Australian Open - Duell Federer gegen Djokovic perfekt

Eurosport - Do 24.Jan. 05:20:00 2008

Der "König" trifft auf einen seiner Thronanwärter: Der Schweizer Roger Federer setzte sich in einem hochklassigen Match gegen den US-Amerikaner James Blake 7:5, 7:6 (7:5), 6:4 durch und trifft nun im Halbfinale der Australian Open auf Djokovic, der David Ferrer ausschaltete.

TENNIS 2008 Australian Open Federer R. - Blake J. - 0

Gegen den 20-jährigen Serben erwartet Federer ein enges Match: "Es wird darauf ankommen, wer den besseren Tag erwischt."

Gegen den selbstbewussten Blake musste "König" Federer sein bestes Tennis auspacken, um die 15. Halbfinalteilnahme bei einem Grand-Slam-Turnier in Folge klar zu machen und wehrte so auch den drohenden Verlust seiner Spitzenposition ab. Am kommenden Montag wird der Australian-Open-Sieger von 2004, 2006 und 2007 in der 209. Woche nacheinander das Ranking anführen. Hätte Federer die Runde der letzten vier verpasst und Rafael Nadal das Turnier gewonnen, wäre er seinen Nummer-eins-Status an den dreimaligen French-Open-Champion losgeworden.

"Ich habe dieses Gerücht auch gehört", scherzte Federer in der voll besetzten Rod Laver Arena nach seinem achten Sieg im achten Vergleich gegen "Lieblingsgegner" Blake. "Es war ein gutes Match, sehr unterhaltsam für die Zuschauer und es hat Spaß gemacht. Das ist meist so, wenn ich gegen James spiele. Ihm liegt mein Spiel einfach nicht, aber er ist immer gefährlich, selbst wenn er hinten liegt. Daher war ich froh, dass mir ein paar starke Schläge in diesem tollen Tiebreak gelungen sind. Ich bin froh, dass ich ihn bezwingen konnte und es ist schön, wieder im Halbfinale zu stehen. Ich bin zufrieden mit meinem Spiel und ich freue mich auf das Wochenende", sagte der Weltranglisten-Erste nach dem Match.

Gleich zu Beginn zeigte Blake, dass er sich nicht mit der Rolle des Außenseiters zufrieden geben wollte. Der US-Amerikaner verlor zwar gleich sein erstes Aufschlagspiel, konterte aber und nahm dem Schweizer Ausnahmespieler dessen Service ab. Es entwickelte sich eine regelrechte "Breakschlacht" - beide Spieler hatten mehrere Möglichkeiten, dem Kontrahenten das Service abzunehmen. In der Folge gewann das Aufschlagspiel von Federer und Blake an Sicherheit. Beim Stand von 5:5 glaubten die meisten Zuschauer in der Rod Laver Arena schon an einen Tiebreak, doch Federer hatte etwas dagegen: Der 26-Jährige überraschte Blake mit einem aggressiven Return-Spiel, servierte im Anschluss souverän und sicherte sich so Durchgang eins.

Breaks und Diskussionen

Der zweite Satz begann wieder mit Breakchancen in Hülle und Fülle. Federer nutzte die erste Möglichkeit, Blake zog sofort nach. Auffällig war die fehlende Ruhe, die ansonsten das Spiel des Weltranglisten-Ersten auszeichnet. Zudem brachten sich beide Spieler immer wieder mit Diskussionen über die Entscheidungen des Schiedsrichters aus der Konzentration. Auch im Tiebreak agierten Federer und Blake auf Augenhöhe. Der Schweizer zog schnell auf 5:2 davon, ehe Blake auftrumpfte und bis auf 5:6 herankam - es reichte aber nicht ganz.

In Durchgang zwei sah alles nach einem Schnelldurchgang aus: Federer nahm seinem 28-jährigen Gegner gleich zwei Mal das Service ab und führte schnell 4:1. Blake kam mit einem Break zwar noch einmal auf 4:5 heran, bei eigenem Aufschlag ließ "König" Federer aber nichts mehr anbrennen.

Djokovics Präzision

Djokovic demonstrierte von Beginn an Tennis der Extraklasse. Der 20-Jährige verteilte die Bälle geschickt und spielte beinahe fehlerlos. Und das schlug sich auch im Ergebnis nieder: Der Serbe nahm seinem Gegner drei Mal in Folge den Aufschlag ab und holte sich den ersten Satz nach nur 23 Minuten mit 6:0.

Im zweiten Durchgang sahen die Zuschauer in der Rod Laver Arena zunächst eine ausgeglichene Partie - bis zum fünften Spiel. Dann kassierte Ferrer ein erneutes Break und konnte dies auch nicht mehr wettmachen. Zwar spielte die Nummer fünf der Welt nun deutlich aggressiver, doch gegen das präzise Grundlinienspiel seines Gegners fand war kein Kraut gewachsen. Dieses Mal brauchte Djokovic allerdings schon 40 Minuten, um sich den Satz zu sichern.

Ferrer wehrt fünf Matchbälle ab

Und die Djokovic-Show ging weiter. Auch im dritten Durchgang diktierte der Rechtshänder aus Belgrad zunächst das Geschehen. Ein Break zum 3:2 sorgte dann für die Vorentscheidung. Der Spanier stemmte sich zwar gegen die drohende Niederlage - konnte fünf Matchbälle abwehren - musste sich letztendlich aber nach zwei Stunden und 14 Minuten geschlagen geben. Für Djokovic ist es die erste Halbfinal-Teilnahme bei den Australian Open.

"Ich bin sehr froh über mein Spiel, auch wenn ich zum Ende etwas in Schwierigkeiten geraten bin. Ich wurde so nervös, dass ich beinahe noch einen dritten Satz riskiert hätte. Wer weiß, in welche Richtung es dann gegangen wäre, denn er ist einer der fittesten Spieler auf der Tour, beim dem man bis zum letzten Punkt konzentriert bleiben muss. Daran muss ich arbeiten, aber mit meiner Leistung in den ersten beiden Sätzen bin ich sehr zufrieden", resümierte der Serbe seinen Auftritt, der ihm die erste Halbfinalteilnahme bei den Australian Open sicherte.

Armin Schlicht / Stefan Zürn / Eurosport