Serie A - Prandelli: "Milan oder Juve - sonst keiner"
Im Spitzenspiel der Serie A erwartet Tabellenführer AC Mailand den Verfolger Juventus Turin. Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli spricht im Eurosport-Interview über die besondere Bedeutung des Spiels, die Entwicklung des italienischen Fußballs und gibt einen Tipp ab, wer den "Scudetto" holt.
Das Interview führte Stefano Bernabino
Cesare Prandelli, am Wochenende treffen der AC Mailand und Juventus Turin im Spitzenspiel der Serie A aufeinander. Erleben wir die Vorentscheidung im Kampf um die Meisterschaft?
Cesare Prandelli: Aus meiner Sicht ist es zu früh, von einer Vorentscheidung zu sprechen. Milan und Juve werden bis zum Saisonende um den Titel kämpfen, da sie die größte Kontinuität in ihrem Spiel haben. Wir erleben in dieser Saison eine faszinierende Serie A, und der Titelkampf wird bis zum Ende völlig offen bleiben.
Wie bewerten Sie die Arbeit von Antonio Conte in Turin? Er hat den Klub erst im vergangenen Mai übernommen und spielt nun um den "Scudetto".
Prandelli: Conte macht einen fantastischen Job. Innerhalb kürzester Zeit hat er den Geist, den er einst als Juve-Kapitän versprühte, an seine Mannschaft weiter gegeben. Es ist ihm gelungen, seine Spieler vom Projekt Juventus Turin zu überzeugen.
Milans 4:0-Sieg über Arsenal in der Champions League war eine wahre Macht-Demonstration. Was macht die "Rossoneri" derzeit so stark?
Prandelli: Viele sagen, dass Milan von der individuellen Klasse seiner Spieler abhängig ist. Da muss ich widersprechen: Das Team hat in den letzten zwei Jahren tolle Spiele abgeliefert und gute Resultate erzielt. Dafür benötigt man eine Mannschaft mit einer taktischen Philosophie, die in ihrer Gesamtheit funktioniert. Die letzten Auftritte in der Champions League haben deutlich gezeigt, dass Milan nicht nur über gute Einzelspieler, sondern auch über eine gute Organisation verfügt.
Welche taktischen Ausrichtungen erwarten Sie von den zwei Teams im Spitzenspiel?
Prandelli: Es wird ein sehr ausgeglichenes Spiel werden. Milan wird das Tempo niedrig halten und auf Ballbesitz aus sein, während Juventus das Spiel bei jeder Gelegenheit schnell macht. Der Schlüssel zum Sieg wird im Umschalten von Defensive auf Offensive liegen.
In den letzten Wochen standen oftmals die Rasenplätze in Italien im Mittelpunkt, die den Winter nicht gut verkraftet haben. Welche Auswirkungen kann der schlechte Belag haben?
Prandelli: Wir spielen in veralteten Stadien, auf Plätzen, die wesentlich besser sein könnten und keinen spektakulären Fußball zulassen. Ich bin von der hohen Qualität des italienischen Fußballs überzeugt, doch dafür muss die Grundlage stimmen. Wir müssen Rasenplätze haben, auch im Winter, auf denen ein spektakulärer Fußball gespielt werden kann.
Wie hat sich die Serie A aus ihrer Sicht in den letzten Jahren entwickelt?
Prandelli: Die Klubs rücken vom "Catenaccio" ab. In der Vergangenheit standen teilweise Teams auf dem Rasen, die nur auf ein Unentschieden gespielt haben. Sie wollten gar keine Tore schießen, dabei kam dann natürlich langweiliger Fußball heraus. Diese Einstellung hat sich geändert. Die Mannschaften spielen auf Sieg, sie wollen sich beweisen und den Gegner in Bedrängnis bringen. Diese Einstellung ist der Weg zum Erfolg.
Wer ist Ihr Favorit auf den Meistertitel? Wird es vielleicht eine Überraschung geben, ein Team, das momentan niemand auf dem Zettel hat?
Prandelli: Milan und Juventus werden den Titel unter sich ausmachen, die Chancen für jeden stehen bei 50 Prozent. Ich sehe kein Team in der Serie A, das den beiden noch in die Quere kommen kann.
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