2. Bundesliga - Schwick bleibt Arminen-Präsident

Eurosport - Di 23.Jun. 15:53:00 2009

Farce statt Neuanfang: Auf einer turbulenten Jahreshauptversammlung hat es der tief gespaltene Zweitligist Arminia Bielefeld nicht geschafft, sich auf einen neuen Präsidenten zu einigen. Notgedrungen hängt der eigentlich zurückgetretene Hans-Hermann Schwick noch einmal zwei Jahre dran.

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Es bleibt also praktisch alles beim Alten am Ende der von Tumulten überschatteten Veranstaltung. "Ich wollte hier eigentlich nach 19 Jahren in Würde abtreten und den Staffelstab an junge Gesichter weitergeben", sagte der 61-Jährige nach seiner überraschenden Wiederwahl in der Bielefelder Stadthalle fassungslos. "Was hier passiert ist, ist kein gutes Aushängeschild für Arminia."

Nach dem siebten Bundesliga-Abstieg und internen Querelen wirkte die fünfstündige Mammut-Veranstaltung wie schlechtes Provinztheater. Ein Hauptdarsteller: Klaus Daudel, zuletzt im Arminia-Aufsichtsrat und mit der ostwestfälischen Wirtschaft im Rücken. Er galt schon als designierter Präsident.

Mit unbedachten negativen Äußerungen über die einflussreiche Fanvereinigung "Kritische Arminen" hatte sich der Unternehmensberater aber selbst diskreditiert. Für Daudel wurde der Abend zum Spießrutenlauf: Er musste sich wüste Beschimpfungen aus den Reihen der 2135 versammelten Mitglieder anhören. Der 63-Jährige schmiss entnervt hin und schimpfte bei Radio Bielefeld: "Für diesen Pöbel trete ich nicht mehr an. Das tue ich mir nicht an."

Obermann wie Kai aus der Kiste

Gegenspieler Daudels war Dirk Obermann, der Kandidat der "Kritischen Arminen". Der 48 Jahre alte Finanzmanager schien sich erst von seiner Anwartschaft zurückziehen zu wollen ("zum Wohle eines Konsenses im Verein"), kam dann doch angeheizt von der revolutionären Stimmung im Saal wie Kai aus der Kiste zurück, um sich frenetisch vom Publikum feiern lassen. Am Ende erklärte dann aber auch er nach einer internen Besprechung zwischen beiden Lagern leise seinen Verzicht.

Als einzige mehrheitsfähige Lösung erwies sich am Ende der "alte" Präsident. "Vielleicht, weil ich eine gewisse integrative Kraft bin in diesem Verein", meinte Schwick. Allerdings bekamen er und der neue Restvorstand nur 904 Ja-Stimmen, 865 Mitglieder votierten gegen ihn. "Wir müssen als Arminen jetzt alle zusammenstehen, um so schnell wie möglich in die Bundesliga zurückzukehren", appellierte Schwick. Weitere bekannte Gesichter im neuen Vorstand sind Andreas Mamerow und Albrecht Lämmchen. Neu sind Frank Kottmann als Vizepräsident und Jochen Willmann, beides Kandidaten der "Kritischen Arminen".

"Dass ich jetzt irre froh bin, kann ich nicht behaupten"

Für den Fall eines Neuanfangs hatten ostwestfälische Unternehmen wie Oetker, Schüco und Gerry Weber Unterstützung in Millionenhöhe in Aussicht gestellt. "Das Ergebnis ist im Prinzip keins. Dass ich jetzt irre froh bin, kann ich nicht behaupten", sagte der 65-jährige August Oetker. Er ließ eine finanzielle Förderung offen. "Was mein geplantes Engagement in der Jugendarbeit angeht, das stelle ich mir nach wie vor vor", erklärte der Chef des Lebensmittelkonzerns. Durch die Interimslösung sei "zumindest Kontinuität gewahrt, jetzt müssen die nächsten Schritte für einen Neuanfang folgen".

Schwick träumte in seiner "Abschiedsrede" zu Beginn des Abends noch davon, dass der Club künftig mit diesem Geld "einen ähnlichen Weg wie Hoffenheim" gehen könnte. "Was aus dem angekündigten Engagement nun wird, weiß man nicht. Der Sponsorenvorschlag war eindeutig Daudel", räumte Kottmann ein. Seinen Angaben zufolge hätte bei einem Wahlsieg Daudels schon am (heutigen) Dienstag ein Trainer präsentiert werden können.

Fehlt noch ein Trainer

Wann Bielefeld nun einen Coach findet, ist weiter offen. Laut Schwick ist die Entscheidung für einen bestimmten Trainer nicht abhängig von der Zusammensetzung des Vorstands. "Das hat damit nichts zu tun, das ist völlig losgelöst", sagte Schwick der dpa. Der Präsident schloss nicht aus, dass die Suche noch ein paar Tage dauert. Womöglich komme der Trainer erst nach dem für Donnerstag geplanten Trainingsauftakt. Zuletzt galt der Ex-Schalker Mirko Slomka als aussichtsreicher Kandidat. Doch der äußerte sich nebulös: "Wenn am Donnerstag das Training beginnt, sieht es danach aus, als würde ich es nicht leiten", sagte Slomka dem "Westfalen-Blatt".

dpa / Eurosport

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