Footballer Vollmer mit New England in London

Fr 23.Okt. 11:13:26 2009

Boston (dpa) - Von Boston gen Osten, von New England auf die Insel: Das Gastspiel der National Football League (NFL) im Londoner Wembley-Stadion gegen die Tampa Bay Buccaneers wird für die New England Patriots eine Reise in die Vergangenheit.

Sebastian Vollmer kommt seiner Heimat so nah wie lange nicht mehr. Der 25 Jahre alte Left Tackle aus Kaarst war seit anderthalb Jahren nicht mehr daheim. Doch wegen des stramm durchorganisierten Zeitplans der Patriots bleibt auch diesmal keine Zeit für einen Abstecher an den Niederrhein. «Das ist ja schließlich kein Urlaub. Aber meine Familie kommt zum Spiel, darauf freue ich mich», meinte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Nach seinem gelungenen Debüt als Starter beim 59:0-Rekordsieg gegen die Tennessee Titans kann sich Vollmer erneut Hoffnungen auf einen Einsatz von Beginn an machen. Denn der etatmäßige Left Tackle, Matt Light, fiel die komplette Woche wegen einer anhaltenden Knieverletzung aus. «Vollmer ist der Mann der Zukunft auf dieser Position. Er ist ein Riese, hat eine gute Technik und ist sehr athletisch», lobte Scott Zolak die «German Wall».

Zolak war von 1991 bis 1998 der Quarterback der Patriots und hat jetzt eine tägliche Radioshow beim Bostoner Sender «98.5 The Sportshub». Und hier wurde in den vergangenen Tagen eifrig über Sinn oder Unsinn des England-Abstechers diskutiert. Zum dritten Mal in Serie gastiert die NFL in Wembley. Commissioner Roger Goodell hofft nach wie vor, dadurch den Sport in Europa populärer zu machen und träumt sogar langfristig von einem NFL-Team auf dem alten Kontinent. Der Zuschauer-Zuspruch gibt ihm Recht - erneut waren die mehr als 70 000 Karten in knapp zwei Stunden vergriffen.

Patriots-Quarterback Tom Brady reiste ohne seine Ehefrau, das brasilianische Model Giselle Bündchen, nach London. Schließlich sei es ein Business-Trip, so der 32-Jährige. «Ich plane ohnehin nicht das Hotel zu verlassen. Das mit dem Linksverkehr dort ist viel zu gefährlich. Und dann habe ich erfahren, dass die für ein Pfund gleich 1,60 Dollar haben wollen - das ist Wucher», meinte Runningback Laurence Maroney, der bislang nur Stempel aus der Karibik in seinem Reisepass hat.

Das Patriots-Team ist gegen die bislang noch sieglosen Bucaneers aus Florida klarer Favorit und will im dritten Anlauf endlich den ersten Auswärtssieg der Saison. Während Coach Bill Belichick betonte, dass er weder die Geschichte des Wembley-Stadions, noch irgendeinen Verein aus der englischen Premier League kenne, weiß Vollmer ganz genau um die Historie von Englands heiligem Fußball-Tempel. «Als Deutscher dort zu spielen ist natürlich immer etwas Besonderes.»

 

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