Baden-Baden (dpa) - Strahlende Gesichter, bewegende Rückblicke und ein paar kritische Fragen: Am Ende eines Jahres mit vielen Doping-Schlagzeilen sind die deutschen «Sportler des Jahres» Magdalena Neuner, Fabian Hambüchen und die Handball-Nationalspieler in Baden-Baden stürmisch gefeiert worden.
Der Turnfloh, die Biathlonkönigin und die Weltmeister von Bundestrainer Heiner Brand hatten sich bei der traditionellen Umfrage unter 1300 Sportjournalisten durchgesetzt. «Die Auszeichnung ist uns sehr viel wert», sagte Neuner. Unverständnis - allerdings nur hinter vorgehaltener Hand - gab es an der Verleihung des «Sparkassenpreises für Vorbilder im Sport» an Heike Drechsler.
Die Weitsprung-Olympiasiegerin von 1992 und 2000 wurde als «Identifikationsfigur für junge Sportler» ausgezeichnet. Dass sich die in Karlsruhe lebende Thüringerin bis heute vor einem klaren Bekenntnis zu ihrer Dopingvergangenheit in der DDR drückt, hatte 2007 bereits in der Leichtathletik-Szene für Diskussionen gesorgt und beinahe ihren Einzug in die Frauenkommission des Weltverbandes IAAF verhindert. Auch vor den 700 geladenen Gästen im Kurhaus nutzte Drechsler die Chance nicht, sondern warb hölzern für die Aktion «Deutschland bewegt sich» ihres Arbeitgebers, einer Krankenkasse, und des übertragenden Fernsehsenders ZDF.
«Ich glaube, es war ein gutes Sportjahr», sagte Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), auf die listige Frage von Moderator Rudi Cerne, ob es denn ein gutes oder ein schlechtes Jahr für den deutschen Sport gewesen sei. «Es war auch ein gutes Sportjahr, weil es im Kampf gegen das Doping ein paar reinigende Gewitter gegeben hat.»
Wie der Blitz scheint die Liebe beim «Sportler des Jahres» eingeschlagen zu haben: Fabian Hambüchen hielt während des ganzen Abends Händchen mit seiner Freundin Victoria und gab ihr noch einen innigen Kuss, bevor der 1,63 Meter große Reck-Weltmeister im schwarzen Anzug auf die Bühne schritt. Der Abiturient aus Wetzlar bekam die Trophäe von seinem Lehrer des Sport-Leistungskurses überreicht und hatte die Lacher schnell auf seiner Seite. «Zu 90 bis 95 Prozent» verdanke er die Erfolge seiner Familie - «auch wenn ich gestern im Training mit meinem Vater gestritten habe. Danke an alle!»
Später verriet Hambüchen, dass seine Mutter den familiären Frieden wieder hergestellt habe: «Sie hatte keinen Bock auf ein Wochenende mit zwei grummeligen Sturköpfen». Ob der kleine Gerätekünstler auch zu Hause der große Star ist? «Ne, der bringt auch den Abfall nach draußen», erklärte Beate Hambüchen den 700 geladenen Gästen im Saal und den 4,31 Millionen Fernsehzuschauern.
Hambüchen lag bei der von der Internationalen Sportkorrespondenz (ISK) zum 61. Mal organisierten Wahl deutlich vor dem dreifachen Tischtennis-Europameister Timo Boll und Basketball-Profi Dirk Nowitzki. Die dreifache Biathlon-Weltmeisterin Magdalena Neuner gewann vor Diskuswerferin Franka Dietzsch und Fußball-Torhüterin Nadine Angerer. «Es kam alles hintereinander weg, es ist oft überhaupt keine Verschnaufpause», berichtete die 20-Jährige aus Wallgau über ihr turbulentes Jahr.
In 16-köpfiger Besetzung waren die siegreichen Handballer erschienen, um sich noch einmal für ihr «Wintermärchen» feiern zu lassen. Ein vorbildliches Auftreten: Im vergangenen Jahr hatten sich die deutschen Fußballer nach ihrem «Sommermärchen» mit einer Rumpfmannschaft bei der Gala blamiert. «Ich habe nasse Hände gekriegt, obwohl ich das schon 30 oder 40 Mal gesehen habe», sagte Heiner Brand mit Blick auf die Leinwand. Zweite wurden die Fußball- Weltmeisterinnen vor den Handballern des Champions-League-Gewinners THW Kiel.
Die Höhner ließen dann mit dem WM-Schlager «Wenn nicht jetzt, wann dann» die Handball-Weltmeister noch einmal hochleben. Da standen alle im Saal und Katrin Müller-Hohenstein riss ihren Partner Cerne auf der Bühne sogar zu einem Tänzchen mit. Das Moderatoren-Paar hatte als Nachfolger von Wolf-Dieter Poschmann und Kristin Otto einen glänzenden Einstand gegeben, weil es stets im richtigen Moment zurücktrat, um den «Sportlern des Jahres» den Vortritt zu lassen.



