Eurosport - Sa 24.Jan. 13:58:00 2009
Francisco Copado, 34, heute SpVgg Unterhaching, gestern noch TSG Hoffenheim, spricht im zweiten Teil des großen Exklusiv-Interviews mit eurosport.yahoo.de über die Titelchancen seines Ex-Vereins, Starallüren, Auswärtsspiele in Emden - und die Ziele mit seinem neuen Verein in der 3. Liga.
Wir sitzen hier im Fanshop von Unterhaching. Haben Sie Ihr Trikot schon ausgemacht?
Francisco Copado: Keine Ahnung, ob es schon da ist. Es ist ja das erste Mal, dass ich wieder hier drin bin.
"Haching - mein Verein" steht auf diesem Kinder-Trikot. Das Motto trifft auch auf Sie zu.
Copado: Stimmt, das passt schon sehr gut. Schließlich habe ich schon einmal fünf Jahre hier gespielt. Und jetzt bin ich wieder zurück - eine Herzensangelegenheit.
Wie fühlt es sich, erneut das Haching-Trikot zu tragen?
Copado: Ich freue mich, wieder in München zu leben. Außerdem ist es etwas Besonderes, für den Verein meines Schwiegervaters (Schatzmeister Anton Schrobenhauser, Anm. d. Red.) zu spielen. Es war eine Selbstverständlichkeit, dass ich noch mal helfe. Ich hoffe, dass ich Erfolg mitbringe.
Was hat sich in der Zwischenzeit verändert?
Copado: Außer der Mannschaft nicht viel, ansonsten ist alles beim Alten geblieben.
Sie wissen aber auch, dass Sie jetzt zehn Stunden mit dem Bus zum Spiel nach Emden fahren müssen.
Copado: Das nimmt man in Kauf, wir haben hier ein Ziel vor Augen. So weit ich aber gehört habe, fliegen wir nach Emden.
Mit Auf- und Abstiegen kennen Sie sich aus. Wieso wechseln Sie nach 2006 - damals von Frankfurt nach Hoffenheim - schon wieder von der Bundes- in die Dritte Liga?
Copado: Ich habe mit der TSG das errreicht, was ich mir vorgenommen habe. Diese Saison habe ich leider nicht mehr so oft gespielt. Außerdem waren wir wohl zu oft hier in München, meine Frau hatte zu viel Heimweh. Da habe ich überlegt: Soll ich meinen Vertrag aussitzen, auch wenn die Erfolge da sind? Es hat mich nicht mehr gejuckt. Deswegen habe ich mir überlegt: Wo kann ich noch weiterhelfen? Wo kann ich noch mal was versuchen? Da kam mir die Spielvereinigung natürlich entgegen.
Aber umsonst spielen Sie nicht, wie zu lesen war?
Copado: Eines ist sicher: Viel Geld werde ich hier nicht mehr verdienen, das habe ich in den letzten Jahren. Jetzt versuche ich zu helfen. Es geht ja auch nicht nur um den Fußballer Copado, sondern auch um die Zeit danach.
Wie und auf welcher Position können Sie helfen?
Copado: Das wird sich zeigen. Es war eigentlich angedacht, dass ich ganz vorne spiele. Durch den Ausfall von Ricardo Villar aber ist ein Loch im Mittelfeld entstanden, das werde ich erstmal ausfüllen. Auf dieser Position habe ich die letzten Jahre auch gespielt und genügend Tore geschossen.
Ihr Vertrag läuft nur bis Saisonende. Machen Sie einen weiteren Verbleib vom Aufstieg abhängig?
Copado: Es kommt darauf an, wie ich mich fühle, ob ich noch Lust empfinde und der Mannschaft helfen kann. Das Schöne ist, dass ich mich in einer Position befinde, in der ich das selbst entscheiden kann.
Was kommt nach der aktiven Zeit?
Copado: Mit Sicherheit habe ich mir Gedanken gemacht, ich werde bald 35. Was danach kommt, weiß ich schon ganz genau: Ich werde auf jeden Fall eine Rolle im Verein übernehmen. Welche das ist, werde ich noch bekannt geben. Jetzt ist erstmal der Fußballer Copado gefragt.
Ist Haching Ihr letzter Verein?
Copado: Definitiv. Es gibt keinen Grund für mich, noch woanders hin zu wechseln.
In Haching sind Sie der Star, in Hoffenheim saßen Sie zuletzt nur auf der Bank.
Copado: Es geht nicht darum, ein Star zu sein. Ich war es damals auch nicht, als ich nach Hoffenheim kam. Wichtig ist, dass eine Mannschaft funktioniert, und daraus entwickeln sich die Spieler, die die entscheidenden Sachen machen.
Eine gewisse Freiheit brauchen Sie aber schon, oder?
Copado: Ich habe einen Trainer, der Fußball spielen will und Fußball spielen lässt. Jeder kann in der Vorwärtsbewegung machen, was er will. Wenn wir den Ball haben, werde ich meine Freiheiten bekommen und mein Spiel so spielen, wie ich denke - so habe ich meine besten Spiele gemacht. Wenn der Gegner den Ball hat, muss sich jeder an Regeln halten und gut gegen den Ball arbeiten.
Welche Dinge würden Sie, die Sie in Hoffenheim vorgefunden haben, in Haching sofort einführen?
Copado: Das ist unmöglich, dafür hat Haching die finanziellen Möglichkeiten nicht. Hoffenheim verfolgt eine andere Philosophie. Der Verein ist sehr professionell und sehr weit entwickelt. Es gibt kaum Parallelen zu beiden Vereinen. Deswegen denke ich nicht darüber nach.
Hat Sie der Erfolg der Hoffenheimer überrascht?
Copado: Dass es so schnell in die Bundesliga ging, hat alle überrascht. Als ich kam, wollten wir sofort in die zweite Liga und mit einem Überbrückungsjahr dann in die Bundesliga aufsteigen - das war das Konzept.
Haben Sie jetzt nicht das Gefühl, dass Sie was verpassen? Mit Hoffenheim hätten Sie Deutscher Meister werden können.
Copado: Hätte, wenn und aber - das begleitet mich meine ganze Karriere. Ich war aber nie ein Spieler, der nach dem Wenn gefragt hat. Ich wünsche den Jungs, dass sie den maximalen Erfolg haben, aber meine Aufgabe ist jetzt die Spielvereinigung. Darüber mache ich mir Gedanken. Wenn Hoffenheim Deutscher Meister wird, habe ich meinen Beitrag geleistet und werde mich eben als halber Deutscher Meister fühlen.
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