Buschschulte: "Tägliche Razzien"

Eurosport - Di 23.Okt. 13:22:00 2007

Die deutsche Weltklasse-Schwimmerin Antje Buschschulte hat in einem Interview mit der Zeitung "Die Welt" härteres Vorgehen gegen Dopingsünder im Schwimmsport gefordert. "Am allerbesten fände ich regelmäßige Razzien", erklärte die Weltmeisterin von 2003 in Barcelona über 100 Meter Rücken.

SWIMMING 2007 World Champs Antje Buschschulte - 0

Sie wäre auch vollkommen damit einverstanden, wenn die Beamten ihre Sachen durchwühlen würden, zeigte sich die 28-Jährige offen für "harte Bandagen". Dabei baut Buschschulte vor allem auf die abschreckende Wirkung unangekündigter Kontrollen. "Ich lasse mich lieber ein bisschen mehr kontrollieren, auch wenn es meine Persönlichkeitsrechte einschränkt, als dass ich alle persönlichen Freiheiten habe und um mich herum gibt es Betrüger", erläuterte die Magdeburgerin.

Mit dieser Meinung steht sie zurzeit noch relativ allein auf weiter Flur, doch wäre es sicher nicht nur für den Schwimmsport förderlich, wenn die breite Masse aller Athleten so denken würde. "Gerade vom Sport erwartet man doch, dass er ein Vorbild für die Jugend darstellt und ein faires Miteinander repräsentiert. Wenn es so weitergeht, möchte ich nicht mehr Teil des Ganzen sein", fügte die erfolgreichste deutsche Schwimmerin der letzten Jahre hinzu.

"Ich habe wieder Biss"

Abschiedsgedanken vom Leistungssport hatte sie bereits gehegt, nachdem sie im August ihre Diplomarbeit in Neurobiologie beendet hatte. Weiter schwimmen oder ein ordentlicher Einstieg in den Beruf seien ihre Alternativen gewesen. Zur Freude ihrer Fans entschied sie sich, ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Peking, für ersteres. "Mittlerweile habe ich wieder mehr Biss bekommen. Ich habe mit den Wissenschaftlern in Leipzig an meiner Technik gefeilt und hoffe, dass sich das in den Zeiten bemerkbar macht."

Einen ersten Eindruck von der neuen Technik bekam die Konkurrenz beim Weltcup im südafrikanischen Durban, wo sich Buschschulte in toller Form präsentierte und über 50m sowie 200m Rücken siegte. Nun will sie ihren Fokus voll auf Peking 2008 richten. Allerdings lässt sich die Dopingproblematik mit Sicht auf das Großereignis nicht von der Hand weisen.

"Wenn ich das Gefühl hätte, dass neben mir in Peking auf der Startbrücke nur noch Leute stehen, die mit unsauberen Mitteln arbeiten, würde mir der Sport gar keinen Spaß mehr machen." Ein durchaus nachvollziehbarer Gedanke. Den deutschen Schwimmsport zumindest sieht die Athletin im Kampf gegen verbotene Leistungsförderer aber "auf einem guten Weg".

Es gebe den Athletenpass und das Einfrieren von Blutproben, doch das gesamte Abmeldeverfahren sei verbesserungswürdig, "es ist sehr kompliziert". "Wünschenswert wäre ein einheitliches System zwischen NADA, WADA und dem Weltverband FINA. "Und ich hoffe, dass die Substanzen getestet werden, die aktuell sind. Sonst nutzen die ganzen Tests nichts."

Tobias Hlusiak / Eurosport