Eurosport - Do 23.Aug. 14:16:00 2007
Eurosport.yahoo.de-Experte Kalle Riedle analysiert den Auftritt der deutschen Nationalmannschaft in England und wirft einen Blick auf das aktuelle Bundesliga-Geschehen.
Hallo Fußball-Freunde,
2:1 in England - und das mit einer Mannschaft, die viele Ausfälle zu verkraften hatte und so noch nie zusammengespielt hat. Das ist viel mehr als jeder erwartet hat. Nicht nur der Sieg, sondern auch die Art und Weise hat mir gefallen. Die deutsche Mannschaft agierte nach dem Anfangsdruck sehr konzentriert und mutig, auch wenn die Engländer am Schluss die eine oder andere gute Chance vergeigt haben.
Lahm - ein Multifunktionsspieler
Philipp Lahm hat auch in ungewohnter Rolle vor der Abwehr sehr gut gespielt Aber es zeichnet Philipp ja aus, dass er vielseitig einsetzbar ist. Durch seine Technik, seine Schnelligkeit und seine Spielintelligenz ist er auf den Außenpositionen oder im defensiven Mittelfeld wertvoll und ein richtiger Multifunktionsspieler. Für Jogi Löw ist es eine wichtige Erkenntnis, dass er auf dieser Position mit Lahm eine weitere Option hat.
Ein Matchwinner war auch Christian Pander. Der Schalker hatte am Anfang Mühe, sah vor dem Gegentreffer nicht gut aus, aber wenn man sich dann mit so einer "Keule" wie zum 2:1-Siegtreffer in den Winkel einführt, erübrigt sich der Rest. In meinen Augen hat er sich nach seinem Fehler kontinuierlich gesteigert, so dass sein Einstand mehr als gelungen ist.
Als positives Fazit sehe ich auch, dass die deutsche Mannschaft mittlerweile einen so guten - auch in der Breite - Kader hat, dass man auch ersatzgeschwächt gegen große Gegner bestehen kann.
Rauhe Zeiten für McClaren
Am Anfang waren die Engländer sehr couragiert, sind marschiert und erspielten sich mit dem Übergewicht auch die verdiente Führung. Doch danach riss der Faden, wenn man England auch zu Gute halten muss, dass mit Wayne Rooney und Steven Gerrard zwei prägende Spieler gefehlt haben.
Aber es ist trotzdem nicht das England, das man eigentlich kennt. Wenn man gegen eine so dezimierte deutsche Mannschaft im eigenen Land verliert, wird es auf der Insel schnell ungemütlich. Da wird es lichterloh brennen, auch weil die Engländer in der EM-Qualifikation nicht wie gewünscht dastehen. Die Luft für den ohnehin in der Kritik stehenden Bruce McClaren wird immer dünner.
Bundesliga: HSV setzt klares Signal
Das Thema van der Vaart war der große Aufreger in der Bundesliga. Ich finde es gut, dass der HSV ein klares Signal gesetzt hat. Der Verein hat, da kann der Spieler Druck machen wie er will, am Ende die Entscheidungsgewalt.
Dann muss man abwägen, ob es Sinn macht für alle Seiten, den Spieler zu halten. Ich bin sicher, dass van der Vaart sich auch jetzt voll für Hamburg einsetzen wird, wie er das ja schon gegen Leverkusen bewiesen hat.
Kein Durchmarsch der Bayern
Die ersten zwei Auftritte der Bayern waren schon sehr überzeugend. Es wird sicher auch schwer für die Konkurrenz, dem unheimlich starken Kader der Bayern über eine Saison gesehen Paroli bieten zu können. Doch an einen Durchmarsch glaube ich nicht, da wird es in München hier und dort auch mal krachen.
Den HSV hatte ich ja bereits bei meiner Saisonvorschau als mögliche Überraschungsmannschaft auf dem Zettel. Jetzt sind die Hamburger optimal gestartet. Doch ob sich der HSV auf Dauer da oben festsetzen kann, muss man abwarten. Da muss schon auch künftig alles stimmen, keine Verletzungen oder Formkrisen der Leistungsträger, ähnlich wie es letztes Jahr für Stuttgart gelaufen ist.
Dolli braucht einen Sieg
Es knistert in Bremen und Stuttgart, aber da ist die magere Ausbeute mit den vielen verletzten Leistungsträgern zu erklären. Etwas heikler ist die Situation für Dortmund, wo es für meinen Freund Thomas Doll sicher nicht einfach ist. Zwei Niederlagen - das ist ein klarer Fehlstart. Ganz wichtig ist jetzt ein Sieg, um wieder Ruhe rein zu bringen, dann führt der Weg auch wieder nach oben. Ich drücke dem Dolli jedenfalls beide Daumen.
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Kalle Riedle / Eurosport