Eurosport - Mo 23.Jun. 16:28:00 2008
Wer hat im Juni seine "Hausaufgaben " gemacht, wer muss "nachsitzen"? eurosport.yahoo.de nimmt die Tour-Favoriten unter die Lupe:
Die "Generalproben" sind absolviert - doch der Weg bis Paris ist noch weit: Erst in knapp fünf Wochen steht der Sieger der 95. Tour de France fest. Wie ist die Form der Favoriten auf das Podium beim Saisonhöhepunkt nach den Auftritten bei Tour de Suisse und Dauphiné Libéré tatsächlich einzuschätzen?
Sehr gut bis zu gut:Mit einem eindrucksvollen Sieg bei der Dauphiné hat Alejandro Valverde seine Ansprüche auf den Tour-Sieg untermauert: Ob im Zeitfahren, im Sprint bergan oder im Hochgebirge - der Spanier glänzte überall. Die große Frage bleibt, ob er nicht schon zu früh seine Topform erreicht hat und sich eventuell in der schweren Schlusswoche der Tour de France schon wieder auf dem absteigenden Ast befindet.
Gleiches gilt für den Triumphator der Tour de Suisse: Roman Kreuziger wollte sich in der Schweiz eigentlich "auf die Tour vorbereiten", hängte dabei aber die komplette Konkurrenz ab und stellte fast erschrocken fest: "Ich bin schon in Topform." Die Geschichte zumindest spricht nicht gerade für die Sieger der letzten Rundfahrten vor der Tour: Außer Lance Armstrong (2001-2003) gelang es in den letzten 25 Jahren nur Miguel Indurain (1995), einem solchen Erfolg auch den Gewinn des Gelben Trikots folgen zu lassen.
Perfekt im Plan: Cadel Evans überzeugte sich und alle Beobachter nach Knieproblemen mit seinem starken Auftritt in Südostfrankreich. Zwar könnte auch für ihn die Gefahr der Frühform gelten, doch im Vorjahr bewies er, dass er sich nach Platz zwei bei der Dauphiné durchaus noch steigern kann. Sowohl im Kampf gegen die Uhr als auch auf den Bergetappen zeigte er sich offensichtlich noch nicht am Ende seiner Möglichkeiten.
Auch Damiano Cunego, Vierter der Tour de Suisse, scheint sich im idealen Fahrplan Richtung "maillot jaune" zu befinden: "Valverde und Evans sind schon top, ich bin noch dabei, mich zu steigern", erklärte der Italiener. Ähnlich dürfte auch das Fazit von Andy und Frank Schleck ausfallen: Die beiden Luxemburger fuhren stark und ohne seinen Sturz hätte Frank wohl in Bern auf dem Podium gestanden.
Auch Kim Kirchen kann eigentlich mit seiner körperlichen Verfassung zufrieden sein, aber ein schwarzer Tag beim Bergzeitfahren trübte die Bilanz. Der Rückschlag kam nicht unerwartet: "Ich weiß, dass ich auch in Frankreich einen schlechten Tag haben werde." Bei der Dauphiné unterstrichen derweil die Spanier Haimar Zubeldia und Mikel Astarloza mit Plätzen unter den Top Ten, dass sie auch in Paris wieder zu den zehn besten Fahrern gehören könnten. Gleiches gilt für Cyril Dessel, der sich als heißer Anwärter auf den Platz des besten Franzosen bei der Tour präsentierte.
Luft nach oben: Vielversprechend läuft der Formaufbau bei Markus Fothen, der sich in der Schweiz mit einem Etappensieg Selbstvertrauen holte, in den Bergen aber noch etwas Rückstand zur Konkurrenz aufwies. Wenn er im Zeitfahren wieder die Klasse zeigen kann, die er in dieser Disziplin bei der Bayern-Rundfahrt vermissen ließ, kann er in Frankreich einen einstelligen Platz ins Visier nehmen.
Der Rückstand von Carlos Sastre (20. der Dauphiné) hingegen dürfte manche Fans am Tour-Vierten von 2007 zweifeln lassen. "Ich bin auf dem richtigen Weg", beruhigt er hingegen alle Kritiker. Dafür spricht zumindest, dass er im Vorjahr als 19. der Tour de Suisse auch nicht gerade Bäume ausgerissen hatte. Christophe Moreau hat in diesem Juni den Fehler des Vorjahres vermieden, wo er eindeutig zu früh brillierte. Anstelle des Sieges bei der Dauphiné trat der zweite Rang bei der viertägigen Route du Sud. Allerdings hätten viele Franzosen dort angesichts des schweren Kurses und der überschaubaren Konkurrenz durchaus einen klaren Sieg des Routiniers erwartet.
Fragwürdig: Wenig überzeugend fiel der Auftritt von Oscar Pereiro bei der Dauphiné aus. Trotz aller Helferdienste für Teamkollege Valverde war der 60. Platz enttäuschend. Nur wenig besser schlug sich Samuel Sanchez (45.), dabei soll der Dritte der Spanien-Rundfahrt im Juli das Team Euskaltel anführen. Auch Yaroslav Popovych (28.) hätte man in den Alpen nicht sofort als jenen Fahrer erkannt, der die letzte Tour auf Platz acht beendete.
Rätselhaft: Für Lance Armstrong gilt er schon als potenzieller Tour-Sieger, doch bei der Tour de Suisse konnte Stijn Devolder als 18. nach gutem Beginn nicht mehr für erfreuliche Schlagzeilen sorgen. "Das wird alle wieder auf den Boden zurück holen", kommentierte der Belgier daraufhin die hohe Erwartungshaltung in seiner Heimat. Große Hoffnungen weckte hingegen Thomas Lövkvist als Fünfter in Bern. Die Frage bleibt aber, ob er auch über drei Wochen derart auftrumpfen kann: Der Schwede kam bislang bei seinen drei Auftritten in Frankreich nie über Platz 61 hinaus, ist aber mit 24 Jahren fraglos noch steigerungsfähig.
Ein Rätsel war manchen Beobachtern sein kometenhafter Aufstieg bei der letzten Tour, diesmal plagen Juan Muaricio Soler im Vorfeld ganz irdische Beschwerden: Eine Verletzung behindert den Bergkönig von 2007 und macht eine Prognose fast unmöglich. Fast unerklärlich war der Totalausfall von Thomas Dekker in der Schweiz, der die Rundfahrt weit abgeschlagen vorzeitig aufgab - eventuell wird der Niederländer nun gar nicht in Brest antreten.
Das dürfte schließlich einen großen Mitfavoriten schmerzen: Dekkers Teamkollege Denis Menchov hatte den Niederländer eigentlich fest als Edelhelfer eingeplant. Die Form des Russen selbst ist nicht zu beurteilen: Nach seinem starken Auftritt beim Giro d'Italia ist er kein Rennen mehr gefahren, hat sich aber zuletzt intensiv in den Alpen und Pyrenäen vorbereitet. Er geht damit als "der große Unbekannte" am 5. Juli ins Rennen - doch schon eine Woche später werden das erste Zeitfahren und die erste Bergankunft gezeigt haben, ob auch er tatsächlich zum ganz engen Favoritenkreis gehört.
TV-Hinweis:
Eurosport wird auch 2008 die Tour de France täglich umfassend präsentieren: Im Mittelpunkt stehen die ausführlichen Live-Übertragungen aller 21 Etappen, hinzu kommen exklusive Vorberichte und Interviews, etwa zum Etappenstart, sowie die abendlichen Zusammenfassungen!
Kommentare 1 - 4 of 4
Die Luxemburger werden bersuchen 50 jahre nach den Sieg vom Engel der Berge, Charly Gaul, den Alpe d´Huez als erste zu überqueren, ich glaube kaum, dass Kirchen auf Toursieg fahren kann und bei andy und Frank muss man abwarten wieviel zeit sie in den Bergen herausfahrne können, weil sie beide schlechtere Zeitfahrer sind
Da gibts so ein recht gutes Magazin" Procycling"...da hat Lance ein Interview gegeben.Einfach mal nach Procycling suchen....
lance hatte sowas schon vor laengerem gesagt. devolder war erst wassertraeger und dann edelhelfer fuer lance...
Toll gemacht der Artikel. Aber Frage: Haben Sie denn mit dem Lance gesprochen oder woher wissen Sie, wen er als Tourfavoriten sieht?
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