Eurosport - Mi 23.Apr. 22:47:00 2008
Spielt Ottmar Hitzfeld "Russisches Roulette"? Der Trainer des FC Bayern München will bis zur letzten Sekunde warten, ob der angeschlagene Miroslav Klose im Halbfinal-Hinspiel des UEFA Cups gegen Zenit St. Petersburg auflaufen kann. Denn der Respekt vor dem russischen Meister ist groß.
Klose, der sich nach einem Schlag auf den Fuß mit einer schmerzhaften Entzündung herumschlägt, absolvierte zumindest das Training am Mittwoch. "Wir müssen abwarten. Miro wird ein leichtes Training absolvieren, aber ob er gegen Zenit spielen kann, wird eine Frage von Stunden", erklärt Hitzfeld auf der Pressekonferenz vor dem Duell gegen den russischen Meister (Donnerstag ab 20:45 im Ticker bei eurosport.yahoo.de). Die anschließende Übungseinheit unter dem wolkenverhangenen Münchner Himmel trat der deutsche Nationalspieler jedenfalls mit Kickstiefeln an...
Trotzdem: Ohne Klose, ohne den gelbgesperrten Luca Toni - die Münchner zittern vor dem wichtigen Spiel um ihren Paradesturm. "Es ist immer ein wenig blöd, wenn der beste Torschütze nicht mitmachen darf", kommentiert Franck Ribery den Ausfall von Toni. Umso wichtiger wäre Klose. "Wenn Toni spielen dürfte, könnten wir Miro schonen", erklärt Hitzfeld: "Aber so müssen wir alles unternehmen, damit er spielen kann."
Gut möglich, dass es ein komplett anderes Sturmduo richten muss. Lukas Podolski steht bereit, doch wer soll neben dem jungen Vater für Torgefahr sorgen, sollte Klose tatsächlich ausfallen? Jan Schlaudraff, der ab der kommenden Spielzeit bei Hannover 96 auf Torejagd gehen wird, könnte zum Ende seiner FCB-Zeit noch einmal in den Fokus rücken. "Jan hatte bisher nur wenige Chancen, sich zu beweisen. Ich hätte kein Problem damit, Schlaudraff spielen zu lassen", betont Hitzfeld, der die Situation recht entspannt sieht. "Wir haben im Verlauf der Saison schon zahlreiche namhafte Ausfälle verkraften müssen. Die Mannschaft konnte das bisher immer kompensieren und ist stark genug, um St. Petersburg zuhause zu schlagen. Ich mache mir da keine Gedanken."
Hitzfeld kommt ins Schwärmen
Was den "General" viel mehr beschäftigt, ist der Gegner und die Frage, wie man den "Zenit-Express" stoppen kann. Hitzfeld macht keinen Hehl daraus, dass er St. Petersburg als ernsthaften Stolperstein auf dem Weg zum Unternehmen "UEFA-Cup-Sieg" erachtet. "Sie sind technisch sehr gut ausgebildet, sind blitzschnell, auch mit dem Ball am Fuß. Zudem ist Zenit über Konter brandgefährlich."
Als "weltklasse" bezeichnet Hitzfeld einige Spieler des mit Gazprom-Millionen finanzierten Klubs. Der 59-Jährige schwärmt von Stürmerstar Andrej Arshawin ("Er ist technisch perfekt"), dem in der Torjägerliste hinter Spitzenreiter Toni (zehn Treffer) rangierenden Angreifer Pawel Pogrebnyak (8) und Spielmacher Anatoli Timoschtschuk, lobt die Spielanlage der Russen und bezeichnet Zenit als den "stärksten Gegner im bisherigen Wettbewerb". Das Beispiel Bayer Leverkusen habe gezeigt, zu was die Mannschaft des niederländischen Trainers Dick Advocaat imstande ist. "Das war nicht nur für uns, sondern auch für die Medien und unsere Fans lehrreich. Jeder weiß jetzt, dass wir es mit einer absoluten Spitzenmannschaft Europas zu tun haben", warnt der künftige Schweizer Nationaltrainer.
Bitte kein "Drama" mehr
Keine Frage: Der Bayern-Trainer ist darauf bedacht, die Konzentration hoch zu halten. Denn ein Drama wie im Viertelfinale gegen Getafe möchte Hitzfeld nicht noch einmal erleben. "Wir müssen in der Allianz Arena unsere Möglichkeiten ausschöpfen und dürfen St. Petersburg nicht viele Chancen geben. Ein 1:0 oder 2:0 wäre ein gutes Ergebnis", fordert Hitzfeld, der aber auch klar stellt: "Das Duell gegen Getafe hat gezeigt: Wir können auch auswärts Tore schießen und ein Spiel drehen."
Etwas drehen müssen möchte der "General" in einer Woche in St. Petersburg aber eigentlich nicht. Höchstens eine Ehrenrunde als frisch gebackener Finalteilnehmer im UEFA-Pokal.
Von der Säbener Straße berichtet Stefan Zürn / Eurosport