Bundesliga - Brückner: Ignorieren der Wahrheit

Eurosport - Mo 25.Feb. 17:40:00 2008

Eurosport-Kolumnist Rudi Brückner analysiert den 21. Spieltag der Fußball-Bundesliga. Er zeigt, dass Trainer-Wechsel nicht immer erfolgreich sind, spricht sich für härtere Strafen gegen "Rote-Karten-Provozierer" aus und meint, dass die Spannung in der Liga nur vorgeschoben ist.

FOOTBALL 2007-2008 Brückner Rückrundenstart - 0

Nach dem 21. Spieltag der Fußball-Bundesliga gibt es doch tatsächlich Beobachter die ernsthaft von Spannung an der Spitze sprechen. Spannung? Spitze ist der FC Bayern, das ist bekannt, aber nicht wirklich spannend. Bremen, Leverkusen, Hamburg streiten um Platz zwei und Schalke kann nur noch hoffen.

Im unteren Drittel der Liga knistert es allerdings richtig. Bielefeld tauscht bald schon wieder den Trainer, Nürnberg lernt gerade, das ein Trainer-Wechsel meistens nichts bewirkt, denn Duisburg hielt am Coach fest und hat tatsächlich wieder Anschluss. Auch Cottbus wechselte ja vor einigen Wochen den Chef auf der Bank, kommt aber unten auch nicht weg. Dreimal ein neuer Trainer, dreimal alles beim Alten.

Trainer-Wechsel kein Allheilmittel

Und doch ist es in Bielefeld am schwierigsten. Das Umfeld glaubt nicht mehr an die Arminia, die Fans singen nach der Heimniederlage gegen Duisburg "Oh, wie ist das schööön", Präsident Schwick hat Zweifel, ob Frontzeck noch der Richtige sei, nach nunmehr fünf Niederlagen. Sportdirektor Saftig geht auf Tauchstation, denn wenn Frontzeck nach dem Rostock-Spiel wieder entlassen wird, müsste Bielefeld sich auch vom Sportdirektor trennen. In so einem Durcheinander kannst du dich auf Fußballspielen nicht ehrlich konzentrieren und so spielen sie derzeit auch bei der Arminia. Kein Aufbäumen gegen den Abstieg - so steigst du sicher ab!

Und in dieser Phase herrscht bei den direkten Konkurrenten ganz andere Stimmung: Duisburg glaubt wieder an Liga eins! Rostock zeigt trotz des 0:1 in Dortmund Stabilität und vor allem Kontinuität mit Trainer Frank Pagelsdorf! Bochum scheint mit dem Sieg gegen Hannover dem Abstieg enteilt zu sein! Und gewinnt Hansa im nächsten Spiel gegen Bielefeld sind sie auch schon sechs Punkte von den Ostwestfalen entfernt. Schlechte Zeiten Arminia!

Die Wunschliste des HSV

Auch Hannover wird derzeit durchgereicht. Seit fünf Spielen kein Sieg. Trainer Dieter Hecking wird auch noch mit dem Nordrivalen HSV in Verbindung gebracht. Hamburg sucht immer noch einen Nachfolger für Huub Stevens, warum also nicht Hecking?

96 hat in der nächsten Partie Nürnberg zu Gast. Club-Trainer von Heesen wäre wahrscheinlich auch gerne derzeit lieber auf der Wunschliste des HSV. Unerfreulich an diesem 21. Spieltag waren die Platzverweise von Diego und van Bommel. Dass nur Diego vorzeitig gehen musste und der Frankfurter Kyriakos weiter spielen durfte, liegt wieder einmal die unsinnige Regelauslegung zugrunde, dass nur die Reaktion, aber nicht auch die Aktion bestraft wird. Schiedsrichter Fleischer ahndete nur den Ausraster des Bremers. WM-Finale-"Sünder" Zidane lässt grüßen. Wann schickt ein Schiedsrichter endlich Aktion und Reaktion vom Platz?

Bayern bleibt Spitze

Dumm allerdings die gelb-rote Karte vom Bayernspieler Mark van Bommel. Auch wenn er sich ärgerte, schon sein höhnischer Beifall zu Schiedsrichter Lutz Wagner war zu viel. Sein Team hat er damit für den Schalke-Auftritt geschwächt.

Aber Ribery kann ja wieder gestalten und dann bleibt Bayern weiter unangefochtene Spitze, noch wilde 13 Spieltage lang! Und immer wieder werden Beobachter versuchen von Spannung an der Spitze zu frohlocken. Wunsch hat eben viel mit Ignorieren der Wahrheit zu tun

Rudi Brückner / Eurosport