Eurosport - Sa 23.Jun. 09:27:00 2007
Wimbledon - Bei den 121. All England Championships gilt wieder nur ein Motto: Alle gegen den vierfachen Wimbledonsieger Roger Federer, der seinen fünften Triumph in Folge anstrebt. Mighty Mouse, Kanonier, Pedant und Co. wollen dem "Rasentitan" das Leben schwer machen - die Favoriten im Eurosport-Check.
Von 2003 bis 2006 lief alles nach demselben Schema ab - der Eidgenosse klopfte sich traditionsgemäß beim ATP-Turnier in Halle den Sand von den Schuhen und tankte mit dem Sieg in Westfalen Selbstvertrauen für den "heiligen Rasen" in Wimbledon. Vier Mal gewann er anschließend das prestigeträchtigste Turnier der Welt.
Nach der neuerlichen Pleite im Finale der French-Open brach der 25-Jährige mit der Tradition, sich in Halle auf Wimbledon vorzubereiten, fuhr stattdessen in die Schweiz und erholte sich von den strapaziösen Auftritten in Paris. Zwar änderte der Top-Gesetzte Schweizer im Vorfeld seine Gewohnheiten, jedoch wird Federer den Schlüssel zu seinem grünen Königreich nicht freiwillig abgeben.
"Man vergisst die French Open sofort, wenn man im Monat danach den Titel in Wimbledon gewinnt", so Federer, der zweifelsohne der große Favorit auf den Turniersieg ist. Der Weltranglisten-Erste verbucht die Rekordbilanz von 48 Siegen in Serie auf Gras und will durch seinen fünften Sieg in Wimbledon mit Björn Borg gleichziehen.
Fazit: Trotz geänderter Vorbereitung - klarer Sieganwärter!
"Er hat die Muskeln von Superman und die Energie von Mighty Mouse", so beschrieb der ehemalige Profi Cliff Drysdale den kampfbetonten Athleten aus Mallorca. Im Vorjahr stand der 21-Jährige überraschend im Finale von Wimbledon und trotzte Federer einen Satz ab.
Seit 1966 konnte kein spanischer Spieler mehr in Wimbledon die Trophäe in den launischen englischen Himmel stemmen, aber "Nadal hat das Selbstbewusstsein, Roger zu bezwingen und er kann alle Grand-Slams gewinnen", gab der Ex-Profi Kevin Curren dem Spanier einen zusätzlichen Motivationsschub.
Zwar unterlag Nadal beim Vorbereitungsturnier in Queens unerwartet gegen den Franzosen Nicolas Mahut, aber nach seinem triumphalen Lauf in Roland Garros musste auch der spanische Heißsporn Tribut zollen. Nadal tat es seinem Freund und Erzrivalen Federer gleich - er flog in die Heimat und stimmte sich beim Golfen wenigstens auf den Untergrund "Rasen" ein. Der Mallorquiner ist an Nummer zwei gesetzt und strotzt vor Selbstvertrauen. "Ich bin ein viel besserer Spieler, viel erfahrener", resümierte der Sandplatz-Spezialist seine bisherige Saison.
Fazit: Wo rohe Kräfte sinnvoll walten - Nadal ist auch nach seinem Aus in Queens der nominierte Rasen-Prinz!
Immer wenn die All England Championships näher rücken, packt der US-Amerikaner Roddick sein bestes Tennis aus. Wie Federer in Halle, gewinnt Roddick fast schon mit Gewohnheitsrecht das Turnier in Queens und betritt den Rasen in London mit breit geschwellter Brust.
Zwei Mal stand der an Nummer drei gesetzte Roddick bereits im Finale und unterlag jeweils dem Schweizer "Rasen-Titan". In seinen Matches demoralisiert der 24-jährige Amerikaner seine Gegner gewöhnlich mit seinem fast übermenschlichen Service. Roddick hält mit 249,4 km/h den Aufschlagweltrekord.
Fazit: Nicht zwingend Top-Favorit, denn in dieser Wertung kommt nach Federer lange nichts. Final-Aspirant ist der amerikanische Kanonier aber in jedem Fall!
Als einer von zwei aktiven Spielern weiß der 26-jährige Australier wie es ist, in Wimbledon zu gewinnen. Der an Nummer 16 gesetzte Familienvater aus Sydney bezwang 2002 den Argentinier David Nalbandian glatt in drei Sätzen und krönte damit seine damalige Weltranglisten-Position eins.
Nach etlichen Verletzungen und Veränderungen in seinem Privatleben, strebt Hewitt wieder in Richtung Weltspitze und ist insbesondere auf Gras immer für eine Überraschung gut.
Fazit: Mit stechendem Blick zur Spitze zurück - vielleicht gelingt es Hewitt, das Kunststück von 2002 zu wiederholen!
Niemand wird ihn auf der Rechnung haben, auch wenn der 35-Jährige an Position 19 gesetzt ist. Falls er eine günstige Auslosung erwischt, könnte der pedantische Smaländer - wie er sich selbst bezeichnet - eine Sternstunde erleben, denn an einem guten Tag kann Björkman jeden Spieler schlagen, auch wenn er der klassische Außenseiter-Tip bleibt.
Im Tenniszirkus liegen zwischen dem zweimaligen Nottingham-Gewinner Björkman und Jungspunden wie Nadal, Murray & Co. gewiss Welten, aber vielleicht gelingt ihm wie im Vorjahr ein Überraschungscoup, denn immerhin erreichte der erfahrene Schwede 2006 das Halbfinale in Wimbledon.
Fazit: Sympathischer Perfektionist mit Außenseiter-Chancen!
Eurosport - Richard Rother
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