Marathon-Pionierin in Berlin dabei

Fr 23.Sep. 16:40:00 2011

Wenn es am 19. April 1967 in Boston nicht geschneit hätte, würde es diese Geschichte wohl nicht geben. Dick eingemummelt, mit Handschuhen, Wollmütze und warmem Trainingsanzug steht Kathrine Switzer am Marathon-Start. An einem Sommertag wäre sie wohl schon vor dem Rennen aufgeflogen.

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Weil Frauen damals nicht zugelassen sind, läuft sie beim legendären Boston-Marathon halb-inkognito als K. V. Switzer - die Startnummer hat zuvor der Trainer abgeholt. Als der Renndirektor den Frevel vom mitfahrenden Pressebus bei Kilometer vier entdeckt, lässt er anhalten und macht sich daran, die "Schwarzläuferin" zu beschimpfen und aus dem Rennen zu schubsen.

Das misslingt jedoch, da ihr Freund Tom Miller, ein 115 Kilo schwerer Diskuswerfer, den aufgebrachten Renndirektor aus dem Weg räumt. Switzer entkommt - die Bilder gehen um die Welt, die junge Frau ist plötzlich berühmt.

"Mit dieser Aktion habe ich damals die Laufwelt verändert. Zum Glück gab es damals Fotos", sagt die TV-Journalistin heute, gut 44 Jahre danach. Sie war als erste Frau offiziell einen Marathon gelaufen und revolutionierte in den kommenden Jahren das Ausdauerlaufen überhaupt.

Sie kämpfte gegen engstirnige Funktionäre und rannte gegen Vorurteile an, nicht zuletzt gegen die Befürchtung, dass Frauen beim Joggen möglicherweise die Gebärmutter herausfallen könne. "Es war unglaublich, was ich da anfangs durchgemacht habe", erzählt die New-York-Siegerin von 1974 heute mit einem Schmunzeln.

Erster Start in Berlin

Kathrine Switzer organisierte in den vergangenen 40 Jahren über 400 Läufe in 27 Ländern für über eine Millionen Frauen. In den 80er-Jahren brachte sie den Kosmetikkonzern Avon dazu, sich für Frauenläufe zu engagieren - seit 1984 gibt es auch in Berlin diese spezielle Laufserie. Beim größten Marathon Deutschlands erlebt die unermüdliche Marathon-Oma am Sonntag ihre Premiere, inmitten ihrer Lauf-Enkelinnen, denen sie den Weg bereitet hat.

"Ich möchte gern unter fünf Stunden laufen und Spaß haben", sagt die inzwischen 64 Jahre alte Switzer. Dass in Zukunft Weltrekordzeiten von Frauen bei gemischten Rennen nur noch als Weltbestzeiten angerechnet werden sollen, hält sie für "crazy." Das sei der Weg zurück.

Ihren Weg vom Lauf 1967 in Boston bis zur Olympia-Premiere des Frauenmarathons 1984 in Los Angeles hat sie in der Autobiografie "Marathon Woman" niedergeschrieben. Das Buch wurde jetzt auch ins Deutsche übersetzt, mit der treffenden Unterzeile: "Die Frau, die den Laufsport revolutionierte". Sie war eine Vorläuferin. In Berlin startet sie mit Nummer F 50 - ganz offiziell unter 9.503 Frauen.

Michaela Widder / dapd

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