Sydney (dpa) - Der olympische Fackellauf ist in der australischen Hauptstadt Canberra trotz 20 000 Demonstranten auf den Straßen reibungslos über die Bühne gegangen.
Regierungstreue Chinesen in roten T-Shirts und mit roten Fahnen waren den wenigen hundert Tibet- Aktivisten zahlenmäßig haushoch überlegen. Außerhalb des abgesperrten Parcours lieferten sich beide Gruppen hitzige Wortgefechte, die nach Angaben von Tibet-Freunden in aggressiven Rempeleien endeten. Ungestört blieb dagegen ein Himmelsschreiber, der mit seinem Flugzeug eine Rauchfahne mit den Worten «Freies Tibet» an den blauen Himmel malte. Der nächste Fackellauf ist am 26. April in Japan.
Ein Demonstrant sprang über die rund ein Meter hohe Barriere entlang der 16-Kilometer-Strecke und setzte sich aus Protest mitten in den Weg des Fackelläufers. Er wurde sofort von Polizisten an die Seite geschleift. Die Polizei nahm sieben Menschen fest. Ein Sprecher der Stadtverwaltung sprach von einem «Erfolg auf der ganzen Linie. Das wichtigste ist, dass die Fackel nie in Gefahr war.»
«Ich bin stolz, Australier zu sein», sagte John Coates, Präsident des olympischen Komitees. Die Australier ließen nach langen Debatten drei chinesische Fackelwächter mitlaufen. Die andernorts durch rüpelhaftes Benehmen in die Kritik geratenen Männer in den blauweißen Trainingsanzügen sollten zuerst in einen Bus verbannt werden. Dagegen hatte jedoch die chinesische Delegation protestiert.
Tibet-Aktivisten beschwerten sich später bitter über aggressive Chinesen. Alistair Paterson (52), der mit seiner siebenjährigen Tochter und einem Tibetplakat gekommen war, wurde nach eigenen Angaben umgerissen und getreten. «Diese Rowdys haben uns einfach überrannt», sagte er dem «Sydney Morning Herald». Marion Vecourcay wurde ihr Tibetschild aus der Hand gerissen. «Sie haben uns richtig angebrüllt und eingeschüchtert», sagte sie. In Australien studieren mehr als 70 000 Chinesen. Sie machen fast ein Viertel der ausländischen Studenten aus. Tausende waren den Aufrufen im Internet gefolgt, nach Canberra zu kommen und die Fackel zu beschützen.
Beim Fackellauf im japanischen Nagano sollen Auftakt- und Abschlusszeremonie nach neuesten Sicherheitsanweisungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Die Fackelträger sollen zudem von 100 Sicherheitsbeamten umringt werden. Zuschauer dürften kaum eine Chance haben, die Fackel zu sehen, zitierte die Agentur Jiji-Press den Organisator.


