Eurosport - Sa 23.Aug. 14:32:00 2008
Die Zeit der Tyrannei unter ihrem Ex-Coach hat Anna-Lena Grönefeld endlich hinter sich gelassen und kämpft sich mit kleinen Schritten zurück auf die Tennistour. Bei den US Open spielte sie sich mit überzeugenden Leistungen ins Hauptfeld, es wartet nun ihr erster Härtetest
Der erste Blick fällt auf das Offensichtliche, obwohl es nicht das Wesentliche ist. Anna-Lena Grönefeld ist immer noch um einiges kräftiger, als sie es für einen austrainierten Tennisprofi sein sollte. Ein knappes Jahr war sie von der großen Tennisbühne verschwunden, doch die mittlerweile 23-jährige Nordhornerin wirkt bei ihrem Comeback dennoch positiv verändert: Selbstbewusst und zielstrebig geht Grönefeld auf den Nebenplätzen von Flushing Meadows zu Werke, kämpft sich mit drei überzeugenden Leistungen ins Hauptfeld der US Open. Viel wichtiger aber bleibt jedoch der Eindruck, dass das Tennisspielen ihr wieder sichtlich Spaß macht.
"Ich bin sehr zufrieden mit Annas Leistung", befand ihr Trainer Dirk Dier, "und ich bin sehr stolz auf sie. Sie ist auf dem richtigen Weg und wieder heiß aufs Spielen." Noch vor einem Jahr war nur schwer vorstellbar, dass es Grönefeld so schnell wieder in die Erfolgsspur schaffen würde. Denn zu tief schienen die seelischen Verletzungen, die sie während der Zusammenarbeit mit ihrem Ex-Coach Rafael Font de Mora erlitten hatte. Der Spanier tyrannisierte sie mit überhartem Training und strikter Gewichtskontrolle, zudem isolierte er Grönefeld von ihrer Familie und ihrem Umfeld, formte sie zu einem Menschen, der funktionierte und gehorchte. Stetig bläute er ihr ein, dass sie ohne ihn nichts sei, es ohne ihn niemals so weit nach oben geschafft hätte, da ihr Talent schließlich nur begrenzt sei.
Schmerzhafte Trennung vom "Schleifer"
Bis auf Rang 14 der Welt hatte sie Font de Mora in drei Jahren mit seinen äußerst umstrittenen Methoden buchstäblich getrieben, der Preis, den Grönefeld dafür zahlte, war jedoch zu hoch. 2006 folgte die schwierige Trennung vom "Schleifer", der sie auch noch in einen Rechtsstreit verwickelte. Die Abnabelung war ein langwieriger und äußerst schmerzvoller Prozess, Grönefeld reagierte darauf mit extremem Leistungsabfall und Gewichtsproblemen.
Noch bei den French Open vor einem Jahr verlor sie die Fassung und das Match, als der Spanier in der Box ihrer Gegnerin auftauchte und diese vehement und demonstrativ anfeuerte. In Wimbledon geschah ähnliches. Immer wieder brach sie in Tränen aus, Font de Mora hatte ihr förmlich den Boden unter den Füßen weggezogen, ihr jegliches Vertrauen in sich und andere Menschen genommen. "Ich bin froh, dass ich da raus bin. Irgendwann werde ich darüber hinwegkommen", hatte sie damals gesagt.
Kleine Turniere fürs Selbstvertrauen
Ob sie es inzwischen tatsächlich ist, weiß sie nur selbst, sie wirkt zumindest wesentlich gefestigter und oft huscht in den letzten Tagen sogar ein unbedarftes Lächeln über ihr Gesicht, wenn ihr ein Punktgewinn gelingt. Immer wieder sucht sie den Blickkontakt zu Dier, er hat sie behutsam wieder aufgebaut und auf das Comeback vorbereitet. "Ich habe versucht, ihr zu vermitteln, dass Tennis etwas Schönes ist und Spaß macht", erklärte Dier. Die mehrmonatige Pause sei sehr wichtig für sie gewesen, fügte er hinzu.
Erst im Mai dieses Jahres kehrte Grönefeld auf die Tour zurück, spielte kleine Turniere und sammelte mit Siegen in Zlin, Alkmaar und Perigueux neues Selbstvertrauen. Innerhalb weniger Wochen arbeitete sie sich von Rang 436 auf 142 hoch, die Bilanz von 30:4 Siegen bei nur acht Turnieren kann sich sehen lassen. Was diese Statistiken wert sind, wird sich allerdings wohl erst zeigen, wenn Grönefeld nun im Hauptfeld von New York antritt. Auch der Rummel um ihre Person wird dann wieder ansteigen, wie weit sie den schon verkraften kann, bleibt abzuwarten.
"Wir müssen Geduld haben"
Bisher mochte sie sich noch nicht äußern, lieber sollten ihre Leistungen die Antwort geben. Und dabei blieb festzuhalten, dass Grönefeld ihren Biss bereits wiedergefunden hat. Mit ihrem für Damentennis ungewöhnlichen harten Aufschlag und den vor allem schnellen, agggressiven Grundschlägen ist sie dem Gros der Konkurrentinnen deutlich überlegen. Die noch mangelhafte Beinarbeit wird sich spätestens dann bessern, sobald der "Kummerspeck" völlig abgebaut ist.
Inwieweit ihre Form schon ausreicht, um mit den Topspielerinnen wieder mithalten zu können, muss sie gleich in ihrer ersten Runde beweisen. Dort wartet mit der Slovakin Daniela Hantuchova die Nummer elf der Setzliste auf Grönefeld. Doch wenn es nach Dier geht, so muss sein Schützling nichts überstürzen. Dass sie sich willig durch die kleinen Turniere und auch durch die Qualifikation "durchgebissen" habe, sei schon ein Erfolg und habe ihn beeindruckt. "Man sieht einfach, dass sie wieder will. Aber man kann einfach nichts erzwingen. Wir müssen Geduld haben."
Kommentare 1 - 2 of 2
Annalena ist für mich immer noch die beste deutsche Sopielerin-vom Potential her.
Ich freue mich sehr, dass sie es in dieses große Turnier geschafft hat und bin sicher, dass sie in absehbarer in die Top 70 zurückkehrt.
tja wenn das anna lenchen einen auf andre agassi macht der sich von den chsllenger abstürzen bis auf die nummer 1 zurückgekämpft hat, dann auf geht's 8O)
como un vino que mejora con los anos
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