Bundesliga - Koks im Haar und Pulver im Kaffee

Sa 23.Apr. 10:00:00 2011

Uli Hoeneß und Christoph Daum sind seit über 20 Jahren Intimfeinde. Am Samstag treffen die beiden in Frankfurt aufeinander, daher verordnete sich Daum selbst einen Maulkorb. Der FCB-Präsident hatte zuletzt gestichelt, man habe dem Eintracht-Boss "Pulver in den Kaffee" getan, als er Daum engagierte.

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Wenn man nach einem Moment sucht, an dem die intime Feindschaft zwischen Uli Hoeneß und Christoph Daum ihren Anfang genommen hat, dann war es wohl der 20. Mai 1989.

Damals hatte sich Daum als Trainer des 1. FC Köln nicht nur erdreistet, die mächtigen Bayern im Titelkampf herauszufordern, sondern war auch in einer bis dato nie da gewesenen verbalen Schärfe auf den Gegner losgegangen. Der schon legendäre Höhepunkt des Schlagabtausches ereignete sich dann im "aktuellen Sportstudio".

Ein kurzer Auszug:

Hoeneß: "Du hast über Jupp Heynckes gesagt, er könnte Werbung für Schlaftabletten machen."

Daum: "Richtig."

Hoeneß: "Du hast gesagt, die Wetterkarte ist interessanter als ein Gespräch mit Jupp Heynckes."

Daum: "Richtig, dazu stehe ich auch."

Hoeneß: "Am nächsten Donnerstag ist dein Weg zu Ende."

Daums Koks-Affäre wird öffentlich

Zu Ende war Daums Weg zwar nicht, doch mit der Niederlage gegen die Bayern endeten zumindest die Titelträume der Kölner. Daran hatte Daum schwer zu knabbern. Und Hoeneß beobachtete fortan aus der Distanz den Werdegang des Emporkömmlings, der ja lediglich Amateurfußballer gewesen war. Hellhörig wurde Hoeneß dann, als Daum im Jahr 2000 als neuer Bundestrainer im Gespräch war. In einem Interview mit der Münchener "Abendzeitung" machte Hoeneß die Gerüchte um den Kokain-Konsum Daums öffentlich.

"Der DFB kann doch keine Aktion 'Keine Macht den Drogen' starten und Herr Daum hat vielleicht damit etwas zu tun", ließ sich Hoeneß damals zitieren und sprach auch über den "verschnupften Daum". In einem Anflug von Realitätsverlust reichte Daum eine Haarprobe ein, deren Befund positiv war. Als Kandidat für den Bundestrainer-Job war Daum nun untragbar, das Medienecho gewaltig. Hoeneß musste sogar Bombendrohungen hinnehmen, doch er hatte Recht gehabt.

"Eine Never-Ending-Story"

Auch heute hat sich das Verhältnis zwischen den Streithammeln keinesfalls gebessert. "Christoph Daum ist ein Selbstdarsteller mit einem außergewöhnlichen Hang zum Größenwahn", erklärte Hoeneß vor dem Duell zwischen Frankfurt und Bayern am Samstag (ab 15:30 Uhr im Live-Ticker von eurosport.yahoo.de). Daum sagte seinerseits: "Mit diesem Herrn will ich überhaupt nicht mehr zusammentreffen." Es wird sich wohl nur schwer vermeiden lassen, denn der Bayern-Präsident ist auch bei Auswärtsspielen mit dabei. Und würde sich sogar zu einem Handschlag herablassen. Daum dagegen verhängte sich selbst gar einen Maulkorb in Sachen Hoeneß, um seine abstiegsgefährdete Eintracht nicht abzulenken, obwohl er auf den letzten Angriff des Münchners sicher gerne gekontert hätte.

Hoeneß hatte nach der Verpflichtung Daums in Frankfurt öffentlich vermutet, jemand habe Vereins-Boss Heribert Bruchhagen da wohl irgendein "Pulver in den Kaffee" gekippt. "Ich hatte gehofft, dass wieder Normalität einkehrt, aber da habe ich mich völlig getäuscht. Das ist halt so eine Never-Ending-Story", sagte Daum vor einigen Wochen. Nun schweigt er, doch innerlich kocht er sicherlich. Daum will lieber sportlich auf die Sticheleien antworten, doch das wird schwer genug. Gegen keine andere Mannschaft ist die Bilanz der Eintracht schlechter als gegen Bayern. Aber Daum dürfte wohl keine Schwierigkeiten haben, sie zu motivieren.

TV-Tipp:

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Petra Philippsen / Eurosport

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