Tour de France - Doppeltes Duell in Grenoble

Sa 23.Jul. 08:43:00 2011

Die Alpen sind überquert, doch die Tour ist noch nicht entschieden. Am vorletzten Tag der Frankreich-Rundfahrt wartet in Grenoble noch ein 42,5 Kilometer langer Kampf gegen die Uhr, der die Frage nach dem Gesamtsieger der 98. "Grande Boucle" beantworten soll.

Tour de France - Evans gegen Schleck

Nach der Jagd durch die Alpen steht der Tag der Entscheidung an. Auf dem schweren Kurs rund um die Alpen-Großstadt Grenoble wird der Kampf um das Gelbe Trikot zum letzten Mal bei der diesjährigen Tour beginnen. Kann Andy Schleck das "maillot jaune", welches er auf dem Weg nach L’Alpe d’Huez eroberte, verteidigen oder holt Cadel Evans zum finalen Schlag aus?

Ein großer Vorteil für den Australier könnte die Tatsache sein, dass er auf genau dem gleichen Kurs bereits während dem Critérium du Dauphiné ein Einzelzeitfahren bestritt. Bei wechselnden Bedingungen belegte Evans mit 1:20 Minuten Rückstand auf Tagessieger Tony Martin (HTC) den sechsten Platz.

Evans im Zeitfahren zu stark?

Evans gilt als der beste Zeitfahrer unter den Favoriten. Die große Frage lautet aber, wie viel Zeit der BMC-Kapitän auf Andy Schleck gutmachen kann. In einer ähnlichen Situation befand sich Evans schon 2008, als er nach den Alpen einen Rückstand von knapp anderthalb Minuten auf Carlos Sastre aufwies. Im abschließenden Zeitfahren trauten ihm viele Experten den Sieg zu, doch der Australier schwächelte und musste sich - wie bereits 2007 - mit dem zweiten Platz zufrieden geben.

Der 33-Jährige geht mit 57 Sekunden Rückstand auf Andy Schleck in den Kampf gegen die Uhr, dessen Bruder Fränk ebenfalls noch vier Sekunden vor dem Australier rangiert. Der zweite Luxemburger gilt aber als schwacher Zeitfahrer und kann nur darauf bedacht sein, seinen Podestplatz abzusichern. Fränk Schlecks Vorsprung auf die Verfolger um Thomas Voeckler (Europcar), Samuel Sanchez (Euskaltel) und Alberto Contador (Saxo Bank) dürfte unter normalen Umständen ausreichend sein. Vor allem Letzterer könnte aber mit einem starken Zeitfahren noch zur Gefahr werden. Bereits bei seinem Toursieg 2009 deutete Contador seine Klasse im Kampf gegen die Uhr am Lac d'Annecy an, als er Fabian Cancellara (Leopard) ebenfalls in der dritten Tour-Woche in die Schranken wies.

Martin gegen Cancellara um den Tagessieg?

Während zwischen den Favoriten noch einmal der Sekundenkampf entbrennt, werden die Zeitfahrspezialisten auf den Etappensieg schielen. Cancellara und Martin wollen am vorletzten Tag der Tour noch einmal ihr Können zeigen und dürften auf dem hügeligen Kurs kaum zu schlagen sein. Seit den Pyrenäen lief die Tour vor allem für den Deutschen, der eigentlich eine Top-Ten-Platzierung in Paris anstrebte, alles andere als gut. Nun strebt der Eschborner zumindest noch seinen ersten Etappensieg bei der Tour an: "Da liegt der ganz große Fokus drauf", meinte Martin schon vor den Alpen.

Doch sein Kontrahent Cancellara wird ihm den Sieg nicht auf dem Silbertablett servieren. Zwischen dem vierfachen Weltmeister im "Contre la Montre" und Martin entbrannte bereits im letzten Jahr ein harter Kampf um den Sieg im Abschlusszeitfahren. Der Schweizer hatte am Ende der drei Wochen noch die meisten Reserven und holte sich zwischen Bordeaux und Pauillac mit 17 Sekunden Vorsprung den Sieg.

Cancellara wird deutlich früher als Martin auf die Strecke gehen. Der Deutsche, der in diesem Frühjahr Paris-Nizza gewann, wird bei den Zwischenzeiten nach 15 und 27,5 Kilometern erste Anhaltspunkte erhalten, wie er im Vergleich zu "Spartakus“ im Rennen liegt.

"Man kann viel Zeit verlieren oder gewinnen"

Ein Zweikampf wird erwartet, doch die Strapazen der drei Wochen könnten auch für eine Überraschung sorgen. Der selektive Kurs kann für einige Fahrer zur bösen Überraschung werden. "Das Zeitfahren zum Schluss kann für manche extrem schwierig sein, denn der Umstieg direkt von den Bergen auf die Zeitfahrmaschine ist ein Problem. Andere werden sich freuen: Man kann dort schon viel Zeit verlieren oder gewinnen", so Jan Ullrich, der im Kampf gegen die Uhr oft groß auftrumpfte.

Als weiterer Favorit für den Kampf gegen die Uhr gelten der Brite David Millar (Garmin), der das abschließende Zeitfahren beim Giro d’Italia für sich entschied. Nicht zu unterschätzen sind in Grenoble unter anderem aber auch der US-Amerikaner Levi Leipheimer (Radioshack), sowie der Italiener Adriano Malori (Lampre).

Tour de France - Stage 20

TV-Tipp:

Mehr Live geht nicht: Eurosport präsentiert die Tour de France wie gewohnt in ausführlichen Live-Übertragungen. Verfolgen Sie die große Schleife im TV, über den Eurosport Player oder im Live-Ticker bei eurosport.yahoo.de!

David Petri / Eurosport

Bemerkung

Kommentarfunktion ist für diesen Artikel nicht verfügbar.