenz. Gut möglich, dass sich der DFB jetzt ebenfalls einschaltet.

Am Mittwoch, beim DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Zweitligist 1860 München (20:30 Uhr im Live-Ticker), sollte van Bommel seine Nerven besser im Zaum halten...

Aus der Allianz Arena berichtet Daniel Rathjen / Eurosport